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Das verborgene Jerusalem

Als ich gebeten wurde, etwas über unsere Friedensarbeit in Israel zu schreiben, beschloß ich, bei der Zukunft zu beginnen – der Stimme der nächsten Generation. Ein 11-jähriges Mädchen schrieb vor dem AllinPeace-Festival (früher: OlymPeace) dieses Gedicht:

Es ist unmöglich, Frieden zu beschreiben.
Es ist eine Art Traum, den man nicht abschütteln will:
In ihm ist jeder fröhlich,
von oben hört man eine Weise,
ja, jeder ist glücklich...
Aber wie wird es sein, wenn Frieden wirklich wird?

Natürlich werden wir glücklich sein –
Für eine Weile,
aber was dann?
Wir könnten uns langweilen, nicht wahr?
Keiner kann es sagen.
Ich bin nur ein kleines Mädchen, das wenig versteht.
Aber glaubst Du nicht, daß diese vage Etwas,
aus dem niemand aufwachen will,
etwas ganz Reales ist, nur vergessen?
Was hat all dies mit mir zu tun?
Ich sag es Dir:
Eines weiß ich, eine klitze-kleine Sache:
Wenn du etwas stark genug willst,
wird es sicher kommen!
Willst du mir zuhören,
so klein wie ich bin?
Dann weiß ich, was ich dir geben kann:
HOFFNUNG.
Hadas, 5. Klasse, Jerusalem

Die Suche nach Frieden...

Dieses Mädchen hat uns mit ihren weisen Worten und ihrer Einsicht Hoffnung gegeben. Wenn genug Kinder solch ein Bild haben und festhalten können – trotz allem, was wir täglich erleben müssen –, dann bekommen wir alle durch diese Kinder die Möglichkeit für eine bessere Zukunft geschenkt.

Wie können wir Erwachsenen ihnen helfen, Wege in eine andere Wirklichkeit zu erkunden, als jene, der wir täglich durch die Medien ausgesetzt sind?

An der Oberfläche sieht es ganz nach einem aussichtslosen Kampf aus. Aber ein tieferer Blick in die Ecken – den die Medien einem nicht geben – würde Licht auf einige wenig bekannte Möglichkeiten werfen. (Und wir sollten die Rolle der Medien im arabisch-jüdischen Konflikt hinterfragen: Berichten sie objektiv über die Welt, oder schaffen sie diese vielmehr? Eine Selbstmordbombe macht eine Nachricht! Aber zwei Kinder von beiden Seiten, die gemeinsam Samen in die Erde säen, werden in keiner Zeitung auch nur eine Zeile auf der letzten Seite bekommen. Die Medien und das, was sie in unsere Köpfe und Herzen drucken, sollten öffentlich geprüft werden).

Das Zentrum des Konflikts ist Jerusalem – Quelle von vielen Tragödien, aber auch für Inspirationen. Was kann die Jugend von Palästina und Israel gemeinsam tun? Wenn sie überhaupt keine Chance hat, sich zu begegnen, wird sie kämpfen. Trotz des Vertrages von 1967 ist die Stadt noch immer durch Checkpoints und eine tiefe Furcht voreinander geteilt.

...braucht konkrete Taten

Doch im Dezember konnten manche Kinder und Jugendliche einander auf eine andere Art begegnen – beim AllinPeace Seminar in Bethlehem. Es war das erste Mal, daß diese Schüler einander trafen. Während einer intensiven Woche gemeinsamer Arbeit verwandelte sich der Blick aufeinander vollkommen, und ein gemeinsamer Boden und Hoffnung waren entstanden.

Bei "AllinPeace" geht es nicht wie bei den Olympischen Spielen um Wettbewerb, sondern um athletische und künstlerische Aktivitäten und Kommunikation. Auf diese Weise zerbrechen die Stereotypen, die die Feindschaft hervorbringen, und der Sinn für Gemeinsamkeit und Gemeinschaft kann wachsen.

"AllinPeace" will den heiligen olympischen Geist wieder beleben, damit er mehr als eine wunderbare Erinnerung ist, nämlich eine strahlende Vision des Friedens. Die UNO nannte an ihrem Internationalen Tag des Friedens im Jahr 2004 unsere Initiative AllinPeace zu "one of the best sport and peace education programs."

Es könnte wie ein Traum klingen, aber während der letzten neun Jahre trafen Schüler der Adam Waldorfschule regelmäßig palästinensische Schüler eines Nachbardorfes - als Teil ihres Lehrplans. Es ist ein Waldorf-inspiriertes Programm, daß verschiedene Aspekte von Friedenserziehung entwickelt hat:

- Emotionaler Schutz für Kinder in Konfliktgebieten,
- Moralität und Pflicht der Pädagogen in Konflikt-Bedingungen,
- Integration von Friedenserziehung in den Waldorflehrplan in verschiedensten Fächern.

Friedenserziehung schließt Konfliktlösung aller Art ein, nicht nur zwischen Ländern und ethnischen Gruppen. Sie sollte dem Pädagogen auch in seiner eigenen Klasse helfen!

Und was kann wichtiger sein, als daß die Kinder einen Sinn für inneren Frieden entwickeln, wie es Yona (12) beschrieb, als er zwei Jahre lang an unserem Programm teilgenommen hatte:

Wenn ich Frieden beginnen will,
wo soll ich anfangen?
Zuerst in meinem Land,
aber wo in meinem Land?
Nun, in meiner Stadt,
aber wo in meiner Stadt?
Meine Nachbarschaft,
aber wo in dieser Nachbarschaft?
In meiner Straße, natürlich,
aber wo in dieser?
Bei mir,
bei mir und bei denen,
mit denen ich streite!

Ich hoffe, die Worte dieser Kinder werden in unsere Seelen widerhallen und uns zeigen, wo in einer unfriedlichen Welt unsere moralische Pflicht liegt.

Eyal Bloch (übers. hn)