Waldorfschule – das ist eine Schule, wo nicht nur die Kinder lernen, sondern wo Erziehung bedeutet, einen ganzen Prozess des Lernens und der Verwandlung für jeden Einzelnen in Gang zu setzen – für die ganze Gemeinschaft bis in die Umgebung hinein.
Dieser Prozess des Lernens und der Verwandlung sollte stetig wachsen und als Katalysator dienen, um das Denken zu revolutionieren, akzeptierte Normen in Frage zu stellen und Veränderung zu initiieren. „Wie man ein Kind erzieht“, das ist ein Rätsel, mit dem wir jeden Tag leben und arbeiten, und dieser Prozess ist ein kreatives Forschungsprojekt für alle Beteiligten. Selbsterziehung und das Streben, jedes Kind mit Respekt zu behandeln, wird in einer Waldorfschule zur Lebensweise.
Der Waldorflehrplan will Kopf, Herz und Hand des Kindes erziehen. Dieser Prozess beginnt in den frühen Kindergartenjahren, wo abstrakte Erziehung vermieden wird und wo wir daran arbeiten, den Willen jedes Kindes zu nähren und zu stärken – durch Rhythmus, Wiederholung, einen Reichtum an Märchen und Liedern und eine warme, harmonische Umgebung mit entsprechenden Farben und natürlichen Stoffen.
Das nächste Stadium der Erziehung umfasst die Erziehung des Herzens durch Tierkunde, Fabeln und Legenden, Feldbau- und Hausbau-Epochen – alles auf sehr erfahrungsbetonte Weise. Geschichten mit moralischem Inhalt gehen einher mit rhythmischen Bewegungen für Mathematik und Sprache. Das Band zu einem besonderen Lehrer und die Präsenz des Ich dieses Lehrers bilden in dieser Zeit eine starke, führende Kraft der geliebten Autorität.
Erst in der Pubertät ist das Kind dafür gerüstet, das eigene Urteil zu üben und seine Fähigkeit zu unabhängigen Gedanken zu entwickeln. Durch den Willen und das Fühlen wird dem Denken die Tür geöffnet. So wachsen sozial verantwortungsvolle Individualitäten heran, die die Fähigkeit und Stärke besitzen, aus eigener Initiative Heilsames in der Welt zu tun.
Wir haben viele besondere jährliche Veranstaltungen wie den Winterbasar, Jahresfeste und Klassenfahrten, was alles unter aktiver Beteiligung der Eltern möglich wird. Regelmäßig werden in der Schule Fortbildungskurse veranstaltet, die für alle Interessenten offen sind. Eine in Verbindung mit dem Leben stehende Erziehung ist für uns in Indien eine uralte Weisheit. In den Veden ist der „Refrain“ immer wieder das Lernen und Lehren. Dieses wirkt heilend und bringt uns in Berührung mit allen wichtigen Aspekten des Lebens – Medizin, Ernährung und viele andere Gebiete, für die Dr. Rudolf Steiner uns unmittelbar praktische Einsichten gegeben hat.
Wenn Sie zum Beispiel Landwirt sind – an welchem Punkt Ihres Weges realisieren Sie, dass es an der Zeit ist, Ihre Anbauweise zu verändern, den Boden anders zu behandeln, die Erde zu schützen und Ihr Leben reicher zu machen? Ich bin sicher, dass jeder von Ihnen diesen Prozess im Denken durchgemacht hat, weswegen wir heute gemeinsam an diesem Punkt stehen. Und wenn die Wahrheit Ihrer Überzeugungen durch Ihre fortwährende harte Arbeit an ihren Früchten offenbar wird, erkennt man die Wirksamkeit und Lebendigkeit dieser Arbeit.
Auch für uns Erzieher beginnt alles mit einem Bewusstsein und Interesse für die Welt um uns herum. Wir als Lehrer gehen auf die Menschen zu und zeigen ihnen die Wichtigkeit, das Kind anders zu behandeln, und den Lehrplan der Waldorfschule auf eine lebendige Weise. Mit dieser neuen Anschauung bekommt alles, von der Ernährung bis hin zu den Unterrichtsfächern, eine neue Bedeutung und inspiriert im Kind eine Liebe zum Lernen. Dies kann die ganze Gemeinschaft nur bereichern.
Wir alle bearbeiten und pflegen den Boden der Zukunft, während wir die Weisheit der Vergangenheit verstehen, wenn wir mit den Rhythmen und Jahreszeiten unterrichten, wenn Geografie im Klassenraum beginnt, Geschichte in der Mythologie gegründet ist und die Liebe für das Kind sich in einem künstlerischen Erziehen ausdrückt, das dem Kinde hilft, sein in ihm liegendes Potential zu realisieren.
Nirmala Diaz, Sloka Waldorfschule, Hyderabad