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Waldorf Education auf der Eselkarre

Nachdem wir im März 2004 endlich ein Haus für das Waldorf Education Centre gefunden hatten, hatte ich zwei Schilder entworfen. Als sie in Regenbogenfarben auf einer Eselskarre geliefert wurden, wurde uns erneut bewußt, dass in Pakistan Mittelalter und die Moderne nebeneinander existieren. Auch das Wort „Kal“ in der Landessprache Urdu bedeutet zugleich „gestern“ und „morgen“...

Ob die Menschen überhaupt zur Kenntnis genommen haben, was der Eselskarren auf der am dichtesten befahrenen Straße von Lahore im Schrittempo transportierte?

Lahore ist mit rund 10 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Pakistans. Die Menschen sind daran gewöhnt, an jeder Ecke „Kino“ zu erleben. Eine Sensation wird von der anderen übertroffen. Die Dinge werden kaum wahrgenommen. Man sieht flüchtig die vorbeigehende oder vorbeifahrende Sensation an und sucht unbewußt die nächste.

Der Aufbau der Geschäfte, Häuser, Wohnsiedlungen oder Schulen hat nur ein einziges Kriterium: je sensationeller, desto größer die Erfolgschancen. Auch die Schulen und Colleges sind kommerzielle Unternehmen. Schulen, die die Kultur und Tradition des Landes widerspiegeln, werden als altmodisch betrachtet und abgelehnt.

Doch einige Menschen gestalten ihr Leben nicht nach dem „Herdenprinzip“, sondern denken und handeln selbständig, suchen nach neuen Wegen. Es sind diese Menschen, die unser Waldorf Education Centre beleben. Im Kindergarten haben wir sechs Kinder, im Lehrerseminar zehn TeilnehmerInnen und in Kunstkursen 15. Diese Menschen machen uns Hoffnung, weiter zu machen.

Nach der offiziellen Eröffnung des Waldorf Education Centre durch den deutschen Botschafter kamen einige Schulen auf uns zu, die ihrer Lehrer zu uns in die waldorfpädagogische Fortbildung schicken wollen. Auf einmal sind es drei Schulen mit 70 LehrerInnen, die Waldorfpädagogik wollen!

Ist dies vielleicht auch eine neue Sensation – „Made in Germany“? Oder ist dahinter eine ernst zu nehmende Sache? Die ermutigenden Erfahrungen mit den bisher zehn TeilnehmerInnen des Seminars geben uns die Antwort. Denn die Schulen, die Kontakt zu uns gesucht haben, sind Schulen für die armen Kinder und Waisen und suchen nach Möglichkeiten, durch die Aus- und Fortbildung ihre Akzeptanz in der Bevölkerung und ihre wirtschaftlichen Verhältnissen zu verbessern. Diese Schulen für die Armen stellen das wahre Gesicht der pakistanischen Gesellschaft dar und bieten der Waldorfpädagogik einen realistischen Boden an.

Die Fahrt der Schilder auf der Eselkarre gibt uns ein Zeichen in die Zukunft: Langsam aber stetig erreichen wir unser Ziel.

Shahid Alam