Liebe Kollegen, liebe Freunde,
Es ist schon wieder ein Jahr vorbei und die schöne Zeit ist gekommen, wo wir unseren Freunden in der ganzen Welt mitteilen möchten, wie das Jahr 2009 für unsere Schule gelaufen ist. Welche Erfolge und welche Schwierigkeiten unsere Schule erlebt hat.
Ohne regelmäßige Erneuerung und Entwicklung hätte die Waldorfschule ihre positive geistige Energie verloren. Dieser Fortschritts- und Entwicklungsprozess unserer Schule ist mit Frau Ute Blankenburg, Herrn Schuchart und Frau Werena Maier verbunden, die mit anderen Dozenten aus Deutschland und erfahrenen Lehrern zusammen eine unschätzbare Hilfe für unsere Schule leisten. Auch in diesem Jahr haben sie einige Vorträge gehalten und sehr intensiv mit den Biologie-, Geschichte-, Literatur- und Klassenlehrern gearbeitet.
Wir möchten uns herzlich bei IAO- und den anderen Unterstützungsorganisationen bedanken, mit deren Hilfe vier Dozenten uns alljährlich besuchen können. Das wichtigste Ereignis war, nicht nur für unsere Schüler, sondern auch für die ganze georgische Gesellschaft, das Projekt von Herrn Matias Walentin, das er zusammen mit den Schülern der XI Klasse von Walhausenschule, in von Flüchtlingen aus Südossetien besiedelte Wohnort Zerovani durchgeführt hat. Die Schüler von Walhausen- und Tbilisser Waldorfschule haben 2000 Äpfel- und Pfirsichbäume eingepflanzt. Und damit wird dieses Gebiet, das heutzutage wie eine Wüste aussieht, nach einigen Jahren in einen reizenden Garten verwandeln. Die Schüler kamen in engen Kontakt mit hiesigen Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen, die ihre tragischen Geschichten erzählten. Mit dieser Aktion wurde für die Freundschaft zwischen unseren Schulen und den Flüchtlingen ein Grundstein gelegt.
Auch in diesem Jahr, als der Orchester von Saarbrückener Waldorfschule uns besuchte, haben die Schüler in Zerovani das schöne Konzert gegeben. Alle, dort Anwesende wurden Zeugen eines beeindruckenden Konzerts.
Wir möchten Ihnen noch über ein Projekt erzählen, das unsere Schule mit der Tourismusvereinigung in Georgien verwirklicht hat. Es wurden dreimal die Ausflüge in die Naturschutzgebiete Georgiens gemacht, mit dem Ziel, das Territorium zu säubern. Es ist bekannt, dass bei uns der bewusste Umgang mit der Natur noch in der Entwicklungsphase ist. Die Schüler der VII, X, XI und XII Klassen sind in die Naturschutzgebiete von Algeti, Waschlowani und Lagodechi gereist und während der drei Tagen die Gegend sauber gemacht. Für die Zukunft hoffen wir auch solche Projekte mit den anderen Waldorfschulen verwirklichen zu können.
In diesem Jahr, im Vergleich zu vorigen Jahren, wurden verschiedene Initiativen durchgeführt. Das Marionettentheater, das dank der großen Unterstützung von Frau Ingrid Nebeling, sowie von Eltern und Lehrern unserer Schule gegründet worden ist, hat in diesem Jahr an dem Projekt der Stadtverwaltung Tbilissi teilgenommen und hatte während des ganzen Jahres im Marionettenmuseum verschiedene Stücke aufgeführt.
Natürlich verlief der tägliche Lernprozess – interessante Epochen, Praktikums und andere Aktivitäten in seinem gewöhnlichen Gang. Frau Renkendorf hat in der VIII Klasse mit unserer Chemielehrerin Chemie-Epoche gemacht. Die XI Klasse führte ein Stück von G. Robakidze „Malschtrem“ auf. Dieses Stück war in der Sowjetzeit verboten. Die Schüler konnten die ziemlich komplizierte Phantasmagorie recht überzeugend darstellen. Die VIII Klasse führte das Stück von Lope de Vega „Die Schafsquelle“ auf - das Stück war auch der erste Versuch in unserer Schulgeschichte. Das Schuljahr wurde mit einer Abschiedsfeier der XII Klasse und dem Poesieabend der X Klasse abgeschlossen. Die X Klasse nahm später an der Weinlese teil und beschenkte die Schule mit schmackhaften Weintrauben Anhängseln. Außerdem hat die gleiche Klasse im späten Herbst in Kwariati, in Adjara Mandarinen und Orangen geerntet. Die Ernte haben sie dann in Tbilissi verkauft und ihre Klassenkasse aufgefüllt. Das Geld sammeln sie fürs Theater und für die große Architekturreise. Diese Klasse hatte auch traditionell im Sommer ihr landwirtschaftliches Praktikum in Kachetien. Ohne Zwischenfall ging es dort aber nicht - in einer späten Nacht wurde das Lager, der ein paar Kilometer vom Dorf entfernt lag, von Wölfen überfallen, aber zum Glück konnte die tapfere Klassenbetreuerin sie mit einer Schaufel vertreiben und brachte ihre Schüler heile zurück zu ihren Eltern, dabei sind die kleine Wölfchen ohne Nahrung geblieben.
Das Schuljahr ging nicht ohne Karneval und Sommerspiele zu Ende. Erwähnenswert sind die überlebte Zehntklässler mit ihren wunderschönen Karnevalskostümen. Außerdem fanden das ganze Schuljahr über verschiedene Konzerte der Instrumentalmusik statt. In diesem Jahr musste die Schule leider von einigen sehr guten Kollegen Abschied nehmen. Mariam Lagvilava, die Klassenlehrerin, sie arbeitete in der Schule seit 7 Jahren und war intensiv in der Schulverwaltung beschäftigt. Einerseits freut es uns sehr, dass sie jetzt ihre eigene Familie gegründet hat und mit ihrem Mann Martin Lae in Oxford lebt und arbeitet, andererseits ist es ein großer Verlust für die Schule.
Unsere Schule wurde noch von einem Ehepaar verlassen. Zizino Tholordava und Stefan Beck. Sie sind mit ihren Söhnen zusammen nach Tübingen umgezogen. Ohne zu überzutreiben, waren die beiden Wegweiser und Mentoren in der Oberstufe. Das die Oberstufe heute hochqualifizierte Lehrkräfte hat, ist zum großen Teil deren Verdienst. Wir wünschen Mariam, Zizino und Stefan weiterhin viel Erfolg und Glück im beruflichen und Privatleben. Es ist eine große Herausforderung für die Schule, wenn sie von so viel erfahrenen Lehrkräften verlassen wird.
Das neue Schuljahr stand vor der Tür, wo wir erfahren haben, dass die erste Klasse ohne den Klassenlehrer da stand. Da hat Maja Diasamidze-Chelaia den Kindern ein wahres Geschenk gemacht und sich bereit erklärt, diese Verantwortung zu tragen, sich wieder aktiv im schulischen Leben einzuschalten, deshalb war die Erstklässler-Feier doppelt so schön. Wie wir schon oben erwähnt haben, empfing die Schule mit großer Freude das große Orchester der Saarbrückener Waldorfschule. Dieses Ereignis trägt immer eine große feierliche Stimmung mit sich. Dann gab es gemeinsame Konzerte der georgischen und deutschen Orchestranten in Tbilissi, Batumi und Zerovani. Mit Freude haben wir gesehen, dass die Botschafterin von Deutschland in Tbilissi Frau Patrizia Flor im Konzert in Tbilissi anwesend war. Sie verschob alle Ihre Termine und blieb bis zum Schluss. Die Botschafterin begrüßte die Schüler der beiden Waldorfschulen und betonte dabei die große kulturelle Bedeutung dieser Beziehungen. Noch eine freudige Nachricht sollte der Aufbau unseres Schulchors sein - ein jahrelang unerfüllbarer Traum für unsere Schule, was dieses Mal die Hilfe von Frau Hansen ermöglicht hat. In diesem Jahr hat uns Frau Hansen zweimal besucht. Zum zweiten Mal war sie mit ihrem Ehemann Herrn Hansen zusammen, der mit Mathematiklehrern gearbeitet hat. Und auch Herr Luca Pelacini hat fürs Chor Eurythmie gemacht.
Wie immer hat auch dieses Jahr die XII Klasse ihre Architekturreise gemacht. Die Reise war diesmal groß angelegt. So tief ist noch keine Klasse in Europa eingedrungen – sie hatten ihre Haltepunkte in Venedig, Salzburg, München, Tübingen, Darmstadt, Marburg, Köln, Düsseldorf, Saarbrücken, Straßburg, Dornach, Florenz und Rom. Auf dem Rückweg in Istanbul haben sie die große Tour mit der Besichtigung der Hagia Sophia abgeschlossen. Das Ganze ist dank der Intensität der Schüler möglich geworden. Dabei hatten einige Austauschschüler während ihres Aufenthalts in Deutschland schon in der XI Klasse für die finanzielle Seite gesorgt und mit Konzerten 2000 Euro angesammelt. Das wichtigste bei dieser Reise war, dass fast in jeder von obengenannten Städten die Waldorfschulen ihre Gastgeber waren und dadurch hat unsere Schule neue Freunde gewonnen. Unsere Schüler haben in diesen Waldorfschulen übernachtet und dankbar Konzerte mit georgischer Volksmusik gegeben. Wir denken, dass nicht nur unsere Schüler, sondern auch unsere deutschen Gastgeber viele unvergessliche Momente aus den Tagen beibehalten werden. Dies kam am Abend, der dieser Reise gewidmet war, gut zur Geltung. Während der Reise unserer XII Klasse haben Herr Schuchardt, Frau Werena Meier und Herr Nebeling eine Seminararbeit mit unseren Lehrern durchgeführt. Dank Frau Nebeling konnten wir eine Werkstatt für die Buchbindung einrichten. Das bedeutet, in der Schule ist es möglich geworden, einen neuen Handwerkunterricht einzuführen. Herr Levan Chelaia hielt Vorträge in der pädagogischen Universität über die Waldorfpädagogik, daraufhin äußerten viele Studenten ihren Wunsch, die Pädagogik näher kennenzulernen, und heute sind sie die Zuhörer vom Proseminar, das von Herrn Levan Chelaia geführt wird.
Eine Überraschung hat der Schule ihre Freundin Frau Rusudan Mepariani bereitet. Auf ihre Bitte hat eine Musikergruppe aus Norwegen ein unvergessliches Konzert mit Workshop für die Schüler gegeben. In den Weihnachtstagen ist die Stimmung in der Schule auch heiterer geworden: fast jeden Tag veranstalten verschiedene Klassen Musikcafes, Weihnachtsbazar, Poesieabende, Eurythmie- und Theateraufführungen, dadurch wird Weihnachten realer, und die Menschen werden auch herzlicher. Trotz der Kriegserlebnisse und Wirtschaftskrise bemüht sich und ermöglicht die Schule die Lebenslust und das Vertrauen an die Welt, das Erlebnis die Welt sei schön und moralisch, für die Schüler zu pflegen und zu hüten. Heute wird es immer schwieriger, dieses Ziel zu erreichen. Man braucht mehr Willenskraft und das Vertrauen an die geistige Welt.
Keine einzige Minute ist die Schule ohne Unterstützung geblieben – unsere Freunde in Europa sorgen unermüdlich für uns: helfen uns finanziell, mit Erfahrungen und Kenntnissen. Dafür ist jeder von unseren Kollegen unendlich dankbar. Dieses Jahr ist auch vergangen. Vieles, was von uns im Rückblick angeschaut wird, ist gut gemacht worden, vieles, man sieht, könnte man besser machen, aber wichtig ist, die jahrelange Arbeit und geistige Energie der Lehrer bringen allmählich Früchte, über unsere ehemalige Schüler hören wir oft vieles fröhliches, dank ihrer Herzlichkeit, Offenheit, Auffassungsgabe, unbegrenzter Schöpfungsphantasie seien sie unter ihren Altersgenossen in den Hochschulen ausgezeichnet. Frohe Weihnachten liebe Freunde! Glückliches Neujahr! Wir wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg in allen guten Taten.
Mit herzlichen Grüssen
Das Kollegium der Freien Waldorfschule Tbilissi