Georgien: Das Tagesheim des „Vereins für seelenpflegebedürftige Menschen“ in Tbilissi bietet mit 18 Heilpädagogen und acht Mitarbeitern in der Administration momentan 45 Menschen, die mit Behinderungen ihr Leben meistern, Arbeit in verschiedenen Werkstätten sowie einen sozialen Kontext, der ihre Fähigkeiten und Qualitäten anerkennt. Neben einem umfangreichen Therapieangebot gibt es seit 2001 Ausbildungskurse für angehende Heilpädagogen und eine Selbsthilfe- und Beratungsgruppe für Eltern.
Am 22. Mai 2009 wurde in der Universität eine Podiumsdiskussion veranstaltet, die Studenten, Psychologen und Vertretern von verschiedenen NGOs ermöglichte, sich mit dem Leben der Menschen mit Behinderungen in Georgien auseinanderzusetzen. Zu Beginn gab es eine Ausstellung, die einen Einblick in die Arbeit des Tagesheims geben sollte, sowie eine Einführung in das ihr zugrunde liegende Konzept. Das Ziel der Podiumsdiskussion war, ein Bewusstsein für die Bedeutung und den Wert der Menschen mit Behinderungen zu fördern, das sich in Georgien nur langsam entwickelt.
Diese Unternehmung ist ein Beispiel für eine der wichtigsten Zielsetzungen, die die Mitarbeiter des Tagesheims verfolgen: Die Menschen mit Behinderungen in die Öffentlichkeit zu integrieren, um mit der Zeit zu bewirken, dass das Erbe früherer Jahrzehnte, das behinderte Menschen als defizitär und wertlos betrachtet hatte, zu überwinden.
Die sechs Werkstätten, deren Angebot von der Arbeit mit Holz, Filz, Weben und Kerzen bis hin zur Herstellung von Recyclingpapier und den Aufgaben in der Druckerei reicht, eröffnen den Betreuten viele Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Malen, Plastizieren, Musizieren, Theaterspiel, Eurythmie und gemeinsame Feste sorgen dafür, dass sich auch das soziale Leben gut entwickelt. Eine Aufgabe, Wertschätzung und Anerkennung sowie Zuneigung und Freunde sind es, die den Betreuten zu erstaunlichen Fortschritten verhelfen. So erzählen glückliche Eltern oft, wie viel einfacher sich das Leben mit ihrer Tochter bzw. ihrem Sohn zu Hause gestalteten läst, seitdem das Tagesheim in deren Leben getreten war.
Diese Einrichtung, die Ende der 1980er Jahre darum kämpfen musste, eröffnen zu dürfen, und erst durch die Bekanntschaft mit einer einflussreichen Familie eines Mädchens mit Down-Syndrom Gehör beim damaligen Gesundheitsminister fand, gilt heute als eine Modelleinrichtung für die Arbeit mit behinderten Menschen. Die staatliche Unterstützung und der Erlös aus dem Verkauf der Produkte reichen allerdings nicht, um die anfallenden Kosten zu decken.
Als 2008 eine langjährige Förderung durch eine Stiftung, die für die Differenz aufgekommen war, wegfiel, stand der Verein für seelenpflegebedürftige Menschen vor einer finanziellen Herausforderung, die aus eigenen Mitteln nicht zu bewältigen war. Somit ist das Tagesheim jetzt weit mehr als früher auf die Unterstützung vieler Menschen und der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. angewiesen, bis eine endgültige Lösung gefunden wird.
Tagesheim für Sozialtherapie
Ubilawastr. 8
0144 Tbilissi
Georgien
Tel.: +995 32 776 307
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