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2007 He

 

Adresse

Adazu Brivá Valdorfa Skola
Pirmá iela 26 a
2164 Adazi, Rigas rajons
Lettland
Tel.: 00371 7 904 815
Fax: 00371 7 904 814
E-Mail
AP: Vija Aizpuriete (dt.), E-Mail


Schülerinnen mit Querflöte...
...und Geige im Orchester
Ein Schulkonzert
"Ronja Räubertochter"
Michaeli-Spiel
Michaeli-Spiel
Das "literarische Gericht"
Beim Laternenfest
Lettland - 9/2007

Engagierte Gemeinschaft, besonderer Klang

Die 1993 gegründete Waldorfschule Adazi bei Riga zeigt inmitten einer schwierigen wirtschaftlichen Situation wie engagierte Bildung aussehen kann. Ihre Theaterstücke und ihr Orchester, aber auch andere Traditionen wie der “Tag der Muttersprache” sind in Lettland weithin bekannt, nicht selten ist bei Bildungsthemen der Rat der Waldorflehrer gefragt. Doch die Schule muss das bisher genutzte Gebäude verlassen und braucht nun jede Hilfe.  >> Langfassung.


Die Freie Waldorfschule Adazi begann ihre Arbeit als Privatschule in einem leerstehenden Kindergartengebäude. Da wir mit drei Klassen begonnen hatten, hat unsere Schule inzwischen schon vier Abschlussfeiern der 12. Klasse erlebt. Die Kinder unserer Schule kommen nicht nur aus der direkten Umgebung, sondern auch aus dem 30 km entfernten Riga und sogar noch weiter entfernten Orten.

Die meisten Schüler kommen aus Familien, in denen die Eltern mit Freude an der Erziehung ihrer Kinder teilnehmen. Unsere Schule steht aber auch für Kinder offen, die vom Schicksaal nicht verwöhnt sind – zur Zeit lernen bei uns sechs Kinder aus Kinderheimen (in den Heimen leben etwa 5000 Kinder, deren künftige Integration in die Gesellschaft Sorgen macht). Für Familien, derern finanzielle Situation zu schwierig ist, werden Patenschaften gesucht.

Zur Zeit hat unsere Schule 160 Schüler. Bisher waren auch zwei Kindergartengruppen tätig, und es gab sogar eine lange Warteliste. Doch in diesem Schuljahr waren wir gezwungen, den Kindergarten zu schließen: Die Räume des Selbstverwaltungskindergartens Adazi, die wir mieten, werden durch eine veränderte Gesetzgebung wieder von der Selbstverwaltung benötigt!

Zum Glück konnten wir dank vieler Elternspenden ein Stück Grundbesitz kaufen. In Zusammenarbeit mit einem schwedischen Waldorf-Architekten wurde ein eigenes Gebäude geplant und Ende 2005 der erste Bauabschnitt begonnen. Da wir nicht genug Geld haben, wird der Kindergarten für eine Weile nicht tätig sein, was auch die Schule in eine finanzielle Krise bringt. Wir hoffen sehr, dass uns viele Menschen helfen werden!

Die für unsere Schule eingesetzte Arbeit der Lehrer – darunter auch ehemalige Schüler! – ist enorm. Unsere schönen Traditionen sind in ganz Lettland bekannt. Jeden Herbst wird auf einem Schlossberg oder in einem Naturpark unser Freilicht-Michaeltheater gespielt, bei dem alle Schüler unserer Schule teilnehmen. Danach gehen Kinder zusammen mit den Eltern auf eine Exkursion, bei der sie verschiedene Aufgaben bewältigen müssen.

Kurz vor Weihnachten findet unser große Weihnachtstheater statt. Die Musik für das Schulorchester schreibt der Orchesterlehrer oft selbst, die Tänze für das Stück gestaltet die Bewegungskunstlehrerin, und auch das “Drehbuch” mit Rollen für alle Schüler entsteht in unserer Schule. Im Frühling gibt es den schönen Familientag mit Konzert, Werkstätten, Markt und von Kindern vorbereitete Cafés. Für den letzten Schultag schreibt die Leiterin des Unterstufenchores immer ein musikalisches Märchen, das dieser für die Eltern aufführt.

Der Stolz unserer Schule ist unser Orchester der 5. bis 12. Klasse. Neben fünf Geigen, verschiedenen Flöten, Gitarren, Trommeln, dem Akkordeon und dem Saxophon erklingen verschiedene alternative Schlaginstrumente und Gegenstände, mit denen man verschiedene Laute hervorbringen kann. Unser Orchester nahm an verschiedensten Veranstaltungen und Wohltätigkeitskonzerten nicht nur in Lettland, sondern auch in England, Deutschland, Schweiz, Österreich, Slowakei und Estland teil.

Auch unsere Schule selbst hat einen bestimmten Klang im System der lettischen Ausbildung bekommen. Lehrer unserer Schule werden als Berater in verschiedene Projekte eingeladen, die sich mit Fragen der Bewertung, des Unterrichtsinhalts, der Methodik, der Sprachbildung oder der alternativen Lehrmethoden beschäftigen.

Wir wissen nicht, ob in Lettland neue Waldorfschulen gegründet werden. Aber wir wissen, dass das viele, was die beiden vorhandenen Schulen den Kindern geben können, nicht ohne Widerhall bleiben wird, weil eine Arbeit, in der so viel Begeisterung, Enthusiasmus und Lebensfreude lebt, immer Früchte bringen wird. Die Lehrer unserer Schule sind davon überzeugt, dass eine Ausbildung für das Herz diejenige ist, die es den Kindern ermöglicht, die Welt mit allumfassendenen Augen anzuschauen ermöglicht. Und ist denn das nicht das Ziel der Waldorfpädagogik – Fühlen, Verstehen und Lieben zu lernen?

Adazi als UNESCO-Projekt-Schule

Im Jahr 2000 schlossen wir uns dem weltweiten Netzwerk der “UNESCO-Projekt-Schulen” an. Schon 14 Jahre ist unsere Schule mit der UNESCO-Projekt- und Waldorfschule in Vestfold/Norwegen verbunden, die mit Rat und Tat hilft, unsere Lehrer zu sich einlädt und deren Schüler während des Sozialpraktikums Räume unserer Schule renovierten. Jeden Frühling fährt auch unsere 6. Klasse nach Norwegen.

Wir sind für verschiedene UNESCO-Projekte offen und feiern zum Beispiel die internationalen Feiertage. Am Welttag des Buches schickten wir selbstgezeichnete Lesezeichen mit lettischen Büchern an Leser anderer Länder. Am Tag der Toleranz finden in unserer Schule improvisierte “literarische Gerichte” statt, bei denen Schüler die eigene Meinung äußern, begründen und verteitigen lernen, indem sie sich in die Rollen literarischer Helden einleben. Am Tag der Muttersprache organisieren wir u.a. Treffen mit bekannten Kulturschaffenden und einen Wettbewerb mit Mannschaften von fünf anderen UNESCO-Projekt-Schulen Lettlands. Unsere Lehrer und Schüler nahmen an den von der UNESCO und dem Bildungsministerium organisierten Disskusionen über die Ausbildungsreform teil.

Anfang Mai 2007 fand in Lettland ein Seminar für die internationalen Koordinatoren der UNESCO-Projekt-Schulen statt, das Vertreter aus aller Welt besuchten. Nach zwei anstrengenden Arbeitstagen konnten die Gäste zwei Schulen besuchen – auch unsere. Sie besichtigten in Begleitung der Schüler die Schule, konnten am Tageslauf teilnehmen, zusammen mit Schülern und Lehrern essen und ein Konzert sehen, bei dem das Orchester, Sänger und Tänzer unserer Schule aufgetraten. Am Schluss tanzten die Gäste zusammen mit unseren Schülern mehrere lettische Volkstänze und hatten großen Spaß.

Jede Schule ist gesegnet, wenn sie viele Freunde hat und wenn die Gäste sie mit hellen Gedanken verlassen. Eine UNESCO-Projekt-Schule zu sein, heißt vor allem, den anderen Freude zu geben, wodurch man auch selbst viel Freude bekommt. Die Waldorfschule Adazi freut sich sehr, noch viele andere UNESCO-Projekt-Schulen kennenzulernen, wodurch die Schüler anderen Kulturen begegnen und der Welt über ihre eigene Heimat erzählen können.

I. Zemite und K. Koziola

Seit dem Jahr 2001 stehen die Freunde der Erziehungskunst in offiziellen Beziehungen mit der UNESCO und versuchen, sich auf dieser internationalen politischen Ebene für Offenheit und Verständnis gegenüber dem ganzheitlichen, pädagogischen Ansatz Rudolf Steiners einzusetzen, mögliche Berührungsängste zwischen unterschiedlichen pädagogischen Auffassungen abzubauen und Zusammenarbeitsmomente herzustellen.  

In diesem Sinne sind wir auch mit dem sog. „Associated Schools Project Network“ (ASPnet) der UNESCO verbunden. Diesem Netzwerk sind ca. 7.900 Schulen in 176 Ländern angeschlossen, die sich gemeinsam für eine Kultur des Friedens, der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Austausches und des interkulturellen Lernens einsetzen und in Länderarbeitsgemeinschaften Einfluss auf die nationale Bildungs- und Erziehungspolitik der verschiedenen Länder nehmen.
Teil des Netzwerks sind auch ca. 25 Waldorfschulen. Durch das Engagement der Adazi Waldorfschule im UNESCO ASPnet und dem hieraus hervorgegangenen Besuch internationaler UNESCO-Vertreter (alle aus verschiedenen europäischen Erziehungsministerien) konnte erreicht werden, dass in verschiedenen Ministerien, die der Waldorfschulbewegung verschlossen gegenüberstanden, eine „Tür geöffnet“ wurde.
Eine Liste der Waldorfschulen, die UNESCO-Projektschulen sind, und Informationen über die Zusammenarbeit zwischen der UNESCO und den Freunden der Erziehungskunst finden Sie auf unserer Homepage.

Barbara Schiller

Spendenstichwort: 4007 Adazi       Spenden      Rundbrief-Übersicht      Nächster Bericht