Am Abend vor Beginn der AWTC, wie sie in Asien genannt wird, wo man Abkürzungen irgendwie schön findet, war es furchtbar heiß. Mit vollen Bussen kamen Menschen zu einem Konferenzzentrum etwas außerhalb von Secunderabad gefahren; hinter ihnen lag schon der Zick-Zack durch die überfüllte Stadt mit ihren von einer einzelnen Glühlampe beschienenen Marktständen, den schreienden Händlern, den Bettlern, dem Staub und dem Lärm. Nicht nur Tagungsteilnehmer kamen, sondern auch aufgeputzte Gäste einer Muslim-Hochzeit, deren goldenen Armreifen im Schein der Flutlichter glänzten, deren edle Seidensaris knisterten und in den schönsten kräftigsten Farben schimmerten und die sich, auch bei ultramodernem Musikstil, nach uralten Traditionen benahmen. Frauen auf der einen Seite, Männer auf der anderen Seite des großen Rasens in lustlosem Austausch.
Am selben Ort begann am nächsten Morgen die jedes zweite Jahr stattfindende asiatische Waldorftagung, eine siebentätige Fortbildungsveranstaltung für tätige Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen. Sie begann in einer ganz anderen Stimmung, schon auch laut, aber mit viel Reden, Begrüßen, Umarmen, Erfreuen über das Wiedersehen mit den Kollegen aus anderen Ländern.



Zyklisch hielt Christof Wiechert über die pädagogischen Grundlagen an sieben Tagen Vorträgen zur Allgemeinen Menschenkunde. Diesen Vorträgen folgten zur Vorbereitung des nächsten Schuljahres Vertiefungskurse für die verschiedenen Klassenstufen.
Die Arbeit von Lehrern und Kindergärtnern in Asien stellte sich glücklicherweise nicht als in zwei getrennte Bereiche heraus. Diese gemeinsame Arbeit ist angesichts einer gefährdeten erfahrbaren Kindheit dringend notwendig.
Mit jedem Tag nahm die Zahl der Verabredungen in den Pausen zu. Die Freude an der Zusammenarbeit wuchs und gerade die europäischen Kollegen öffneten sich geschmeidig, ob der vorurteilslosen Offenheit und Begeisterung der asiatischen Kollegen. Sie haben uns mitgerissen mit ihrer Begeisterung und mit ihrem Einsatz. So wurde sehr deutlich, dass die Zusammenarbeit mit der jungen Kollegenschaft der Schulen und Kindergärten in Asien für die europäische Bewegung von großer Bedeutung ist, um so manche Erstarrung zu erlösen. Wir freuen uns schon auf die Weltlehrertagung 2012.
Nana Göbel