Die kleine Geschichte über die Entstehung der ersten portugiesischen Waldorfschule: Escola Livre Do Algarve “A Olivieira”.
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Also das war so mit unserer Waldorfschule hier in Portugal. Im Jahre 2003 gründete sich aus einer Gruppe von Eltern aus dem Waldorfkindergarten in Lagos eine Visionsgruppe. Zu diesem Zeitpunkt war ich durch meine Tochter, die diesen Kindergarten besuchte, mehr und mehr von der Waldorfpädagogik begeistert. Nach einem Vortrag über Visionen (gehalten von Herrn Kaul, Stiftung Marthashofen, einer anthroposophischen Einrichtung in Bayern), ließ mich der Gedanke nicht mehr los, hier in Lagos/Portugal die Waldorfpädagogik weiter zu entwickeln und bekanntzumachen.
Die Visionsgruppe lief jedoch, nach der ersten Begeisterung, nur schleppend an. Manchmal waren viele Eltern da und manchmal nur die Leiterin des Kindergartens und ich. Aber wir hielten durch, denn irgendwo war klar, diese Durststrecke musste überstanden werden. Und so formte sich nach und nach eine wechselnde Gruppe von vier bis sechs Menschen, bis sich nach einigen Höhen und Tiefen schließlich im Jahre 2006 eine feste Gruppe von vier Eltern bildete und beschloss, die Schule wirklich nach langer Vorarbeit zu realisieren.
Nun kamen wir also in die Realisierungsphase mit den dazugehörigen Vorbereitungen, von denen wir natürlich am Anfang keine Ahnung hatten. Nach und nach suchten wir uns alles, was wir für eine Schulgründung wissen mussten, zusammen. Dann kamen Helfer aus verschiedenen Richtungen und begannen, das Projekt zu unterstützen – mit ihren Erfahrungen, mit Vorträgen, mit etwas materieller Unterstützung.
Es kam auch eine portugiesische Lehrerin zu uns. Wir waren schon bei einem Osterspaziergang eine vage Verbindung eingegangen, aber der Kontakt war etwas eingeschlafen. Schließlich besuchte ich das Waldorfseminar in Lissabon, um dort unser Interesse an einer Waldorf Lehrerin zu bekunden. Wieder meldete sich Ana Sara, diesmal mit viel mehr Begeisterung und Interesse an unserem Projekt – wir trafen uns also zum richtigen Zeitpunkt wieder. Langsam setzte sich das Puzzle zusammen: Kontakte mit dem Ministerium für Erziehung wurden geknüpft (die bereits den Kindergarten gut kannten), Räumlichkeiten wurden gesucht, ein Finanzierungsplan aufgestellt, und neben den Kindern der Eltern aus unserer Gruppe kamen langsam auch weitere interessierte Eltern dazu – eine Mutter zog sogar extra wegen der Schule nach Lagos.
Dass diese ganzen Schritte einfach und reibungslos waren, kann man ganz bestimmt nicht behaupten. Aber es war immer die Kraft der Gründungsgruppe und zum richtigen Zeitpunkt eine Lösung der Schwierigkeiten da. Langsam begann ich zu glauben, dass die werdende Schule auch von anderen, nicht sichtbaren Kräften getragen wurde, die diese Schule mit entstehen lassen wollten. Ein Vertrauen in die Sache selbst, ein Getragenwerden, entstand. Doch möchte ich hier noch von einigen unserer “Überraschungen“ berichten, die unsere Schule bis heute immer wieder begleiten:
Wir hatten bereits ein privates Gebäude gefunden, denn mit dem Ministerium für Erziehung war zu dem Zeitpunkt abgesprochen, dass die Schule erst einmal als homeschooling laufen sollte. Wir brauchten also Tische und Stühle für unsere ersten Kinder. Die Eltern beschlossen, sie an den Wochenenden selbst zu bauen. Viel Zeit und Mühe wurde darauf verwendet, aber auch viel Spaß und Freude. Es entstanden also die einzelnen Holzteile, um dann die Möbel zusammenzubauen. Doch als alles fertig war, stellte sich heraus, dass wir trotz Beratung nicht das richtige Holz verwendet hatten. Alles begann aufzubrechen, und wir konnten die Teile nicht mehr benutzen – alle Arbeit scheinbar umsonst! Woher neue Tische und Stühle nehmen, wo kein Geld mehr dafür da war?
Die zweite “Überraschung“ war dann, das das Ministerium sieben Wochen vor Schuleröffnung beschloss, dass wir für die Schule ein öffentliches Gebäude brauchen: Homeschooling wurde nicht genehmigt. Woher sollte dieses Gebäude kommen? Alle leerstehenden Schulen in Lagos waren bereits anderweitig besetzt. Schließlich half uns ein Elternkontakt zum Bürgermeister eines anderen Stadtkreises. Vila do Bispo war bereit, uns eine leerstehende Grundschule zu überlassen – eine wunderbare kleine Dorfschule (Figueira) in der Nähe vom Meer, fantastisch! Mit allem drum und dran (Tische, Stühle, Tafel etc). Wir waren begeistert und spürten wieder einmal diese Kraft, die das Projekt einfach entstehen lassen wollte. Allerdings brauchten wir diese Kraft dann auch, da wir zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ein komplettes Gebäude renovieren mussten.
Dann die dritte “Überraschung“ fünf Wochen vor Schuleröffnung: Unsere Lehrerin wurde schwanger! Das war wirklich eine Prüfung. Einige aus der Gruppe wollten nicht weitermachen. Doch als sich der erste Schreck gelegt hatte, dachten wir alle, ein Baby kann eigentlich nichts Negatives sein. Also müssen wir es nehmen, wie es ist, aber wir brauchten eine zweite Lehrerin. Diese fanden wir schließlich rechtzeitig, sie ist „ins kalte Wasser gesprungen“, und es hat alles gut geklappt. Heute arbeiten beide zusammen, ergänzen sich sehr gut, und unsere Schule wächst langsam. Für das Schuljahr 2009/10 haben sich 10 neue Kinder angemeldet, und wir müssen unsere Schule nun für das nächste Jahr erweitern. Das wird nicht so leicht sein, aber die Entstehungskraft hat nicht aufgehört zu wirken – im Gegenteil, alle Beteiligten sind tief beeindruckt von dieser Schule und den Kindern, die dort absolut glücklich sind.
Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen, dass diese im Entstehen und Wachsen begriffene Waldorfschule in Portugal ein Pionierprojekt ist. Sowohl für uns als Schule, als auch für das Ministerium für Erziehung und für die hiesige Stadtverwaltung. Wir finanzieren uns fast ausschließlich aus den Beiträgen der Eltern und bekommen keine staatliche Unterstützung. Im nächsten Jahr brauchen wir mehr Raum. Pläne für die Schulerweiterung sind in Arbeit, und dazu gehört auch, dass wir uns Gedanken über die Finanzierung des Bauvorhabens machen. Wir würden uns also sehr freuen, wenn Sie die Notwendigkeit sehen, unser Projekt hier zu unterstützen. Wir brauchen diese Unterstützung, da wir trotz enormer Eigenkräfte noch sehr jung und zart sind. Die Hilfe von Außen stärkt unsere Schule. Das kann finanziell sein, aber auch mit Schulmaterial oder sonstigen nötigen Dingen, die wir für unsere Kinder und den Schulbetrieb brauchen. Gerne gebe ich zu unserem Projekt weitere Auskünfte.
Annette Klasen
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Escola Livre Lagos
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AP: Annette Klasen