Marjorie Theyer ist Kindergarten-Beraterin der neuseeländischen Waldorfvereinigung. Sie arbeitete mit allen Waldorfschulen in Neuseeland und war aktiv an der Gründung neuer Schulen in Asien beteiligt. Im folgenden gibt sie einen kurzen Rückblick auf diese Arbeit während der letzten zehn Jahre.
(Artikel aus: Sphere. Quarterly Journal for Anthroposophy in New Zealand. September 2007).
Vor zehn Jahren wurde ich von einem großen Kindergarten in Taiwan eingeladen, um bei der Umwandlung in einen Waldorfkindergarten zu helfen. So begann meine ereignisreiche Arbeit in Asien. Seitdem habe ich in ähnlichen Situationen auf den Philippinen, in Thailand, Singapur, Hongkong und Nepal geholfen.
In den folgenden Jahren habe ich an jeder der Asia-Pacifik-Konferenzen teilgenommen (Asia-Pacific Anthroposophical Conference), die in Thailand (1998), Taiwan (1999), Japan (2000), Nepal (2002), Indien (2004) und Thailand (2007) stattfanden, ebenso an einer von den Freunden der Erziehungskunst initiierten Round Table Konferenz, auf der die „Bedürfnisse“ jedes Landes diskutiert wurden. Aus diesen Round Table Konferenzen gingen dann zwei Konferenzen für tätige Waldorflehrer in Asien hervor. Die erste fand im April 2005 mit 120 Teilnehmern in Taiwan statt, die zweite im Frühjahr 2007 mit 220 Teilnehmern (davon fast 100 aus China!) in Thailand. Die nächsten beiden dieser Konferenzen werden im Mai 2009 auf den Philippinen sein.
Ende der 90er Jahre war ich jedes Jahr in zwei bis vier Ländern tätig, aber allmählich verlängerte ich die Dauer meiner Besuche und reduzierte ihre Zahl auf zwei Länder pro Jahr – mit Pausen von zwei bis vier Jahren zwischen jedem Besuch einer Einrichtung. 2006 war ich in Thailand, Taiwan und auf den Philippinen und 2007 in Thailand und Nepal.
Neben der Arbeit mit einzelnen Kindergärten und Schulen in diesen Ländern half ich auch mit Vorträgen und Workshops in ihren eigenen Ausbildungskursen. Weiterhin habe ich zusammen mit meiner australischen Kollegin Dr. Renate Long-Breipohl bei zwei dreijährigen Teilzeit-Ausbildungen mitgewirkt, die von der IASWECE (International Association of Waldorf/Steiner Early Childhood Education) unterstützt wurden.
Die erste dieser Ausbildungen fand 2000-02 in Manila/Philippinen statt und hatte 15 Absolventinnen, die zweite bildete 2004-06 in Bangkok/Thailand 33 Erzieherinnen aus. Eine dritte Ausbildung begann 2007 unter Leitung von Thanh Cherry mit 80 Studenten in Chengdu/China. Wir hatten gehofft, dass alle diese Kurse von Teilnehmern vieler Länder besucht werden, aber bis jetzt hatte nur der zweite Kurse einige Studenten aus Hongkong, Singapur, Nepal und Japan.
In den letzten beiden Jahren habe ich auch unsere Ex-Studenten besucht, die derzeit in Waldorfinitiativen in Nepal, Taiwan, Thailand und Philippinen tätig sind. 2006 zum Beispiel besuchte ich während drei Wochen vier Waldorfinitiativen auf Taiwan (Ilan, Taichung, Kaoushung und Taipei). Sie variieren von extrem gut etablierten Kindergärten und Schulen mit ausgebildeten Praktikern bis zur jüngsten Initiative, die voller Enthusiasmus ist, aber der es an Wissen, Ausbildung und Erfahrung in der Waldorfmethodik mangelt.
Ende 2006 arbeitete ich mit ehemaligen Studenten des Bangkok-Kurses auf den Philippinen. Diese sind jetzt nicht nur in der Waldorfschule Manila tätig, sondern auch in Initiativen auf den Inseln Cebu, Buhol und Iloilo. Als ich Iloilo besuchte, gab es über Nacht gerade eine Überflutung des Kindergartens, der dann in einer großen Aktion wieder gereinigt werden musste. Außerdem begegnete ich dort einer vier bis fünf Fuß langen Giftschlange, als ich ein Feld mit 25 Rindern durchquerte, das zwischen der Schule und meiner Behausung lag – und das ich viermal täglich durchqueren musste!
Die Entwicklung der Waldorfpädagogik in den Teilen Asiens, in denen ich arbeiten und deren Kultur und Religion ich näher kennenlernen durfte, ist sehr rapide gewesen – in manchen Fällen zu schnell, was zu den Schwierigkeiten führte, die alle Pioniersituationen hervorbringen. Dennoch ist aus meiner Sicht der Gesamteindruck der einer stetigen Entwicklung. In den letzten zwei Jahren eröffneten fünf neue Schulen in Manila, Bangkok, Taiwan, Indien und Japan.
Hier in Neuseeland hatten wir zur selben Zeit viele Studenten aus den Philippinen, Singapur, Hongkong, Thailand, Taiwan, Korea, Indien und China, die am Taruna College an den Ausbildungskursen für Waldorfpädagogik und biodynamische Landwirtschaft teilnahmen. Inzwischen bereichern diese Menschen die Arbeit in ihren Heimatländern.
Zusammen mit der Australian Early Childhood Association planen wir nun eine erste Austral-Asiatische Early Childhood Waldorf-Konferenz im Jahr 2009. Wir hoffen, dass viele Menschen aus Asien dazukommen werden.
Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich ein Teil der Pionier- und der Konsolidierungsphase in diesen verschiedenen Ländern Asiens sein durfte, und ich freue mich darauf, meine Arbeit mit den vielen Freunden, die ich gefunden habe, fortsetzen zu können.
Marjorie Theyer