Projekt Salva Dor: Jahresbericht 2009

Am 2. Juli 1999, also vor zehn Jahren, wurde der Verein Associação Educacional Salva Dor gegründet. Dieser Tag ist ein Feiertag in Bahia: Nach zweijährigem Kampf haben die Einwohner des Bundesstaates am 2. Juli 1823 die Unabhängigkeit von Portugal errungen. Im Anschluss daran wurde der Entschluss gefasst, als eine Provinz dem in der Entstehung befindlichen brasilianischen Reich beizutreten. Mit der Energie dieser historischen Befreiung hat das Projekt Salva Dor seine Arbeit begonnen!

Wir arbeiten in São Lázaro, einer von vielen hundert Favelas in Salvador. Salvador, eine Stadt mit drei Millionen Einwohnern, ist von großer sozialen Ungleichheit geprägt. Als ehemaliges Zentrum des brasilianischen Sklavenhandels ist es nicht überraschend, dass die Bewohner der Elendsviertel fast alle afrikanischer Abstammung sind.

Seit sieben Jahren arbeiten wir in einem eigenen Gebäude. Hier betreuen wir täglich 60 Kinder zwischen 2 und 11 Jahren, die alle aus sehr armen Familien kommen. Die Kinder sind in folgende Gruppen aufgeteilt: eine Kleinkindergruppe mit 12 Kindern (2-3 Jahre), zwei Kindergartengruppen mit 12 und 16 Kindern (3-6 Jahre) und zwei schulbegleitende Gruppen mit jeweils 10 Kindern (7-11 Jahre), die morgens und nachmittags in Ergänzung zum regulären Schulunterricht zusammenkommen. Im zweiten Halbjahr findet darüber hinaus dreimal in der Woche eine Theater-AG mit Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren statt.

Unsere Arbeit wird durch regelmäßig stattfindende Elternabende begleitet, auf denen die Eltern zum einen Gelegenheit haben, gemeinsam zu singen und künstlerisch tätig zu sein, zum anderen unterrichten wir sie über die Entwicklung ihrer Kinder und besprechen verschiedene Themen von allgemeinem Interesse, zum Beispiel Medien, Hygiene usw. 

Fünf unserer Mitarbeiter nehmen zur Zeit an einem Waldorflehrerseminar teil. Für ihr persönliches Wachstum und ihre professionelle Kompetenz ist dies von unschätzbarem Wert. Die Grundlagen der Anthroposophie sind für diese Lehrer nicht mehr nur abstrakte pädagogische Ideen, sondern werden in das eigene Erleben integriert und fließen auf immer authentischere Weise in die Arbeit mit den Kindern ein. 

Es ist uns noch nicht gelungen, das Problem des Platzmangels für unsere Kinder zu lösen. Wir sind aber mit der Software AG Stiftung in Verhandlung getreten und hoffen, noch dieses Jahr oder Anfang 2010 den so wichtigen Ausbau in Angriff nehmen zu können.

Basare und Freiwillige

Wir sind sehr dankbar für die seit einigen Jahren bestehende Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern aus Deutschland an verschiedenen Waldorfschulen auf Wintermärkten und Sommerfesten Handarbeiten wie Puppen, Stiftmäppchen, Schmuck usw. verkaufen zu können, die in unserem Projekt angefertigt wurden. Diese Artikel können übrigens auch über unsere Internetseite (www.projetosalvador.org.br) bestellt werden. Dank der Unterstützung durch eine deutsche freiwillige Mitarbeiterin, die ein Studienjahr in Brasilien verbringt, und durch das Engagement unserer Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen entstehen sehr schöne Produkte, durch deren Verkauf wir in Europa einen hohen Gewinn erzielen. 

Seit Anfang des Jahres ist unser Projekt Partner im Freiwilligen-Programm „Weltwärts“. Dieses Programm ermöglicht es Jugendlichen aus Deutschland, ein freiwilliges soziales Jahr in Entwicklungsländern zu verbringen. Für uns bringt der Austausch mit diesen hoch motivierten Jugendlichen nicht nur viel Freude, sondern sie sind auch eine große Hilfe für die Arbeit mit den Kindern. Dieses Programm wird in Zusammenarbeit mit den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners und dem Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit organisiert. Seit September diesen Jahres betreuen wir zwei 19-jährige Jugendliche aus Deutschland. Sie werden über das ganze Jahr täglich im Projekt mitarbeiten. Natürlich freuen wir uns auch sehr, wenn andere Menschen als Freiwillige bei uns tätig werden möchten. Eine unserer ehemaligen Freiwilligen hat inzwischen ein Spendennetzwerk aufgebaut und sich unter anderem am Waldorf-One-World-Day mit großem Erfolg für unser Projekt eingesetzt.

Finanzierung

Dieses Jahr haben wir alle unsere Ausgaben ausschließlich aus Spenden finanziert. Im Laufe des Jahres konnten wir alle Dokumente vorbereiten, die erforderlich sind, um von der Stadtregierung finanzielle Unterstützung zu bekommen. Folglich haben wir damit gerechnet, dass uns 2010 ein beträchtlicher Zuschuss genehmigt würde. Leider wurden wir erst im letzten Moment informiert, dass dies nur möglich ist, wenn das Projekt beim Staatlichen Bundesregister für Soziale Organisationen eingeschrieben ist! Wir nahmen dies sofort in Angriff, doch zieht sich der bürokratische Prozess über mindestens 30 Tage hin, was es unmöglich machte, die Frist einzuhalten, so dass wir nun auch 2010 wieder ausschließlich auf Spenden angewiesen sind. Sie können sich vorstellen, dass unter diesen Umständen jede Hilfe von großem Wert ist!

Es ist für uns jedes Jahr eine große Freude, den Jahresbericht vorlegen zu können. So können wir wieder auf ein Jahr wichtiger Arbeit zurückblicken mit vielen kleinen und großen Erfolgen und zugleich hoffnungsvoll auf das nächste Jahr vorausschauen, in dem das Lachen der Kinder, offene Herzen, Vertrauen und Liebe die Räume des Projeto Salva Dor ausfüllen werden. In diesem Sinne kommt 2010 auf uns zu und wird von uns mit offenen Armen erwartet. Auch Ihnen die besten Wünsche!

Vivian Fraenkel

Stand / Update: 12/2009