Mexiko: Es dauerte mehrere Jahrzehnte bis die erste Waldorfschule in Mexiko staatlich anerkannt wurde. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gründete Isabel Fenelon 1980 das Kunstzentrum Centro Educativo Goethe in Mexiko City, das über die Jahre in einen Kindergarten und schließlich 1986 zu einer Waldorfschule erweitert wurde. 1996 erfolgte die staatliche Anerkennung. Heute gehen 70 Kinder auf die Schule und werden dort von elf Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.
Genau genommen reichen die Wurzeln der waldorfpädagogischen Bewegung in Mexiko bis nach Stuttgart in das Deutschland des Jahres 1921. Damals wurde Juan Berlin in die erste Waldorfschule überhaupt eingeschult, deren Sekretariatsleiter er später werden sollte. Als die Schule 1938 schließlich durch die Nationalsozialisten geschlossen wurde, waren die Tage bereits gezählt, die Juan Berlin wegen seines Halbjudentums noch in Deutschland bleiben konnte. 1939 gelang ihm die Flucht nach Mexiko.
Der erfolgreiche Chemiker, der sogar Miterfinder des Medikaments „Cortison“ wurde, blieb dem Impuls der Waldorfpädagogik für den Rest seines Lebens (1913-1987) treu verbunden, in dem er pädagogische Werke Rudolf Steiners ins Spanische übersetzte, Waldorflehrerinnen und -lehrer ausbildete und verschiedene Versuche unternahm, eine Waldorfschule in Mexiko zu gründen.
Eine 1957 privat gegründete Waldorfschule musste aus ökonomischen Gründen schon bald wieder schließen. Doch die Arbeit an den Grundlagen der Waldorfpädagogik ging weiter und so kam es schließlich zur Begegnung von Juan Berlin und Isabel Fenelon, die von ihm ausgebildet wurde. Sie war 1971 Mitbegründerin einer experimentellen, öffentlich anerkannten Grundschule, die nach dem Lehrplan der Waldorfschulen arbeitete. Doch der Aufstieg der Militärdiktatur führte 1975 zu einem Verbot dieser kleinen Schule. Erst nachdem Juan Berlin 1979 den Verein „Anthropologia Integral“ ins Leben rief, war die Grundlage für eine stabile Zukunft der waldorfpädagogischen Bewegung in Mexiko gegeben. So entstand 1980 durch Isabel Fenelon das „Centro Educativo Goethe“.
Die langjährige waldorfpädagogische Schularbeit mündete 1996 in die offizielle Anerkennung. Zwei Jahre vorher war das Schulgebäude fertig geworden, das seit 1988 gebaut wurde. Die kleine Waldorfschule musste sich, um genehmigt zu werden, dem Rhythmus der staatlichen Grundschulen anpassen und darf daher nur die erste bis sechste Klasse anbieten. Das letzte Jahr dient der Vorbereitung auf den Wechsel an eine staatliche Schule. Ausnahmen, die eine Oberstufe ermöglichen würden, sind selten.
Nachdem die Genehmigung der Schule erreicht war, begann das Kollegium um die offizielle Registrierung des Kindergartens zu kämpfen. Dies ist nur ein Beispiel für die Dynamik und das Engagement des Kollegiums des Centro Educativo Goethe, das sich tagtäglich für die Waldorfpädagogik in Mexiko einsetzt.
Centro Educativo Goethe
Calle Huitzitzilin No. 31
Col. Los Reyes Coyocán
Coyocán, C.P. 04360
Mexiko
Tel.: +52 55 5617 4054
inicya@hotmail.com
AP: Pilar Fenelón