Entstehungsgeschichte

Zur Geschichte der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Das Jahr 1919 gilt als das Geburtsjahr der Waldorfpädagogik. Es ist das Jahr, in dem Rudolf Steiner die erste Waldorfschule – die Betriebsschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik – gründete. Dies geschah auf Bitte des Fabrikdirektors, um die Kinder der bei ihm beschäftigten Arbeiter pädagogisch zu betreuen. Es folgten weitere Schulgründungen in Deutschland und im Ausland. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden allmählich alle bis dahin bestehenden Waldorfschulen geschlossen. Nach Ende des Krieges kam es zu Wieder- und Neugründungen.

Entstehung des Vereins

Kurz nachdem 1969 das 50-jährige Bestehen der Waldorfpädagogik gefeiert werden konnte, wurde am 10. Oktober 1971 durch Ernst Weissert der Verein „Freunde der Waldorf-Pädagogik e.V.“ gegründet, um gesellschaftlichen Rückhalt für die Waldorfschulbewegung zu schaffen. Der Gründer formuliert als Ziel des Vereins, „eine Schule der Zukunft zu schaffen, die ganz auf das Menschliche, ganz auf die Freiheit, ganz auf die eigentlichen Forderungen des sozialen Organismus gestellt ist“. 1976 übergab Weissert die Vereinsgeschäfte einer Gruppe junger Menschen, die ehemalige Waldorfschüler waren – unter ihnen auch Nana Göbel, die noch heute im Vorstand tätig ist. Diese jungen Menschen verfolgten die Vision eines Weltschulvereins und ihre Initiative begründete den „Internationalen Hilfsfonds“ im nun zu Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners umbenannten Verein. Mit Hilfe dieses Fonds sollte weltweit ein freies Schulwesen unterstützt werden und der Schulbesuch auch Kindern ermöglicht werden, deren Eltern nicht über entsprechende finanzielle Mittel verfügten.

Die für Waldorfeinrichtungen gesammelten Spenden stiegen über die Jahre fast kontinuierlich. Bis heute sammelt der Internationale Hilfsfonds alle eingehenden zweckungebundenen Spenden und ermöglicht den Freuden in vielen Fällen die unterstützende Reaktion auf die täglich eingehenden Hilfsanfragen aus aller Welt. Durch den Hilfsfond oder durch zweckgebundene Spenden unterstützt werden Schulen und Kindergärten, aber auch heilpädagogische Institutionen und Initiativen der Sozialarbeit sowie entsprechende Ausbildungsgänge für Mitarbeiter der Partnereinrichtungen. Auch die geographische Ausbreitung der Hilfe hat sich von Jahr zu Jahr ausgeweitet, über Westeuropa und die USA nach Südamerika und Afrika und schließlich nach Osteuropa und Asien.

Dank des Engagements seiner Mitglieder und verschiedener Stiftungen kann stets die 100%ige Weiterleitung der eingegangenen Spenden ohne jegliche Abzüge an konkrete Projekte garantiert werden. Als weitere Initiative zur Unterstützung der weltweiten Waldorfbewegung haben die "Freunde" Ende der 90er Jahre über Bildungsgutscheine vermittelte Patenschaften ins Leben gerufen, die heute vielen benachteiligten Kindern die Teilhabe am Bildungsprozess ermöglichen.

Internationales Netzwerk

Gleichzeitig vernetzten sich die "Freunde" mit ähnlichen Verbänden im In- und Ausland, mit der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, mit dem „Bund der freien Waldorfschulen in Deutschland“ oder der „Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten“ – um nur einige Partner zu nennen. Die Kooperation mit vielen Partnern dient dabei dem inhaltlichen und organisatorischen Austausch. Wichtig ist dabei jedoch auch, dass sie ein Hilfsmittel für eine transparente und objektivierte Geldvergabe ist.

Seit 1987 arbeiten die "Freunde" mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen. Durch wesentliche Förderungen des Ministeriums können wichtige Bauvorhaben z.B. in Südafrika, Rumänien, Brasilien oder Vietnam verwirklicht werden. Im Jahr 1994 begann die Zusammenarbeit mit der UNESCO: auf der internationalen Konferenz für Erziehung konnte die Waldorfpädagogik dem Publikum aus aller Welt vorgestellt werden. Zudem wurde diese Ausstellung unter UNESCO-Schirmherrschaft in mehreren asiatischen Ländern gezeigt. 2001 sind die "Freunde" zu einer Stiftung mit offiziellen Beziehungen zur UNESCO (Foundation in Official Relations with UNESCO) ernannt worden und damit die erste Institution, die der Waldorf-Pädagogik verbunden ist und eine solche Anerkennung erfährt.

Freiwilligendienste

Ein weiteres bedeutsames Arbeitsfeld der "Freunde" wurde 1993 begründet. Angeregt durch einen ehemaligen Waldorfschüler, der den Ersatzdienst für seinen Zivildienst in einer Schule in Südafrika leisten wollte, beantragten die "Freunde" die Anerkennung für den so genannten „Anderen Dienst im Ausland“ (ADiA). Heute sind die "Freunde" eine der größten deutschen Entsendeorganisationen für internationale Freiwilligendienste. Die Zahl der Freiwilligen und die der aufnehmenden Einrichtungen steigen kontinuierlich – mittlerweile werden jährlich rund 600 Freiwillige in über 50 Länder entsandt. In den Bereichen Schule, Kindergarten, Heilpädagogik und Sozialtherapie sowie in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit oder der biologisch-dynamischen Landwirtschaft können derzeit die Programme Freiwilliges Jahr im Ausland (FJA) und den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts absolviert werden. Gleichzeitig leisten derzeit rund 80 internationale Freiwillige über das 2006 gegründete Aufnahmeprogramm „Incoming“ einen Sozialdienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland.

Notfallpädagogik

Der Sonderpädagoge Bernd Ruf entwickelte ein umfassendes, auf der Waldorfpädagogik basierendes Konzept zur Notfallpädagogik, nachdem er mit psycho-traumatisierten Kindern in einem Flüchtlingslager in Beirut im Kontext des Libanonkriegs 2006 konfrontiert wurde. Die Begegnung ereignete sich im Rahmen einer Rückführaktion von 15 seelenpflegebedürftigen libanesischen Jugendlichen und deren Betreuern, die zur Zeit des Ausbruchs des Libanonkriegs am UNESCO-Welt-Jugend-Festival anlässlich der Fussball-WM in Stuttgart teilnahmen. Trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat und auf Wunsch der Eltern kehrten die Jugendlichen in den Libanon zurück. Die durch Menschenhand verursachte Gewalt und die durch Krieg schwer traumatisierten Flüchtlinge im Libanon leiteten das erste Pilotprojekt der "Freunde" in die Wege. Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. wurde neben der Projektförderung und der internationalen Freiwilligendienste zu einem weiteren großen Arbeitsbereich des Vereins. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten die "Freunde" mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (November 2006), China (Juni 2008), Gaza (Februar und Juli 2009), Indonesien (November 2009) und Haiti (Februar und Mai 2010). Im Jahr 2010 finden mit Förderung des Auswärtigen Amtes ingesamt drei Nachsorgeeinsätze im Gaza-Streifen statt. Eine vollständige Übersicht aller notfallpädagogischen Interventionen der "Freunde" finden Sie unter Einsätze.

 

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Notfallpädagogik
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