In dem gewalttätigen Stadtteil Jardim Boa Vista in São Paulo versuchen die engagierten Mitarbeiter der Associação Comunitaria Micael (ACOMI) durch schulergänzende Aktivitäten auf Grundlage der Waldorfpädagogik, Kinder und Jugendliche vor dem sozialen Ausschluss zu bewahren.
Liebe Schüler, Eltern und Lehrer und alle, die dazu beigetragen haben, dass der WOW-Day 2009 stattfinden konnte! Was für eine wundervolle Initiative zu Gunsten von Waldorf-Sozialprojekten weltweit!
Wir waren mehr als glücklich und dankbar über die Nachricht, dass unsere Associação bei der Verteilung der gesammelten Spenden berücksichtigt werden konnte. Die folgenden Geschichten mögen Euch einen Eindruck unserer Arbeit geben und zeigen, was die WOW-Day-Hilfe bedeutet.
Ich habe drei Kinder, die an den Aktivitäten von ACOMI teilnehmen. Eduardo (13) war zwei Jahre beim Hallenfußball. Hier konnte er Freundschaften mit anderen Jungs schließen, was sonst in unserem Stadtviertel sehr schwierig ist, da ich ihn aus Sicherheitsgründen nicht auf die Straße lasse. Mariane (12) nahm 2009 an den Handarbeitskursen teil, was ihr sehr gefiel, denn sie liebt Handarbeit und ist begabt dafür.
Felipe (5) besuchte den Kindergarten der Associação seit er drei Jahre alt war. Zu Hause waren die Bedingungen für ihn sehr dürftig, denn die Geschwister hatten keinen Platz zum Spielen, und er hatte keine Freundschaften. Felipe war überbehütet, so dass er z.B. eine Treppe weder hinauf- noch heruntergehen konnte. Während der zwei Jahre bei ACOMI hat sich sein Verhalten sehr geändert, heute ist er ein glückliches Kind, das es liebt mit seinen Freunden zu spielen. Er ist sicherer geworden und bezwingt seine Ängste!
Ich fühle gegenüber allen, die mit ACOMI verbunden sind, eine große Dankbarkeit, weil ich allein Felipe nicht helfen könnte. Es ist wunderbar, mit wie viel Liebe ihm alle entgegenkommen und welche reiche Vorstellungskraft und Phantasie heute in Felipe lebt!
Ich möchte hier all denen Dank sagen, die es ermöglichen, dass meine drei Kinder an den schulergänzenden Aktivitäten der ACOMI teilnehmen können.
Ivan Lucio (12) besucht die siebte Klasse einer öffentlichen Schule und in der Associação den Hallenfußball und die Percussiongruppe, die auch in seiner Schule schon aufgetreten ist. Er nahm auch an dem Theaterstück „Das Mädchen mit der Laterne“ teil, das den Kindergartenkindern vorgeführt wurde. Das Laternenfest ist wirklich ein Fest der Magie, wunderschön! Auch ich habe zusammen mit anderen Müttern bei der Theateraufführung mitgemacht. Das Lagerfeuer, der Gesang in der Runde ... Glückwünsche an alle, die so etwas Zauberhaftes ermöglichen!
Igor Luan (7) ging in den Kindergarten der ACOMI. Sein jüngerer Bruder Italo Alan (5) besucht ihn heute noch. Er liebt die Weihnachtsfeste, die Geschenke, die Gruppenarbeiten, das Brotbacken, und den Tag, an dem die Kochkunst ausprobiert wird. Er liebt Eunice, seine „Kindergartentante“, die eine ausgezeichnete Fachkraft ist.
Vielen Dank Euch allen, die es meinen Kindern und auch mir ermöglichen, die Solidarität und Verantwortung für den Nächsten so konkret erleben zu können!
Ich begann 2004, am Hallenfußball der ACOMI teilzunehmen. Damals war ich 13 Jahre alt. Ich liebe Fußball sehr und konnte viele Freundschaften schließen. Als ich 15 Jahre alt war und in die Oberstufe [der benachbarten Waldorfschule Colegio Micael] kam, begann ich an den Nachmittagen, unserem Fußballtrainer Pelé zu helfen, wo immer er mich brauchte.
Später dann, als Luba (der Projektleiter) dazukam, lernte ich noch viel mehr, die anderen zu respektieren. So wurde Luba mehr als ein Freund, er wurde mein Berater.
Heute bin ich 18 Jahre alt und kann der ganzen Associação nur meinen großen Dank aussprechen. Ich danke auch der Waldorfschule Micael, die aus mir einen guten Menschen machte und mir eine gute Erziehung gab. Ich danke Luba und Pelé, die mich lehrten, den anderen zu respektieren und ihm mit Anstand zu begegnen, egal wer er sein mag.
Die WOW-Day-Spende wird maßgeblich dazu beitragen, dass wir den Kindern und Jugendlichen von Jardim Boa Vista auch weiterhin unsere verschiedenen Aktivitäten kostenlos anbieten können. All diese Aktivitäten führen im Leben dieser jungen Menschen und ihrer Familien zu einer gewaltigen Veränderung.
Wenn wir an Euren beispielhaften Einsatz denken, dann fallen uns folgende Worte von Rudolf Steiner ein:
„Denn dass der einzelne Mensch als Individualität sich fühlt, schließt nicht aus,
dass er sich auch mit der ganzen Menschheit verbunden fühlt.
Man hat in der Menschheitsentwicklung nicht das Recht,
sich als Individualität zu fühlen, wenn man sich nicht zu gleicher Zeit
als Angehöriger der ganzen Menschheit fühlt.“
Herzliche Umarmungen von uns allen und vielen Dank!
Ute Weitbrecht
Dieses Projekt bekam u.a. direkte Hilfe von der Waldorfschule in Hamburg-Wandsbek.