Arbeit für eine unbeschwerte Kindheit

„Eine unbeschwerte Kindheit gilt vielen ehrgeizigen chinesischen Eltern als reine Zeitverschwendung.“ So oder ähnlich lauten die Überschriften zu Artikeln über die Situation von Kindern in China. Während die Kinder der Städter unter dauerndem Leistungsdruck vom Kindergartenalter an stehen, haben viele Kinder auf dem Land keine Chance auf eine längere Schulzeit. Auf dem Land gibt es immerhin noch 120 Millionen Analphabeten, was natürlich unter den Städtern undenkbar ist. Hier werden die Kinder von klein an dazu angehalten zu lernen und Erfolge zu erzielen.

Als ich vor wenigen Jahren mit einer jungen Frau sprach, die in einem waldorforientierten Kindergarten in Beijing arbeitet, erzählte sie mir von ihrer eigenen Ausbildung auf einer Eliteschule und dann an der Elite-Universität, an der sie erfolgreich Biochemie studiert hatte. Nun arbeitet sie mit immerhin 32 Jahren im Waldorfkindergarten und ist stolz, dass sie mit dieser Arbeit zum ersten Mal in ihrem Leben eine eigene Entscheidung getroffen und nicht nur die Entscheidungen des Vaters ausgeführt hat.

Um ihren eigenen Kindern dieses Schicksal des ausschließlich am Erfolg orientierten fremdbestimmten Lebens und Lernens zu ersparen, interessieren sich immer mehr junge Eltern für alternative Konzepte der Erziehung. Das ist der Hintergrund auf dem seit 2004 Spielgruppen gegründet werden, die mit der Waldorfpädagogik arbeiten.

Oft haben Eltern und Kindergärten zunächst die Montessoripädagogik versucht und sind dann bei weiteren Recherchen im Internet auf die Waldorfpädagogik gestoßen. Inzwischen gibt es in einigen großen Städten solche Spielgruppen mit acht bis zehn Kindern.

Die Kindergärtnerinnen besuchen Ausbildungskurse, die auf drei Regionen konzentriert werden sollen: Chengdu, Guangzhou und Beijing.

Um den großen Bedarf an Mentoren und Ausbildern und die große Anziehungskraft, die China ausübt, sinnvoll und bei Aufrechterhaltung einer realistischen Qualität zu koordinieren, haben die Freunde der Erziehungskunst gemeinsam mit der IASWECE (Internationale Kindergartenbewegung) und der Pädagogischen Sektion am Goetheanum eine Freistellung für eine erfahrene Kindergärtnerin für die nächsten drei Jahre organisiert, die diese Koordinationsrolle übernehmen und zugleich auch dafür sorgen wird, dass die Ausbildungslehrpläne aufeinander abgestimmt werden. Das ist ein großer Fortschritt. Auf dieser Grundlage hoffen wir, dass die Waldorfpädagogik im Kindergartenbereich stabile Wurzeln bilden wird.

Nana Göbel

Rundbrief - 9/2010 

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Projektnummer: China