Aramitan – von der Realität zum Ideal!

Aramitan, ein Sozialprojekt in Sao Paulo, ermutigt junge Menschen und Erwachsene, Verantwortung für eine soziale Erneuerung zu übernehmen. Unter Beteiligung von Menschen aus aller Welt arbeitet Aramitan an einer anderen Art von Globalisierung – der Globalisierung von Brüderlichkeit und Verantwortung. Aramitan will dazu beitragen, dass das neue Motto Wirklichkeit wird: „Eine andere Welt ist möglich“.

In den letzten sechs Jahren schmiedete ein junges brasilianisches Paar eine starke Verbindung zwischen der Welt und ihrer Initiative Aramitan in Sao Paulo, um ein Gemeinschaftszentrum für gefährdete Kinder und Jugendliche aufzubauen. Aramitan bedeutet: „Das Kind, das Erde und Himmel vereint“.

Santiago De Marco (30) und seine Frau Sandra Gamarano (32) waren seit 2000 in Hohepa, einer ländlich gelegenen sozialtherapeutischen Lebensgemeinschaft in Neuseeland tätig, und widmeten ihre freie Zeit und ihr Einkommen dem Aufbau von Aramitan. Inspiriert durch ihre langjährigen Arbeitserfahrungen bei „Monte Azul“ in den Slums von Sao Paulo wollten Santiago und Sandra zumindest für einige der etwa sechs Millionen in Armut lebenden Kinder in Brasilien mehr tun. „Sandra kennt dieses Leben aus eigener Erfahrung“, erklärt Santiago. „Sie wuchs in den Slums auf, wo ihre Familie teilweise noch immer lebt, aber sie war eine der Glücklichen, die nicht nur Nahrung und Erziehung bekam, sondern in Monte Azul auch Liebe, Respekt und ein Gefühl von Menschenwürde erleben durfte“.

Das Problem der sozial gefährdeten Kinder in Brasilien ist riesig; es liegt sehr nahe, in Inaktivität zu erstarren und zu denken: „Was kann denn ein Einzelner tun“? – ein Gedanke, der Santiago und Sandra in keiner Weise abschreckte. „Seit wir nach Neuseeland kamen, wurde uns sogar nur noch mehr bewusst, welches Privileg ein so wunderbarer Lebensstil ist, und dieses Bewusststein verstärkte unser Gefühl der Verantwortung, zu einem besseren Leben dieser Kinder und Jugendlichen in Brasilien beizutragen“, sagt Santiago. 2004 erwarb das Paar 2.500 qm (heute 5.000 qm) Land mit einem unfertigen Gebäude in Embu-Guaçu, einem Außenbezirk von Sao Paulo. Aramitan war gegründet – mit dem Ziel, den Armen und Unterprivilegierten mit Lebensmittel, medizinischer Versorgung und Bildung zu helfen und so Zukunftsvertrauen und Hoffnung zu erwecken.

Workcamps - der Beginn

Santiago und Sandra schildern ihre Hoffnung auf „ein anthroposophisches Gemeinschaftszentrum mit vielen Facetten, ein Heim für Waisenkinder, ein Tageszentrum für die Kinder der Umgebung, ein Gesundheitszentrum, ein Kulturzentrum, berufsbildende Werkstätten, Kunsthandwerk und biodynamische Landwirtschaft. Wir wollen ein familiäres Umfeld schaffen, in dem jeder Mensch das Potential hat, sich voll zu entwickeln“. 2005 wurde Aramitan als gemeinnützige Organisation registriert. In einem gemeinsamen sozialen Prozess begann man, das Land und das Gebäude zu verwandeln. Viele Menschen aus aller Welt unterstützten die Arbeit, und viele Jugendliche reisten nach Brasilien und halfen in Workcamps beim Aufbau von Aramitan. Dreizehn solcher Workcamps fanden statt und hatten insgesamt über 400 Teilnehmer. Ihre Arbeit reduzierte die Kosten, was essentiell wichtig war, aber bot auch den jungen Menschen selbst die Gelegenheit, soziale Verantwortung zu übernehmen und dazu beizutragen, diesen Teil der Welt zu einem besseren Ort werden zu lassen.

„Wir sind so dankbar für die Unterstützung, das Vertrauen und den Enthusiasmus all derer, die an unseren Workcamps teilgenommen haben“, sagt Santiago. „Wir waren Zeugen der persönlichen Entwicklung so vieler Freiwilliger und sahen, was für eine kraftvolle Erfahrung ihr Besuch bei Aramitan für sie selbst war. Dies ist wirklich Arbeit an einer neuen Art von Globalisierung, einer wahren Globalisierung, wo sich die Menschen im Namen der Menschlichkeit verbinden.“ Und ein neuseeländischer Student fügt hinzu: „Ich bin mit vielen Gedanken, Bildern und Gefühlen wieder abgereist. Ich denke an die Polarität von Reich und Arm, habe Bilder vom Lachen der Kinder und Gefühle der Dankbarkeit und Bewunderung für die reiche brasilianische Sprache und Kultur. Diese Reise gab mir einen kleinen Einblick in ein Land, wo ich etwas über die Welt und so auch über mich lernte.“

Santiago und Sandra widmeten ihre Ersparnisse der Aramitan Initiative,  und erhielten auch von anderen Unterstützung. Auch viele Organisationen und Stiftungen halfen. Aramitan arbeitete eng zusammen mit Cirle of Life, der Jugendsektion der Anthroposophischen Gesellschaft, dem IDEM-Netzwerk und dem YIP-Programm, der International Alliance for Childhood und den Freunden der Erziehungskunst. Die Software AG Stiftung gab 2005 eine großzügige Spende, die es ermöglichte, das Dach des Hauptgebäudes fertigzustellen.

Die wichtigste Inspiration und Unterstützung entstammt der Leidenschaft und Energie des Aramitan-Teams, das sich der täglichen Herausforderung stellt, und dem herausragenden Beispiel von Ute Craemer und ihrer Arbeit bei Monte Azul. „Aramitan verdankt seine Entwicklung der Beratung und dem persönlichen Engagement von Ute Craemer und vieler weiterer Menschen, denen das Projekt ein Herzensanliegen ist.“, sagt das Paar.  

Heutige Situation

2008 erfuhr Aramitan von den lokalen Behörden, dass die Pläne eines familienähnlichen Waisenhauses derzeit keine Option sind, da die Behörden der Ansicht sind, den Bedarf zu decken, und daher keine Unterstützung geben würden. „Das ist natürlich eine politische Antwort. Jeder ist sich der Situation der Kinder und Jugendlichen in Brasilien bewusst. Wir hatten zwei Optionen: das Recht fordern, Waisenkinder zu betreuen – oder einen Weg finden, mit den Behörden bei dem zusammenzuarbeiten, wo sie Aramitans Unterstützung für wichtig halten. Wir entschieden uns für letzteres. Ich glaube, wir müssen offen dafür sein, gesunde Wege zu finden, um zusammenzuarbeiten, selbst in Zeiten, wenn die andere Vision so gegensätzlich ist. Das ist wirklich die größte Herausforderung heute. Es ist unsere Verantwortung, Antworten auf die Bedürfnisse unserer Zeit zu suchen und zu finden.“, erklärt Santiago.

Aramitan konzentriert sich jetzt auf die Aktivitäten des Gemeinschaftszentrums, das weiterhin internationale Workcamps, ein Jugendjahr und Freiwilligenprogramme ermöglicht. Daneben gibt es eine größere Zahl künstlerischer und kultureller Ereignisse. Aramitan entwickelt derzeit ein Programm namens „A home for Life“, das Wohnungen für die Ärmsten der Armen bereitstellen soll. Gerade entsteht eine Wohnung für eine Familie mit sieben Kindern, die bisher ohne Küche und Toilette leben. Zwei Workcamps sind für 2009 noch geplant (jeder, der sich als Freiwilliger für die Mitarbeit interessiert, kann unter der E-Mail workcamp@aramitan.org weitere Details bekommen).

Es gibt Pläne, überall auf der Welt Freundeskreise von Aramitan aufzubauen, die mit Fundraising und mit freiwilliger Arbeit helfen können – bei Aramitan oder auch über Aramitan in anderen Projekten. „Es ist eine Reise auf dem Weg zu einem besseren Leben, einem Leben mit Hoffnung, Vertrauen und Liebe...“, sagt Sandra.

Private Spenden werden fortwährend nötig sein, um die monatlichen Kosten von Aramitan zu decken. Im Moment wird Geld gebraucht, um die Gebäude fertigzustellen, das Familienhaus zu bauen, das Jugendjahr aufzubauen und auf die langfristigen Ziele hinzuarbeiten. Aramitan wird auch weiterhin von den selbstlosen Anstrengungen internationaler und lokaler Freiwilliger abhängig sein, um die Kosten zu minimieren und eine Kultur des Friedens aufzubauen.

Langfristig hat Aramitan Pläne für die Entwicklung von Wohnungen für Kinder, einer Schule, einer Farm, und prüft auch die Möglichkeit, lokale Arbeitsplätze zu schaffen.

Santiago De Marco

Gedanken einer jungen Frau

"Ich glaube, ich werde von solchen Geschichten am meisten inspiriert, von Geschichten von Menschen, die eine Not sehen und sich einfach dazu entschließen, dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Als ich von dieser Geschichte mit Santiago und Aramitan hörte, sah ich vor mir sofort ähnliche Geschichten von jemanden, der einfach sagte: Wir brauchen Orte, um uns um die Kinder zu kümmern und ihre Not zu heilen, und dadurch unsere Gemeinschaft zu heilen, und dadurch unsere Welt zu heilen. Und es ist nicht unbedingt ein genauer Plan, wenn du beginnst, dein Herz ruft dich zur Tat und du folgst deinem Herzen, und auf dem Wege lernst du, was du brauchst, schaffst Beziehungen und gewinnst die Mittel, um es möglich zu machen.
Ich kann schon jetzt fühlen, dass dieses Projekt nicht irgendwann irgendwo Heilung bringen wird; es hat genau hier schon angefangen! Und dass einfach dadurch, dass Menschen aus aller Welt gerufen werden, die von dieser Geschichte hören, schon etwas in uns selbst geheilt wird. Dann kommst du und arbeitest mit deinen Händen, und etwas in dir wird geheilt, weil wir in einer zerbrochenen Welt leben und unsere Welt nach Heilung ruft. Und wenn du etwas wie dies nimmst und anfängst, es hier und jetzt zu heilen, dann fühle ich und weiß ich, das ist zugleich die Heilung der Welt, die Stück für Stück, Augenblick für Augenblick beginnt. Ich weiß, dass Aramitan bereits die Welt heilt, und dass diese Heilung, wenn sich die Vision weiterentwickelt, nur wachsen wird. Ich bin absolut entschlossen, Aramitan auf allen Wegen, die ich kenne, zu unterstützen, und ich bin begeistert zu wissen, dass jeder, der von dieser Geschichte hört, auch helfen wollen wird – und indem er Aramitan hilft, zugleich helfen wird, die Welt zu heilen.
Ich liebe unsere Welt leidenschaftlich! Und ich weiß, dass jede Not, die du wählst, sei es die Waldvernichtung, seien es Kinder ohne liebende Familie, seien es Menschengemeinschaften ohne sichere Bleibe, ohne Zugang zu gesunder Nahrung ... alle dieser Nöte sind Symptome einer Krankheit, und die Krankheit ist Trennung. Wenn wir von der Erde getrennt sind, voneinander getrennt sind, dann schaffen wir Wunden, und wir schaffen Symptome dieser Trennungs-Krankheit. Und was ich in diesem Projekt sehe, das ist liebevolle Sorge für die Kinder. Sie haben hier einen gesunden Platz, um Familie zu erleben, Gemeinschaft zu erleben, die Verbindung mit gesunder Erde. Indem wir hierher kommen und zusammenarbeiten, beginnen wir die Fäden, die auseinandergerissen wurden, wieder zu heilen. Jede Person ist ein Faden, jedes Kind ist ein Faden, und wenn einem Kind Liebe und das Vertrauen gegeben wird, dass es wichtig ist, ist das wie das Pflanzen eines Samens. Man gibt ihm Wasser, Nahrung, Liebe, und man liebt ihn, während er wächst... Und was geschieht, wenn eine Pflanze wächst, das ist, dass sie der Welt etwas zurückgibt. Das ist etwas, was immer geschieht.
Und so sehe ich, wenn ich das Engagement von Aramitan für die Kinder sehe, ein Engagement dafür, eine Zukunft gesunder Gemeinschaften zu schaffen. Und wo auch immer die Menschen und Kinder gehen werden, wenn sie groß sind, sie werden dieselben Samen säen und dieselbe Heilung ernten – und dieselbe Hoffnung und dieselbe Liebe, wohin auch immer sie gehen.“

Julia Butterfly Hill, Juli 2006.

 

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Kontakt

Aramitan
Av Dr Andre Stucchi 1806
Valflor, Embu Guaçu - SP
Brasilien

AP: Santiago De Marco
info@aramitan.org