Aaverbhav – Erziehung für das Leben

Was ist der Sinn und Zweck von Erziehung und Leben? Diese Frage wurde von Krishnamurti gestellt und ist eine alte Frage überhaupt. Wie T.S. Eliot sagte: Um zu wissen, was wir in der Erziehung wollen, müssen wir wissen, was wir überhaupt wollen. Ist Erziehung nur dazu da, um einen Lebensunterhalt erwerben zu können, das Leben nur da, um es zu genießen – oder gibt es da noch mehr? Damit man in dieser Welt leben kann, muß die Erziehung Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln. Doch um jene weitergehende Frage zu stellen und möglicherweise eine Antwort darauf zu finden, ist eine Offenheit nötig, die einen lebendigen Geist des Fragens und Lernens voraussetzt.

Ich stieß auf Krishnamurtis Lehren zufällig 1992 und sie berührten mich sofort durch ihre Logik, Sensibilität und Einfachheit. Seine Frage „Was tust du mit deinem Leben?“ und seine Worte „Der Segen ist, wo du bist“ inspirierten mich, eine Schule zu initiieren, die eine ganzheitliche Erziehung anbieten sollte. Diese Erziehung brauchte ein passendes Curriculum und eine ebensolche Pädagogik. Die Erziehung mußte fähig sein, zugleich mit der Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten die Kunst des Sehens, Hörens, Fragens und Lernens kultivieren. Dies sollte also nun von Grund auf begonnen werden durch einen gewöhnlichen Mann inmitten des realen „Dschungels“, wo Kinder achtlos in den rauhen Konkurrenzkampf hineingestoßen werden, angespornt und angefeuert, um sich um jeden Preis durchzusetzen.

Es war wiederum ein glücklicher Zufall, daß ich der Waldorfpädagogik und ihrem Lehrplan begegnete. Unmittelbar sah ich, daß das, worauf Krishnamurti hinwies, und das, was in einer Waldorfklasse passierte, im wesentlichen dasselbe war. Obwohl Krishnamurti und Steiner verschiedene Sprachen sprachen, war ihr Herangehen an die Erziehung und das Kind gleichermaßen ganzheitlich. Beide warnten auch davor, ihre Lehren und Hinweise in ein Dogma zu verwandeln, und empfahlen, selbst die Quellen für „wahres Verstehen“ aufzusuchen.

Eine schwierige Reise

Aaverbhav begann 2002 zunächst in einem Apartment. Dann zog die kleine Initiative in ein gemietetes Haus und 2004 schließlich in bessere Räumlichkeiten. Das jetzige Schulgebäude ist das Ergebnis der engagierten Anstrengungen meiner Familie, eine gute Lernumgebung für Kinder bereitzustellen. Wir haben eine Krippe, einen Kindergarten und eine 2. Klasse mit rund 20 Kindern, und wir arbeiten vom ersten Tag an mit dem Waldorflehrplan.
Wegen der geringen Kinderzahl wächst das Defizit und erreicht bald einen kritischen Punkt. Wenn mehr Eltern ihre Kinder anmelden würden, könnte man diese schwierige Situation überwinden. Ich habe in den letzten fünf Jahren mein Leben diesem Projekt gewidmet. Es wird aufblühen oder in der Knospe vertrocknen.

Es gibt regelmäßig Orientierungs-Veranstaltungen für Eltern. Verschiedene Medien und Gelegenheiten wurden genutzt, um ein Bewußtsein für diese Erziehung zu schaffen. Aber der Strom des Mainstream-Systems ist so überwältigend, daß die typischen Mittelklasse-Eltern der tief verwurzelten Vorstellung von Wettbewerb und Erfolg verfallen sind. Gerade angesichts dieser ungeheuren Herausforderung war es unser Gefühl, daß die Waldorfpädagogik als gesunde Alternative absolut notwendig ist.

Der Waldorflehrplan ist gut fundiert und praktisch – und zugleich flexibel und anpassungsfähig. Dies gibt ihm ein großes Potential für sehr organisches Wachstum, verglichen mit anderen Wegen. Ich habe versucht, diese Botschaft zu verbreiten – ein Ergebnis dieser Bemühungen ist unsere Webseite www.alternativeeducationindia.net. Ich habe sogar an die Bildungsminister und –beamten geschrieben, daß sie den Waldorfansatzes als eine Grundlage für die Veränderungen, die sie umzusetzen versuchen, in Betracht ziehen mögen.

Aaverbhav ist nur ein Versuch, zu einer Erziehung guter Menschen und zu einer gesunden und heileren Welt beizutragen. Trotz unserer gegenwärtig unsicheren Situation werden wir weiterhin unser Bestes tun und dabei immer auf das weitere Erblühen der Waldorfpädagogik besonders in Indien hoffen.

K. Prasad (übers. hn)
aaverbhav@rediffmail.com, www.aaverbhav.com.

Stand / Update: 06/2007 

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