Die Khanyisa Schule ist eine ganz besondere Schule – sie kümmert sich um Kinder mit verschiedenen Lernschwierigkeiten. Die verschiedensten Schicksale führen die Kinder an diese Schule, wo sie aufblühen und ihre Talente entfalten...
Wenn wir in der dunklen Jahreszeit eine Kerze anzünden, ist dies auch ein Symbol für das Entzünden einer Kerze in uns selbst. In Khanyisa versuchen wir, jedem uns anvertrauten Kind und jungen Menschen dieses Licht zu bringen. Unsere Kinder kommen aus allen Teilen Kapstadts, mit verschiedenstem ökonomischem, kulturellem und religiösem Hintergrund. Viele von ihnen haben sowohl zuhause, als auch an anderen Schulen schon schlimme Erfahrungen mitgemacht.
Wir folgen dem Waldorflehrplan, aber der Hauptunterricht ist an das Potential der Klasse angepasst. Das „Tempo“ ist langsamer, der Inhalt spezifischer. Das Curriculum geht auf die seelischen Bedürfnisse der Schüler ein, aber die Lehrer müssen natürlich auch mit den akademisch-intellektuellen Defiziten jedes Individuums arbeiten. Aber abgesehen vom Inhalt des Lehrplans – was braucht jeder Schüler sonst noch?
Diese Frage ist die Basis, auf der für die Klasse und jeden Schüler ein individuelles Programm gestaltet wird. Jeder Schüler hat seine eigenen Stärken und durch eine Vielzahl kreativer Ansätze und ausgiebige Übung praktischer Fertigkeiten, durch Bewegung, Geschichten (in allen Klassen, nicht nur in der Grundschule) und experimentelle Aufgaben kann jeder auf irgendeinem Gebiet seine Stärken zeigen. So kann jemand, der bei grundlegenden intellektuellen Fähigkeiten Probleme hat, dann bei der Arbeit mit Ton oder Holz, Theaterarbeit, Eurythmie oder Gärtnern seine besonderen Fähigkeiten entwickeln. Die Schüler sind ganz klar fähig, ihre Stärken und Schwächen zu sehen – und zu erleben, wie dies auch für jeden anderen in der Klasse gilt.
Unsere Klassen sind klein, und die Lehrer arbeiten eng zusammen, um sicherzustellen, dass das individuelle Programm für jeden Schüler auch beim Wechsel in die Oberstufe weiterverfolgt wird.
Wir haben Lieder, Geschichten und Rituale aus allen kulturellen und religiösen Gruppen, so dass jeder eine Beziehung dazu finden kann. Es ist aber noch weitere Arbeit nötig, um auch bei den Festen Aspekte der verschiedenen in Südafrika existierenden Lebenshintergründe zu integrieren. Auch unsere Theateraufführungen passen wir so an, dass sie den Lernschwierigkeiten der Kinder angepasst sind und jeder mit eingeschlossen wird. Zum Beispiel versetzten wir Shakespeare in die moderne Zeit und gebrauchen die Umgangssprache, bewahren aber die Story und das Thema. Dabei versuchen wir immer, Aspekte aus dem konkreten Leben unserer Schüler hineinzubringen, so dass sie erleben, dass sie als Menschen trotz ihrer Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen nicht weniger wert sind als andere.
Margaret ist seit drei Jahren bei uns. Sie kam zu Khanyisa von einer staatlichen Schule, an der sie überhaupt nicht zurechtkam. Margaret kommt aus Simbabwe, sie lebt hier mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter und hat ihre Mutter und anderen Geschwister nicht mehr gesehen, seit sie vor vier Jahren ihre Heimat verließ. Dieses Jahr ist sie von der Mittelstufe in unsere Oberstufe gewechselt und bekam eine neue Klassenlehrerin. Ihrer alten Lehrerin Mrs. Francis schrieb Margaret zum Abschied einen Brief:
„Zuerst möchte ich Ihnen für alles danken, was Sie getan haben. Es bedeutet für mich sehr viel. Und es bricht mir das Herz, sie nicht mehr als Lehrerin zu haben, weil sie mir so viel geholfen haben. Sie zeigten mir, wer ich war und wozu ich geboren bin: Eine Autorin zu sein. Zuerst wusste ich nicht, was meine Talente waren oder wofür ich lebte. Doch sie eröffneten meinen Weg. Jetzt bin ich nicht länger im Dunkeln. Ich habe mein erstes Buch begonnen, und es heißt `Liebe kann geschehen, selbst wenn Hass dich hindern will´. Ich habe am 7. Dezember angefangen und habe schon 123 Seiten. Aber darum geht es nicht. Das Wichtigste ist, dass ich Ihnen meine Wertschätzung ausdrücken will. Ich habe immer gedacht, ich wäre Niemand. Doch nun sehe ich die Zukunft anders, und das alles dank Ihnen, meiner lieben Lehrerin, Mrs. Francis...“
Songezile ist in seinem siebenten Jahr in Khanyisa. Auch er begann an einer staatlichen Schule in Kapstadt, wo er ebenso wenig zurechtkam. Er kam zu uns, als er zwölf Jahre alt war – und wird die Schule Ende nächsten Jahres beenden. Songezile hat ein schwieriges Zuhause, er hat zu verschiedenen Zeiten bei seiner Mutter, seiner Tante und seinen Großeltern gelebt. Sie haben große finanzielle Schwierigkeiten, und er musste zuhause mit Gewalt und vielen anderen Problemen zurechtkommen.
In unserer Schule fand Songi eine andere Welt und blühte auf. Er hat eine Begabung für Kunst und Handwerk und macht herausragende Arbeit. Er liebt den Reichtum des Hauptunterrichts und ist stolz auf seine Hefte und arbeitet mit Liebe und Sorgfalt. Khanyisa hat sein Leben enorm verändert. In den nächsten beiden Jahren wird seine Lehrerin mit ihm auch individuell künstlerisch arbeiten, so dass er seine Gabe weiter entwickeln kann. Es wäre wundervoll, wenn Songezile eines Tages die Gelegenheit bekäme, Kunst zu studieren...
Eileen Parker (übers. hn)
Khanyisa School
P.O. Box 476
Plumstead 7801
(Saxonwold Rd)
Tel.: +27 21 761 1709
jenni@khanyisaschool.co.za
AP: Jenni Brassington