Eriwan – lebendiger Impuls inmitten von Misstrauen

Jede Waldorfschule hat mit einer anderen vieles gemeinsam – die Kunst, die Ausgestaltung der Räume, die seelische Atmosphäre... Das Besondere der eigenen Schule inmitten des Besonderen der Waldorfpädagogik an sich zu finden, ist dagegen gar nicht so leicht.

Ist es nicht auch vermessen und anspruchsvoll, der eigenen Schule frühzeitig etwas Spezielles oder Einmaliges zuzuschreiben? Man kann diese Frage nur dann verneinen, wenn man diese Besonderheit wahrnimmt und nicht einfach nur vorstellt. Uns scheint heute die Besonderheit unserer Schule darin wahrnehmbar zu sein, dass sie fast seit ihrer Gründung 1994 in fortwährendem Überlebenskampf in einer beinahe feindlichen Umgebung existiert. Sie musste ihr Existenzrecht immer vor den pathologisch misstrauisch und feindlich gesinnten Behörden und Beamten beweisen.

Die Stärke unserer Schule liegt in der innigen Verbindung mit der Geisteswissenschaft. Die meisten Lehrer fanden ihren Weg zu ihr ganz individuell und direkt, nicht über die Waldorfpädagogik. Wahrscheinlich deshalb erfolgte die Gründung der Waldorfschule aus eigenem Impuls. Durch Anthroposophie entstand ein gemeinsamer Grund, auf dem sich verschiedene, manchmal gegensätzliche Menschen zusammenfanden, um gemeinsam die Realität der Waldorfschule zu gewährleisten.

Dieses „Zusammen“ ist der entscheidende Faktor für eine Kraft, die entsteht, wo gegensätzliche seelische Kräfte wuchtig zusammenprallen und dies nicht zu zerstörerischen Konflikten führt. Die Kraft der Gegensätzlichkeit schlägt bei gutem Willen in die Energie der Entwicklung und innere soziale Dynamik um.

Mit Hoffnung und Freude beobachten wir die guten Wirkungen der Waldorfpädagogik auf die armenischen Kinder und haben es noch ein bisschen schwer, unser Individuelles vom Allgemeinen schon genau unterscheiden zu können. Es gibt aber schon sich entwickelnde Richtungen: Tanz, Schauspiel und Zirkus werden bei uns während des ganzen Jahres unterrichtet. Sehr viel Aufmerksamkeit widmen wir den Aufführungen, wo Schauspiel, Zirkus, Eurythmie und Tanz auf relativ hohem Laienniveau gezeigt werden. Die Schule nimmt an Zirkus- und Theaterfestivals teil – und relativ oft machen wir Aufführungen in regionalen Schulen, in Waisenhäusern, (Jugend- und Frauen-)Gefängnissen, Krankenhäusern usw. Bald übernimmt unsere Schule die Patenschaft für das Waisenhaus in Gümri, der zweitgrößten Stadt Armeniens.

In dieser Weise wirken wir vielfältig in die sozialen Zusammenhänge hinein, die in unserem Land sicher besonders verknöchert sind. Das Leben unserer Schule wirkt belebend – selbst auf diejenigen, die unsere Schule bekämpfen.Ruben Djanibekian

Rundbrief - 3/2009 

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Projektnummer: 4165