Waldorfschule Vilnius: Jahresbericht 2009

2009 verließen die ersten Abiturienten mit einem eigenen Abschluss die Waldorfschule Vilnius. Über dies und viele andere interessante Ereignisse berichtet die Schule in ihrem Jahresrückblick.

Dreizehn Abiturienten der Waldorfschule Vilnius haben 2009 das Abschlusszeugnis mit dem Titel „Waldorfschule Vilnius“ und dem Siegel der Waldorfschule Vilnius erhalten. Dies dokumentiert zum ersten Mal in der Geschichte des litauischen Bildungswesens, dass Schüler eine Waldorfschule abgeschlossen haben.

Außerdem haben die Abiturienten eine Beilage zum Abschlusszeugnis erhalten, welche das soziale Praktikum in der 11. Klasse, die Teilnahme am Welteurythmieforum in Witten (Deutschland) 2006, die Theateraufführungen in der 8. und 11. Klasse und die Abschlussarbeiten der Abiturienten dokumentiert.

Die Ehemaligen gehen sehr individuelle Lebenswege, was den Lehrern und Eltern sehr viel Freude bringt. Ein Mädchen studiert Eurythmie in Holland, ein Mädchen arbeitete in einem biodynamischen Landwirtschaftsbetrieb in Schweden und arbeitet jetzt in der Waldorfschule Vilnius als Regisseurin des Stücks „Romeo und Julia“ von William Shakespeare, Klassenspiel der Klasse 8, danach wird sie weiter in Schweden arbeiten, zwei Jungs studieren Informatik an der Technischen Universität in Vilnius, ein Junge studiert Philosophie, ein Mädchen Griechisch und Latein, ein Junge arbeitet im Waldorfkindergarten in Vilnius, ein Mädchen studiert Physik, ein Mädchen studiert Journalistik, ein Junge arbeitet in einem großen Betrieb, ein Junge studiert an der Kunsthochschule Fachrichtung Bühnenbild, ein Junge arbeitet in Englan

Projektreise der 6. Klasse nach Norwegen

Die Projektreise der 6. Klasse nach Norwegen wird traditionell als Teil der Mineralogie- und Geographieepochen in der ersten Juniwoche in den Bergen mit Unterkunft in der Waldorfschule Soleggen durchgeführt. So war es auch in diesem Jahr. Da Litauen ein Flachland ist, ist es für die Kinder wunderbar, durch die Wanderungen in den Bergen den Kontrast von Flach und Bergig zu erleben. In den Bergen erkunden die Kinder die Mineralienwelt. Außerdem gehen die Schüler in eine Eis-Höhle. Es ist eine der besten Möglichkeiten, durch vielseitige Erfahrungen, manchmal auch Grenzerfahrungen, die Klasse als sozialen Organismus zu stärken. Zur gleichen Zeit kommen auch Sechstklässler aus schwedischen und lettischen Waldorfschulen. So bietet sich die Möglichkeit, Schüler aus anderen Waldorfschulen kennenzulernen und Freunde zu finden.

Landwirtschaftliches Praktikum der Neuntklässler in Deutschland

Fünfzehn 16-jährige Schüler sind im Sommer 2009 jeweils zu zweit oder zu dritt mit dem Bus nach Köln, Stuttgart, Ulm, München, Kassel, Nürnberg gefahren und dann jeweils einen regionalen Zug genommen, um in den biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetrieb anzukommen. Jeder Landwirtschaftsbetrieb, der auf unsere Anfrage Praktikumsplätze angeboten hat, ließ die Praktikanten in das Lebensrhythmus des Betriebes eintauchen lassen. Die Neunklässler die haben verschiedenartige Arbeiten sind zwei bis drei Wochen gearbeitet.

Es ist einfach herrlich, wenn die Jugendlichen die Eindrücke erzählen und dabei die Augen strahlen. Ein Mädchen, das Emilija heißt, hat erzählt, wie sie mit Freude Mist aus dem Stall ausgebracht hat und wie sie und ihr Klassenkamerad Justas einmal nach dem Schwein gerannt sind, um es wieder in den Stall zu kriegen, da Justas es aus dem Stall aus Unversehen weggejagt hat. Ein Junge, der Kasparas heißt, hat erzählt, wieviel Spaß er beim Holzstapeln hatte. Ein Junge, der Mantas heißt, hat erzählt, wie er jeden Tag sehr müde ins Bett gefallen ist und wie er sich gefreut über das tägliche Viel-zu-Tun auf einem alten Bauernhof hat.

Die Reise mit dem Bus, die Orientierung mit den Fahrplänen in den deutschen Bahnhöfen jeweils für zwei oder drei reisenden 16-Jährige hat viel Erfahrung für jeden gebracht und war gleichzeitig eine große Herausforderung. Sehr interessant, was da erzählt wurde!

Auch die Erzählungen über das Sich-Verständigen haben nicht nur den Eltern, sondern auch den Lehrern und den Oberstufenschülern bei der Vorstellung der Erlebnisse im September großen Eindruck gemacht.

Teilnahme am UNESCO Weltjugendfestival in Stuttgart

Im Juli 2009 fand in Stuttgart das UNESCO Weltjugendfestival statt. Aus der Waldorfschule Vilnius haben vier Zehntklässlerinnen und ihre Tutorin teilgenommen. In dieser Woche sind mehr als 500 Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Ländern begegnet. Das Kernstück des Festivals 2009 war der internationale Jugendkongress „Klima und Energie“, bei dem die Jugendlichen gemeinsam zum Thema Klimawandel diskutierten.

Anschließend zu dem Jugendfestival fand in der Waldorfschule Überlingen die Kulturwoche für die Waldorfschüler-Teilnehmer des Jugendfestivals statt. Rund 100 Waldorfschüler aus verschiedenen Ländern haben an zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen teilgenommen. Dabei haben die Waldorfschüler ihre länderspezifische Kulturprogramme gezeigt, zu verschiedenen Themen diskutiert, in Gruppen verteilt gesungen, musiziert, getanzt, gemalt, Bewegungsspiele entwickelt und gespielt. Jeder Teilnehmer wohnte in einer Gastfamilie. Durch diese Kulturwoche hatten die Schüler die Möglichkeit gehabt, einander kennenzulernen. Da haben sich echte Freundschaften entwickelt. Die vier Mädchen sind mit besten Eindrücken nach Hause zurückgekehrt und haben ihre Eindrücke für die Oberstufeschüler durch Erzählungen und Fotos vorgestellt.

Schüleraustausch zwischen Vilnius und Esslingen

Der Schüleraustausch mit den Schülern aus der Waldorfschule Esslingen wird bereits regelmäßig durchgeführt.

Im November 2009 ist bereits zum zweiten Mal die siebzehnköpfige Gruppe von 13- bis 16-jährigen Schülern mit zwei Lehrerinnen für eine Woche nach Esslingen gefahren. In einer Familie wird jeweils ein Schüler untergebracht. Die Litauer lernen zusammen mit den Deutschen, unternehmen nach dem Unterricht verschiedene Aktivitäten wie Schwimmen im Freibad, Museen besuchen, singen und tanzen an den Volksmusik- und Tanzabenden in der Waldorfschule. Dadurch schließen die Jugendlichen Freundschaften, erleben den deutschen Lebensraum, pflegen ihre Deutschkenntnisse.

Wunderschön ist es für die Lehrer und Eltern wahrzunehmen, wenn ein Siebtklässler aus Vilnius in der 7. Klasse im Hauptunterricht während der Geschichteepoche in der Esslinger Waldorfschule zuhört und danach mitteilt, dass er Neues über das Römerleben erfahren habe, und zwar wie die Römer durch einen Fluss geschwommen sind.

Im April 2009 waren die Esslinger (ebenso eine siebzehnköpfige Schülergruppe mit einem Lehrer und einer Mutter) für eine Woche in Vilnius. Jeder Gast wohnte in einer Gastfamilie. Was wir hier erzählen, ist es einfach toll. Eine Gastfamilie hat eine andere Gastfamilie zum Mittagessen eingeladen. Danach waren die zwei Mädchen, die Sechstklässlerin aus Esslingen und die Siebtklässlerin aus Vilnius zu zweit auf den Weg nach Hause und haben den Lehrer aus Esslingen auf der Straße getroffen. Jeder hat sich darüber sehr gefreut. Vilnius ist eine große Stadt und man hat sich auf der Straße getroffen!

Beim letzten Abschiednehmen jeweils am frühen Morgen in Vilnius und entsprechend in Esslingen umarmen die Kinder sich und ... es kommen die Tränen. Jeder sollte einmal erleben, wie die Kinder winken. Einfach herrlich dieser Schüleraustausch! Rita Kaminskaite

 

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