Mit einem ersten Block (29.10.-2.11.2007) hat das berufsbegleitende Waldorferzieherseminar in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek begonnen. 45 Erzieherinnen, Kindergartenleiterinnen und Dozenten der Universität Bischkek nahmen an dem ersten Seminarblock teil, darunter auch vier Erzieherinnen aus Tadschikistan.
Frau Marie-Luise Compani und Herr Peter Lang, beide Dozenten am Waldorferzieherseminar in Stuttgart, leiteten den Kurs zusammen mit Herrn Igor Schälike vom Zentrum für Alternative Pädagogik, der auch übersetzte. Das Fortbildungsseminar läuft über zwei Jahre, wobei pro Jahr vier einwöchige Intensivblöcke stattfinden, ergänzt durch Hospitationen.
Bereits am ersten Tag entwickelte sich eine gute und intensive Arbeitsatmosphäre. Im Laufe der Woche wurde deutlich, dass in Kirgisien im Vorschulbereich sehr viele Vorschriften und Regularien bestehen, die das pädagogische Arbeiten erheblich einschränken – z.B. übertriebene Hygienevorschriften (kein Holzspielzeug, keine Blumen auf dem Tisch) und genaue Vorschriften bezüglich der Mengen- und Kalorienangaben im Ernährungsplan der Kinder usw. In den kirgisischen Kindergärten werden die Kinder in Jahrgangsklassen eingeteilt, schulisches Lernen ist wichtiger Bestandteil der Erziehung, was sich negativ auf die Spielzeit und das Spielverhalten der Kinder auswirkt.
Am Ende der Woche waren die Teilnehmerinnen erfüllt von den vielen Inhalten und fragten, womit sie in ihren Einrichtungen mit der Umsetzung von einigen Elementen der Waldorfpädagogik beginnen könnten. Entsprechende Anregungen konnten gegeben werden. Im Rückblick äußerten sich die Teilnehmer sehr dankbar und betonten, dass sie in dieser Woche viele pädagogische, psychologische und methodisch-didaktische Anregungen erhalten haben. Sie sind fest entschlossen, die weiteren Seminarwochen zu besuchen.
Die Universität stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung und sorgte für eine reibungslose und vorbildliche Organisation. Die Leiterin der pädagogischen Fakultät, Frau Orusbaeva, begrüßte es ausdrücklich, dass das Waldorfpädagogische Seminar an der Universität stattfindet und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.
Die kirgisischen Waldorfkindergärtnerinnen hatten in einem Extraraum eine Ausstellung vorbereitet; so war für die Teilnehmerinnen Gelegenheit, Spielzeug, Bilder, Literatur u.a. zu sehen.
Im Gespräch mit Frau Karasartova, der leitenden Spezialistin der Abteilung für Vorschul-, Schul- und außerschulische Ausbildung am kirgisischen Bildungsministerium, wurden folgende Punkte besprochen:
Sie wird sich für eine Lockerung der strengen Normen in den Piloteinrichtungen einsetzen, damit die Kindergärten und Schulen, deren Mitarbeiterinnen an der Waldorfausbildung teilnehmen, einen Experimentalstatus erhalten, der ihnen einen größeren methodisch-didaktischen Freiraum gewährt.
Da in Kirgisien eine Regierungsneubildung ansteht, liegt bereits der Entwurf eines Memorandums vor, in dem nochmals die Bedeutung und die Notwendigkeit einer waldorfpädagogischen Ausbildung bekräftigt wird. Dieses Memorandum wird von den beteiligten Organisationen (Erziehungsministerium, Zentrum für Alternative Pädagogik, IASWECE und Vereinigung der Waldorf-Kindertageseinrichtungen Baden-Württemberg, beide vertreten durch Peter Lang) zur Zeit ergänzt, modifiziert und dann unterzeichnet.
Die zweite Blockwoche wird vom 14.- 18. Januar, der dritte Block vom 17.-21. März 2008 stattfinden, wobei Frau Compani drei Tage vorher nach Bischkek kommen wird, um mit den tätigen Waldorferzieherinnen in den Einrichtungen zu arbeiten. In diesen neuen Blöcken wird eine zusätzliche Erzieherin aus Stuttgart als weitere Unterstützung in Methodik und Didaktik mitarbeiten.
Marie-Luise Compani und Peter Lang