Im Jahr 2006 zog Johanna Sophia, Professorin der Filmwissenschaften, Waldorflehrerin, Schauspielerin, Autorin und Übersetzerin in 5 Sprachen, nach New Berlin um ihren zwei Kindern in den USA privaten Waldorfunterricht zu geben. Im Oktober, nahm sie ihre Kinder und zwei weitere Schüler auf eine Reise mit um mehr von den Vereinigten Staaten zu sehen und amerikanische Waldorfschulen kennen zu lernen. Was als Geographie-Exkursion und Sightseeing begann, wurde zu einer Fahrt über 7,244 Meilen durch 21 Staaten, während der sie 17 Waldorfschulen und viele Sehenswürdigkeiten besuchten. Ihre Erlebnisse sammelten sie in ausführlichen Berichten.
Die Waldorfschulen in den USA waren, in der Vergangenheit, alle ausnahmslos Privatschulen. Privatschulen müssen in den Vereinigten Staaten dabei komplett von den Eltern finanziert werden. Jedoch müssen die Eltern auch weiterhin die lokale Schulsteuer für öffentliche Schulen in ihrer Region bezahlen, welche sie doch eigentlich ausdrücklich nicht unterstützen wollen. Kurzum, die Waldorfeltern müssen doppelt für die Bildung ihrer Kinder bezahlen! Dabei haben die Waldorfschulen nur selten das Glück größere Schenkungen oder Darlehen zu bekommen und so ist die Schulfinanzierung meist ein unsystematisches Stückwerk. So war es, bis in den 1990er Jahren die ersten öffentlichen Schulen Waldorfmethoden in ihren Lehrplan miteinbezogen und eine öffentlich finanzierte Schule in Milwaukee, Wisconsin, eröffnet wurde. Waldorfschulen konnten nur durch den großen Idealismus von Eltern und Lehrern ins Leben gerufen werden und so waren es nur die amerikanische Mittelklasse oder Schulmitarbeiter (die ihre Kinder kostenlos auf die Waldorfschule schicken konnten) die ihren Kindern Waldorfpädagogik ermöglichen konnten. Unter diesen Vorraussetzungen war jedes Mal ein enormer Aufwand vonnöten, der jeder Waldorfinitiative vorausging.
Als mein Vater, ehemaliger Waldorflehrer in Deutschland, Initiator vieler Neuerungen und Mitbegründer vieler Waldorfschulen und Lehrerseminare in Europa, Gotthilf-Michael Pütz, mich fragte, welche die eindrücklichste Waldorfschule war, die ich in den USA gesehen habe, musste ich nur kurz über die Antwort nachdenken. Ich sagte: weißt du, ich habe realisiert, dass Waldorferziehung in all seinen verschiedenen Formen immer ein Geschenk ist! Es ist ein Geschenk für die Kinder, die Gemeinschaft und die Kultur eines Landes. Ursprünglich wollte ich diesen Artikel „Kultur innerhalb einer Kultur“ nennen aber dann begriff ich, dass dies nicht korrekt ist, weil die Wirkung der Waldorfpädagogik nicht eine isolierte Kultur innerhalb einer Kultur bildet. Vielmehr belebt sie, verjüngt sie, erleuchtet sie und bringt sie die Kultur weiter in der Waldorfpädagogik wirkt. Ich will es noch genauer erklären: ob nun eine Schule offiziell unter der US Schirmorganisation AWSNA zugelassen ist, oder ob sie nur eine neu gegründete initiative mit zusammengefassten Klassen ist, ob sie eine unabhängige Privatunterrichtsgruppe oder eine staatlich unterstützte Charterschule ist, oder sogar eine Schule ist die sich selbst als traditionelle Institution getreu dem „originalen“ 1919 Lehrplan sieht – die ich persönlich über Jahre hinweg missbilligt habe – alle arbeiten sie mit Ehrfurcht für jedes Kind und strahlen alle Intelligenz, Friede und Schönheit in die Welt die sie umgibt aus. Und es scheint mir dass Ehrfurcht alleine, im Sinne von Rudolf Steiners Verständnis der Menschen: als spirituelle Inkarnationen von gleichem Wert, in physischen Körpern verschiedener Formen – universell – immer wirksam ist.
Somit ist mein zusammenfassender Eindruck der 17 Schulen, die meine Kinder, die Austauschschüler und ich besucht haben, im Großen und Ganzen ein Eindruck von überwältigender Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Waldorfpädagogik in allen Ecken der Vereinigten Staaten und fast überall auf unserem Planeten, durch den unermesslichen Einsatz einzelner Menschen weiter wächst.
Johanna Sophia