„Hüllen für Chile“ – Hilfe für die Erdbebenopfer

Am 27. Februar 2010 erschütterte das fünft schwerste Erdbeben seit Beginn der seismologischen Aufzeichnungen die Region Maule an der Westküste Chiles. Rund zwei Millionen Menschen waren direkt von der Naturkatastrophe betroffen. Dabei kamen über 500 Menschen ums Leben, viele weitere verloren ihr Dach über dem Kopf. Die folgende existenzielle Not betraf vor allem den armen Teil der Bevölkerung.

Nach dem verheerenden Beben entschloss sich die anthroposophische Ärztin, Carina Vaca Zeller, ihre Kollegen und einige Lehrer dafür zu begeistern, regelmäßig in die betroffene Region zu fahren und vor allem in den Dörfern Itahue, Puente Alto und Carillo Bascunan de Molina zu helfen. Aus einer spontanen, materiellen und individuellen Nothilfe entwickelte sich dabei mit der Zeit eine geistige, gemeinschaftliche Art des Begleitens der betroffenen Menschen. Auch dank der Spender der Freunde der Erziehungskunst konnte die Initiative „Hüllen für Chile“ bis Dezember 2010 sieben Einsätze vor Ort durchführen.

Das Team aus Waldorflehrern, Psychologen, anthroposophischen Ärzten, Jugendlichen, Therapeuten und allgemein engagierten Menschen führte seine Hilfsaktion zum ersten Mal im April 2010 am Osterwochenende durch. Dabei fanden sie folgende Situation in der ländlichen Region vor: In den drei Dörfern mit zusammen 2.800 Einwohnern waren 182 Häuser und Hütten nicht mehr bewohnbar. Das Elend des Erdbebens mischte sich mit der Armut der dort lebenden Bevölkerung. Nichts desto trotz waren die Trümmer von den fleißigen Menschen bei der Ankunft des Teams weitgehend geräumt worden.

Während der ersten Aktionen ging es vor allem darum den Menschen akute Nothilfe zu leisten. Die Behörden vor Ort unterstützten dabei „Hüllen für Chile“ mit Arbeitsräumen und Information über den Zustand und die Bedürfnisse der Bevölkerung. Aus Deutschland, standen die Freunde der Erziehungskunst um Bernd Ruf dem Team mit Rat zur Seite. Neben dem Bau von Häuschen und der materiellen Hilfe (Betten, Wäsche, Spielzeug, Hausrat) waren die Aktionen vor allem auch von den heilenden Wirkungen anthroposophischer Pädagogik und Therapie geprägt. Diese Art der Unterstützung fand in folgenden Bereichen statt: medizinische Arbeit (Sprechstunde bei anthroposophischen Ärzten, anthroposophische Medikamente), therapeutische Unterstützung (Rhythmische Massage, Einreibungen, Arbeit mit Babys, Psychotherapie) und Waldorfpädagogik (Märchen und Betreuung für Kinder, Handarbeitworkshops für Frauen).

Im Bereich des Wiederaufbaus ging es vorrangig darum, menschenwürdige Unterkünfte für die betroffene Bevölkerung zu errichten. Zwar hatten der Staat und die katholische Kirche schon viele „Häuser“ aufgebaut, die 18 Quadratmeter großen, unisolierten Zimmer verfügten aber weder über Toilette noch Küche. „Hüllen für Chile“ organisierte weitere einfache Häuser, für je 1.100 Euro, die innerhalb eines Tages errichtet werden konnten; kleine stabile Wohnungen mit Küche und Badezimmer. Die Menschen, die ihr Haus verloren hatten, konnten es kaum glauben, dass sie nun in solch einer Unterkunft wohnen durften. Die Arbeit gab dem helfenden Team auch viele intensive, bereichernde, menschliche Erlebnisse.

Im Bereich der medizinischen und therapeutischen Hilfe kamen viele der betroffenen Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben in den Genuss einer solchen Behandlung. Eine Frau sagte: „Ach, Massage! Ich habe das Mal im Fernsehen kennen gelernt, hätte aber nie gedacht dass ich jemals in meinem Leben auch so etwas erleben darf.“ Der verkrampfte Schmerz konnte sich dann unter liebvoll pflegenden Händen lösen und unter Tränen konnte sich die Frau von ihren traumatischen Erlebnissen der Katastrophe befreien. Es waren aber auch Tränen der Dankbarkeit dafür, dass es Menschen gibt, die bereit sind ihr Schicksal mitzubegleiten.

Im Bereich der pädagogischen Arbeit blieben den Helfern vor allem die offenen Münder und erstaunten Gesichter der Kinder in Erinnerung, die glücklich und begeistert den Märchen zuhörten und an Spielen teilnahmen. Ihnen konnte damit geholfen werden ihre seelischen Verletzungen zu überwinden. Nach dem unter anderem das Dreikönigsspiel der „Hüllen für Chile“ ein großer Erfolg bei den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wurde, wünschen sich die Jugendlichen aber auch die Erwachsenen ein jährliches Schauspiel.

Eine betroffene Frau, die regelmäßig den Handarbeitsworkshop besuchte, kam nach all der Hilfe zu folgendem Fazit: „Das erlebte Erdbeben hatte auch etwas Gutes. Wir hätten euch (die Arbeit der „Hüllen für Chile“) wohl sonst nie kennen gelernt.“

Die unglaubliche Dankbarkeit der Menschen gibt dem Team der Helfer, aber auch den Freunden der Erziehungskunst das Gefühl, dass ihre Arbeit und Unterstützung sinnvoll und erfolgreich war und ist. Diese Dankbarkeit wollen wir an Sie, liebe Spender, die sie die Aktionen unterstützt haben, weiterleiten und hoffen, dass auch Sie so empfinden. Mit Hilfe der Freunde der Erziehungskunst wird die Aktion „Hüllen für Chile“ auch 2011 ihre medizinische und menschliche Arbeit fortführen können und somit die vom Erdbeben betroffenen Menschen weiter begleiten können.