Kolumbien: Das Centro educativo y social Waldorf (CES) in Bogotá bietet Menschen aus den Elendsvierteln einen Kindergarten, familiäre Betreuung und Beratung, ein Schul- und Freizeitprogramm an Nachmittagen sowie medizinische Versorgung. Seit dem Jahr 2002 konnte mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen und deren Angehörigen geholfen werden.
Listen mit Namen, die nachts an Türen geklebt oder darunter durchgeschoben werden, sind es, die die Menschen im Barrio (Viertel) Sierra Morena daran erinnern, wer die Macht in Händen hält. Denn die Menschen, deren Namen dort aufgelistet sind, werden in sogenannten „Säuberungsaktionen“ umgebracht. Auf diese Weise wird das Einhalten der Regeln erzwungen und ein Klima der Angst und Unsicherheit verbreitet, das die Kontrolle des Barrios erleichtert. Es sind die Aguilas Negras (Schwarze Adler), die in Sierra Morena das Sagen haben, eine paramilitärische Organisation, die von der Regierung als bandadas criminales bezeichnet werden, aber weit mächtiger sind, als diese Bezeichnung vermuten lässt. Auch Kinder des CES haben schon auf einer Liste der Aguilas Negras gestanden und mussten daraufhin schnell in Sicherheit gebracht werden.
Davon einmal abgesehen, hat sich das CES so eingerichtet, dass es weitgehend unbehelligt arbeiten kann. Auf sieben Kleinstgrundstücken in Hanglage konnte ein Haus gebaut werden, dass seit 2004 den Kindergarten, PAES (Programa de Apoyo Educativo Social), eine Art Freizeit- oder Nachmittagsschule für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren und die Administration der Sozialarbeit beherbergt.
Zwei Gruppen – 66 Kinder zwischen 2½ und 4½ Jahren – werden zwischen 8 und 16 Uhr von drei Erzieherinnen und zwei Helferinnen in dem Kindergarten betreut. Sie bekommen Frühstück, Mittagessen und eine Zwischenmahlzeit bevor sie nach Hause gehen. Außerdem haben sie und die Eltern hier Raum, Fragen zu stellen und ihre Bedürfnisse zu äußern.
Familienunterstützung ist bei PAES ein wichtiges Thema. Zusätzlich gibt es auch Bildhauerei, Theaterarbeit, Musik und Nachhilfeunterricht sowie Unterstützung bei Hausaufgaben als Angebote.
Von großer Bedeutung ist das medizinische Versorgungszentrum, da gerade die Kinder in den Barrios wegen Mangelernährung langsamer wachsen, häufig an Atemkrankheiten leiden und als Erwachsene oft früh Alterskrankheiten bekommen. So sind unter den Frauen besonders viele Krebserkrankungen festzustellen. In ungefähr 30 % der Familien gibt es Alkoholkranke.
300 Kinder werden in der Regel pro Jahr durch das CES betreut und versorgt. Doch die Folgen der Wirtschaftskrise zwangen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um finanziell über die Runden zu kommen, noch zusätzlich an anderen Orten zu arbeiten, sodass 2009 nur noch 200 Kinder gezählt wurden. Daher ist es von großer Wichtigkeit, dass die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. dieses waldorfpädagogische Zentrum in Bogotá durch Spenden weiterhin unterstützen können.
CES Waldorf
Cra 18A No 101 - 42, P. 3
Bogotá DC
Kolumbien
Tel.: +57 1 6367 466
info@ceswaldorf.org.co
AP: Helmut von Loebell