Am 22. September 2008 wurde der erste Waldorfkindergarten in Sofia (Bulgarien) feierlich eingeweiht.
Die Geschehnisse, die in den letzten sieben Jahren zur Gründung geführt haben, wurden von Jan Net aus Holland – „Vater“ der organisierten Waldorfinitiative in Bulgarien und tragender Dozent bei den Lehrerseminaren – bildhaft so zusammengefasst: „Nach zwei Jahren Verliebtheit kam es im Mai 2003 zur Empfängnis. Nach dreijähriger Schwangerschaft ist das Kind vor knapp einem Jahr durch eine staatliche Genehmigung auf die irdische Welt gekommen und ein Jahr später, als es schon auf eigenen Füßen stehen und die ersten selbständigen Schritte wagen kann, wird es auch getauft.“
In persönlicher Anwesenheit haben bei diesem Ereignis Peter Lang (IASWECE), Seyda Aysel (tragende Dozentin und Kindergartenbegleiterin aus Deutschland), Marian Rust und Jan Net (Dozenten und Mitträger aus Holland) Paten gestanden. In Gedanken wurde es sicher von allen Freunden und Organisationen, die seit Jahren die Bemühungen um die Waldorfpädagogik in Bulgarien unterstützen, miterlebt. Für die Unterstützung, das Vertrauen und die Ausdauer möchten wir unseren tiefsten Dank an die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die IAO, die Stiftung Helias, die IASWECE, die Pädagogische Sektion in Dornach und alle bulgarischen und ausländischen Mitarbeiter aussprechen.
Manch einem mag der Anlass zum Feiern nicht groß genug erscheinen: Vor einem Jahr hat der Kindergarten mit drei Kindern angefangen, inzwischen sind es 14 geworden, womit die Kapazität des Hauses eigentlich ausgeschöpft ist. Für die Menschen jedoch, die dies ermöglicht haben, ist es seit 18 Jahren das größte zukunftsweisende Ereignis in Bulgarien.
Die ersten Bemühungen um die Waldorfpädagogik in diesem Land geschahen 1990 und in den folgenden Jahren, als eine Reihe von Vorträgen und Seminaren für ein breites Publikum organisiert wurden. Im Jahr 2000 kam es durch eine breit angelegte Konferenz über die freie Bildung zu einem größeren Impuls. Der erste Versuch, einen Waldorfkindergarten zu gründen, scheiterte jedoch. Vage Versuche, den Enthusiasmus wach zu halten, wurden auch weiterhin von einzelnen Menschen gemacht.
2002 wurde dann ein Verein „Freunde der Waldorfpädagogik in Bulgarien“ gegründet. Nach vielen inneren Konflikten und harten Prüfungen gelang es drei Frauen, durch eine Entwicklungsstrategie die Initiative zu retten. Das Besondere dabei ist, das keine von ihnen berufliche oder (z.B. durch eigene Kinder) rein persönliche Interessen an der Waldorfpädagogik hat. Sie sehen und verantworten ihre Arbeit in der Initiative als eine Lebensaufgabe, und das hat Früchte gebracht. 2006 hat sich ihnen eine frische Kraft angeschlossen, die einen waldorfpädagogischen Kurs in Spanien beendet und einen entscheidenden Impuls für die Gründung des Kindergartens gegeben hat.
Die eigentliche Waldorfinitiative hatte mit einer gezielten Arbeit im Herbst 2003 angefangen. Nach einem einjährigen Einführungsseminar begann 2004 in Sofia eine dreijährige Ausbildung für Waldorfkindergärtnerinnen und –lehrer/innen begonnen, die die ersten, momentan im Kindergarten tätigen, Kindergärtnerinnen hervorbrachte. 2005 wurde ein Sommercamp organisiert (Matra-Kap-Projekt). Etwa 70 Kinder von 4 bis 10 Jahren wurden in der Sommerzeit und anschließend in Wochenendspielgruppen betreut. Die begeisterten Rückmeldungen der Eltern haben uns in den Bemühungen um einen Waldorfkindergarten ermutigt und gestärkt. Nach vielen Strapazen und harter Arbeit gelang es dann im Herbst 2007 einer Kerngruppe von vier Kindergärtnerinnen und ein paar weiteren Mitträgern, ein „Goldenes Körnchen“ (so heißt der Kindergarten!) in die bulgarische Erde zu legen.
Das erste Korn hat eine bescheidene, aber für die bulgarischen Verhältnisse auch gute erste Ernte gebracht. Der Waldorfkindergarten muss erweitert werden, denn es kommen weitere Anmeldungen. Eine kleine Elterngruppe trägt sich schon mit dem Gedanken der Gründung einer Waldorfschule. Es melden sich Interessenten für eine weitere Waldorflehrerausbildung. Ein paar kreative junge Menschen arbeiten seit kurzem in der Initiative mit und bringen neue Ideen und Kräfte herein.
Das alles gibt uns die Hoffnung, dass wir in weiterer Zusammenarbeit mit den tragenden internationalen Waldorforganisationen und mit allen Freunden der Erziehungskunst auf der Welt unseren bescheidenen Beitrag für eine bessere Zukunft der Kinder und der ganzen Menschheit leisten können.
Welitschka Jordanova