Ungarn: Außerhalb von Budapest sind in den letzten 20 Jahren in vielen kleinen Städten und Dörfern Waldorfschulen entstanden. Einige unter ihnen sind über den ungarischen Verein für Waldorfpädagogik untereinander vernetzt.
Mit 85% wurde am Tag, an dem auch der Beitritt Ungarns in die EU im Volk bejaht wurde, in einem Dorf entschieden, dass die dortige Schule, die wegen Lehrer- und Schülermangels schließen musste, von einer Waldorfschule ersetzt werden sollte.
Dieses Ergebnis hatte nicht von vornherein festgestanden. Als der Bürgermeister der Satellitenstadt Szentendre die jungen Waldorflehrer auf die schließende Schule im 9 km entfernten Dorf verwies, hatten die Bewohner den Eindruck, man würde versuchen, ihnen die Schule wegzunehmen.
Doch mit der Zeit wurde deutlich, dass es andere Gründe waren, nämlich zu wenig Geld, um die Lehrer zu bezahlen und ein Abwandern der Schüler in die Schulen der Stadt, da diesen der Ruf vorauseilte, besser zu sein als die eigene Dorfschule. So verband sich langsam mit der zukünftigen Waldorfschule neue Hoffnung und auch der Gedanke, dass der Impuls Schulkinder in das Dorf bringen würde. Und so entstand eine zweisprachige Waldorfschule, die neben dem Ungarischen auch Slowakisch unterrichtete, weil das Dorf slowakisch ist.
Jede der vielen Waldorfschulen, die außerhalb von Budapest entstanden ist, weist eine spannende und bewegte Geschichte auf. So ist die Waldorfschule in Miskolc eine der bekannteren Waldorfschulen in Ungarn. Immer wieder ist sie Gastgeber verschiedener internationaler aber auch interner Seminare und Tagungen zur Waldorfpädagogik. Stetig im Wachsen begriffen, scheint die Qualität der Lehre jedoch nicht nachzulassen, denn ihre Abiturienten schneiden bei den Abschlussexamen deutlich besser ab als Schüler anderer, nicht waldorfpädagogisch orientierten Schulen.
In der Nähe des Plattensees ist die Fehérlófia Waldorfschule in Nemesvámos zu Hause, die nach dem Helden eines ungarischen Märchens benannt ist, der als Sohn eines weißen Pferdes auszog, um die Ober- und Unterwelt kennenzulernen, gegen den Drachen zu kämpfen und schließlich ein halbes Königreich sowie die Königstochter zur Frau zu gewinnen. Die Lehrerschaft dieser Schule arbeitet pädagogisch sehr intensiv und sucht stetig nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten, denn ähnlich wie der Sohn des weißen Pferdes von diesem für das Leben in zwei Mal sieben Jahren vorbereitet wurde, ist es die Aufgabe der Lehrer, die Kinder vorzubereiten, damit auch diese einmal in die Welt ziehen können.
Auch die Waldorfschulen Debrecen, Fot, Gödöllö, Gyöngyös, Györ, Kecskemet, Nyiregyhaza, Solymar, Szeged, Szolnok, Szombathely, Vac oder Veszprem sowie weitere Waldorfschulen arbeiten tagtäglich in kleinerem oder größeren Rahmen im Sinne der Waldorfpädagogik und ermöglichen es vielen Kindern, auf eine Waldorfschule gehen zu können.