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Aus der Arbeit der Freunde der Erziehungskunst

Kürzlich kam ein Brief, in welchem sich eine Dame darüber beklagte, daß die Freunde der Erziehungskunst im letzten Spendenaufruf zu Stipendien für ausländische Studenten aufgerufen hatten, obwohl es doch so vieler guter Lehrer auch in den deutschen Waldorfschulen bedarf und hier die pädagogische Qualität nicht immer gesichert sei.

Obwohl wir diesem Eindruck zustimmen, liegt die Aufgabe der Freunde der Erziehungskunst doch auf der Entwicklung der Waldorfpädagogik im Ausland. Wir wollen das eine nicht gegen das andere ausspielen, sehen aber nach wie vor eine riesige Entwicklungsaufgabe in der außereuropäischen Schulbewegung und glauben an die positiven Effekte eines interkulturellen Austausches, gerade auch für die deutschen Waldorfschulen.

Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn Sie etwa den Bericht über den Schüleraustausch zwischen Bad Nauheim und Kischinew in diesem Rundbrief lesen, oder wenn Sie beobachten, was es für eine Klasse in Deutschland bedeutet, wenn sie z.B. eine Patenschaft für ein kleines Mädchen in Khayelitsha (einer Township am Rand von Kapstadt) übernimmt und diesem dadurch den Besuch der Zenzeleni Waldorfschule ermöglicht. Interkulturelle Partnerschaft ist – gerade für die hiesige Situation – von großer Bedeutung. Die Kenntnis von Schulen im Ausland relativiert die eigenen Sorgen und stimmt froh über die Erreichnisse. Auf diesem Hintergrund können die Herausforderungen, die sich selbstverständlich auch hier auf verschiedenen Ebenen stellen, ganz anders angepackt werden.

Weltlehrertagung und Mitgliederversammlung

Für die Arbeit der Freunde der Erziehungskunst war die Weltlehrertagung, die kurz nach Ostern in Dornach stattfand, eine großartige Begegnungsmöglichkeit. Viele Menschen, die uns nur aus dem Schriftverkehr bekannt sind, bekamen Gesichter und es entstand ein warmer menschlicher Eindruck von all den Situationen, in denen sich Lehrerinnen aus Kapstadt oder Hyderabad oder Triest befinden. Diese Begegnung haben wir genutzt, um viele Gespräche zu führen, Verabredungen zu treffen und Gewichtungen für unsere Arbeit neu zu setzen.

Eine viel kleinere Begegnung war unsere Mitgliederversammlung, die am 18. Juni in Stuttgart stattfand, und bei der wir Berichte aus Ghana, Brasilien sowie Georgien hören und Gäste aus Israel empfangen durften. Wir sind jedes Jahr dankbar über die positive und fördernde Haltung derjenigen Mitglieder, die zu dieser Versammlung kommen, und haben dort Gelegenheit, den Mitarbeitern, die diese Arbeit bewerkstelligen, aufs herzlichste zu danken.

Im vergangenen halben Jahr haben wir uns u.a. mit folgenden Aufgaben der internationalen Schulbewegung beschäftigt:

Osteuropa

Als die Waldorfschule in Zagreb im Frühjahr in eine ziemlich schwierige Situation geraten war, wurde es notwendig, die Schule zu besuchen. Eine rechtlich unsichere Situation konnte gemeinsam bearbeitet werden und Lösungsperspektiven wurden entworfen, mit deren Umsetzung die Kollegen derzeit beschäftigt sind. Briefe an die Schulbehörden und an das kroatische Bildungsministerium haben hoffentlich dazu beigetragen, daß die Schule im Herbst weiterarbeiten kann.

Leila Kostić, die den Kindergarten in Sarajevo bisher in gemieteten Räumen betreibt, sucht eine längerfristige Lösung in neuen Räumlichkeiten. Da in Bosnien Vereinsgründungen bis heute schwierig sind, wird der Kindergarten unter dem Dach von „Zauberstäbchen - Gesellschaft für humanitäre Hilfe für Kinder in Südost- und Osteuropa e.V.“ betrieben. Weil der Kindergarten in Zukunft in einem Privathaus untergebracht sein wird, mussten wir bei der Lösung der rechtlichen Schwierigkeiten mitwirken.

Bisher gibt es keine waldorfpädagogische Einrichtung in Bulgarien. Vielmehr wurde von Seiten des Bulgarischen Bildungsministeriums signalisiert, daß es keinen Bedarf für Kindergärten und Schulen gebe, die nicht nach dem staatlichen Curriculum arbeiten. Wir haben durch viele Gespräche und finanzielle Unterstützung dabei geholfen, daß in Bulgarien erste berufsbegleitende Kurse und öffentliche Informationsveranstaltungen stattfinden konnten. Ob sich dadurch genügend viele Menschen finden, die trotz der Widerstände eine Gründung vorbereiten wollen, ist noch offen.

Wieder einmal ist es uns gelungen, eine sozialtherapeutische Einrichtung in Rumänien mit Hilfe einer Ko-Finanzierung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu unterstützen. Nach den Projekten in Simeria und Urlati ist die Unterstützung für den Verein Prietenia in Bukarest die dritte große Förderung der Sozialtherapie in Rumänien. In diesem Jahr gründeten die heilpädagogischen Einrichtungen in Rumänien auch einen Dachverband, der ihre Anliegen gegenüber dem Staat besser vertreten soll.

In Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation Osteuropa (IAO) hat sich die Arbeit der Freunde der Erziehungskunst mit Waldorfschulen in der Ukraine ausgeweitet. Gegenwärtig sind wir mit den Waldorfschulen in Dnipre, Krivoj Rog, Odessa und Kiew über eine weitere Unterstützung beim Bau bzw. Ausbau von Schulhäusern im Gespräch. Da die jeweils angefragten Summen die Möglichkeiten der Freunde der Erziehungskunst bei weitem übersteigen, ist es notwendig, aufs engste mit anderen Stiftungen zu kooperieren und gemeinsame Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. In dem Arbeitskreis „Kapital für Bildungsinvestitionen“ werden diese Anfragen wie auch in den vergangenen Jahren von Vertretern der verschiedenen Stiftungen gemeinsam beraten.

Mit Hilfe dieses Arbeitskreises ist z.B. auch die Finanzierung der Renovierung der Waldorfschule in Rjasan, etwa 200 km südöstlich von Moskau, zustande gekommen. Die Freunde der Erziehungskunst wie auch die Software AG Stiftung stellten jeweils 20.000,- € zur Verfügung, weitere Stiftungen beteiligten sich mit kleineren Beträgen. Durch die besondere Hilfe der Handwerkslehrer der Waldorfschule Stuttgart-Uhlandshöhe, die eine längere Zeit dort verbracht haben, ist eine solide Renovierung gelungen.

Für die Begleitung einiger Waldorfschulen in Russland (Woronesch, St. Petersburg, Rjasan, Kirow) durch erfahrene Lehrer konnten wir mit Reisekosten helfen. Diese kontinuierliche partnerschaftliche Zusammenarbeit scheint uns derzeit eine ausgesprochen wichtige Mithilfe zur Stabilisierung dieser Schulen zu sein.

Afrika

Außerhalb Europas haben wir uns wieder insbesondere für die Schulen in Südamerika, Afrika und Asien eingesetzt.

Zu unserer Freude ist Shannoh Kandoh, dem wir ein Waldorfpädagogik-Studium in England ermöglicht hatten, nach Sierra Leone zurückgekehrt, wo er nun beim weiteren Aufbau einer kleinen Schule in Freetown mitwirkt. Diese Schule hat sehr viel Unterstützung – von Buntstiften bis Schulbänken – nötig, die wir bisher nur unzureichend gewähren können.

Über diesen Anfang von Waldorfpädagogik in Westafrika haben wir auch früher schon in unseren Rundbriefen berichtet. Weitere Initiativen bestehen im Senegal, in Ghana, Nigeria und Kamerun.

Antonio und Tetjana Bazola sind nach ihrem Studium in der Schweiz inzwischen nach Cabinda, eine an Zaire und den Kongo angrenzende angolanische Enklave, zurückgekehrt und haben dort sehr erfolgreich und inzwischen auch staatlich anerkannt mit dem Aufbau einer Schule begonnen. Dieses Projekt unterstützen wir in Zusammenarbeit mit Acacia, unserer Partnerorganisation in der Schweiz.

Die Förderung der kleinen Waldorfschulen und Educare Centres in Südafrika ist ohne Unterbrechung weitergegangen. Der Nompumelelo Kindergarten in Khayelitsha hat z.B. einen neuen Bus bekommen, den die Freunde der Erziehungskunst gemeinsam mit dem Förderverein in Überlingen finanziert haben. Für das Baphumelele Aids-Waisenhaus in Khayelitsha haben sich insbesondere Förderer aus Bochum eingesetzt, die wesentliche Unterstützung für den laufenden Betrieb geben. Viele kleine Patenschaften bestehen für einzelne Kinder aus diesem Waisenhaus, denen so der Besuch der Zenzeleni Waldorfschule ermöglicht wird.

Asien

Im Herbst wird ein nächstes Treffen des Round Table Waldorf in Asia im Anschluß an eine anthroposophische Tagung in Hyderabad / Indien stattfinden, bei dem auch die erste asiatische Waldorflehrertagung vorbereitet werden soll. Diese Treffen der Waldorflehrer aus den verschiedenen asiatischen Ländern, die wesentlich von den Freunden der Erziehungskunst mit organisiert werden, bilden nach wie vor das einzige Forum für den Austausch über alle wesentlichen Entwicklungsfragen, zur Zeit insbesondere zu Ausbildungsfragen und Problemen beim Aufbau von Oberstufen.

Zum ersten Mal werden auch Vertreter einer Einrichtung in China teilnehmen. Zum September diesen Jahres soll ein kleiner Waldorfkindergarten in Chengdu begründet werden, der erste bescheidene praktische Versuch, Waldorfpädagogik in China zu verankern (siehe S. 37). Das Interesse in China ist groß, so daß wir derzeit eine Übersetzung unseres Kataloges: „Waldorfpädagogik weltweit“ auf Chinesisch herausgeben wollen, die von unserem Vertreter in China, Eckart Loewe, erstellt worden ist. Ihm ist es bereits vor einigen Jahren gelungen, eine anerkannte Dependance der Freunde der Erziehungskunst in China zu registrieren und in diesem Rahmen tätig zu werden.

Überall sehen wir, wie durch einzelne Menschen interessante Entwicklungsmöglichkeiten entstehen, wobei viel von der Durchhaltekraft dieser Menschen abhängig ist. Die internationale Zusammenarbeit, die freundschaftliche Unterstützung und gegenseitige Wahrnehmung sind gerade für diese einzelnen Pioniere von wesentlicher Bedeutung. Es ist nicht so sehr die Organisation oder Struktur der Zusammenarbeit, sondern die einzelne menschliche Verbindung und das gegenseitige Vertrauen, aus dem diese Pädagogik ihren Lebensquell über die Welt hin erhält. Daran mitzuwirken ist uns nach wie vor eine große Freude.

Nana Göbel