„Sloka“ ist die älteste indische Waldorfschule. Unter vielen Mühen fand sie nun das notwendige eigene Schulgelände – und konnte es mit unserer Hilfe erwerben.
Die Herausforderung, ein Kind zu verstehen und mit ihm zu arbeiten, ist ein immer wiederkehrendes Lebensrätsel. „Wie wächst ein Kind auf, um ein ausgeglichenes Menschenwesen zu werden?“ – auf diese und andere Fragen stieß ich, als ich einen Sohn bekam und später realisierte, dass die Kinder eine andere Art von Schule brauchten, als es sie gab. Durch eine deutsche Nachbarin hatte ich nach dem College die Waldorfpädagogik kennengelernt, die einen tiefen Eindruck in meinem Herzen hinterlassen hatte. 13 Jahre später eröffneten wir die erste Waldorfschule in Indien – wir begannen am 3. Juli 1997 mit 19 Kindern und vier Lehrern...
Das sich entfaltende Curriculum ließ uns vor Aufregung den Atem anhalten. Die Verse, die rhythmischen Bewegungen, das Malen, die „Indianisierung“ des Lehrplans – all dies war so bereichernd. Wir schrieben Lieder, spielten Flöte und malten Bilder – taten Dinge, die wir nie zuvor getan hatten. Für uns Lehrer war es eine ungeheure Transformation, die wir durchlebten und in jedem anderen sahen. Für die meisten von uns war es eine Welt von Wundern, und wir liebten es, jeden einzelnen Tag zu erleben und neue Erfahrungen zu machen. Sloka zog bald viel Aufmerksamkeit auf sich, und 2003 mussten wir zusätzliche Räumlichkeiten mieten.
Zu dieser Zeit begann die Suche nach einem eigenen Schulgelände. Die Zertifizierung der Schule war ebenfalls von eigenem Landbesitz abhängig. Wir prüften zwei bis drei mögliche Orte pro Monat. Es gab immer einen Stolperstein – der Landtitel war unklar, die Örtlichkeit war nicht gut oder der Preis war zu hoch. Und so begann mit jedem Monat und Jahr unsere Sorge zu wachsen. Dann wurden uns, dank der Hilfe eines Elternteils, zwei Acre Regierungsland in guter Lage versprochen. Wir begannen, uns die Schule auf diesem Gelände vorzustellen und zu planen. Doch es sollte nicht sein. Die lokalen Wahlen brachten eine neue Regierung, außerdem kletterten die Bodenpreise in Hyderabad über die wildesten Vorstellungen hinaus. Die neue Regierung meinte, sie hätte für das Landstück eine „bessere Verwendung“. Endlose Fahrten zu den verschiedenen Regierungsbüros erwiesen sich als fruchtlos, und nach einem Jahr hatten wir zu akzeptieren, dass wir dieses Land nicht bekommen würden.
Einmal mehr sammelten wir unsere Kräfte und besichtigten viele weitere mögliche Orte, aber keiner davon war machbar. Ein wunderschönes parkartiges Gelände schien die ideale Heimat für Sloka zu sein – aber es war weit weg von der Stadt und kostete viel mehr, als wir geplant hatten. So setzten wir die Suche fort, aber dieses wunderschöne Stück Land blieb uns im Sinn, und nach vielen Beratungen wurde der Entschluss gefasst, dieses Land doch zu erwerben.
In der Zwischenzeit machte die Stadt eine dramatische Veränderung durch. Die Regierung kündigte die Eröffnung eines neuen internationalen Flughafens an, 8km von dem Grundstück entfernt. Die Stadt begann, in dieser Richtung zu wachsen, und sehr bald wurden Pläne erstellt, um den neuen Flughafen über eine Autobahn mit der Stadt zu verbinden. Der „IT-Korridor“ von Hyderabad und die Neubaugebiete mit ihren Wohn- und Geschäftskomplexen würden durch die Autobahn mit dem Grundstück verbunden werden. Unser Vertrauen in unsere Entscheidung wurde gestärkt.
Elternabende wurden abgehalten, der Plan vorgestellt und eine Fahrt zu dem neuen Gelände vorbereitet. Als die Busse an dem angekündigten Tag vorfuhren, kamen die Kinder angerannt und besetzten alle Plätze. Sie hatten entschieden, dass sie das neue Gelände zuerst gutheißen müssten! Ein Blick auf diesen großartigen Platz – und alle Kinder und die meisten Eltern waren gewonnen.
Nun war es Zeit, das Grundstück zu bezahlen. Sloka hatte als gemeinnütziger Trust nur ein kleines Kapital gebildet, mit dem der Landkauf unterstützt werden konnte – 10% der Gesamtkosten. Das Vertrauen, dass wir das Land irgendwie kaufen könnten, wurde unterstützt durch die Tatsache, dass uns die Freunde der Erziehungskunst Hilfe versprochen hatten. Auch machten sie uns mit einer großen deutschen Stiftung bekannt, die uns eine weitere sehr großzügige Unterstützung bewilligte. Fundraising unter Waldorfschulen in Europa und durch Schüler einer Waldorfschule in Neuseeland ermöglichte weitere Teilzahlungen. Eltern und Lehrer gaben, so viel sie konnten, und ein großes Bankdarlehen vervollständigte den Landkauf.
Nun stehen wir vor der Aufgabe, eine Schule auf dem neuen Campus zu bauen. Es war immer unsere Überzeugung, dass eine Waldorfschule mehr eine Frage des Geistes ist, wo ein intensives Interesse für Kinder und Liebe zum Lernen von grundlegender Bedeutung sind. Wir werden diese Ideale lebendig halten, während wir die Schule bauen. Und so wie wir von der internationalen Waldorfgemeinschaft Hilfe bekommen haben, unseren Traum möglich zu machen, so hoffen wir, in Zukunft anderen Waldorfschulen eine Hilfe sein zu können. Wir werden auch weiterhin unsere Ideen, Ausbildungsmöglichkeiten, Materialien usw. mit anderen Waldorfschulen teilen und hoffen, dass dieses Ideal einer ganzheitlichen Erziehung starke Wurzeln in Indien bekommen wird.
Für mich ist es immer schwierig, die Geschichte von Sloka zu erzählen, weil es etwas ist, mit dem ich jeden Tag lebe, und jeden Augenblick wächst sie und verwandelt sich in einen um so reicheren Teppich. Die Samen der Zukunft sind bereits gegenwärtig, und wir erfahren die Kraft dieses Webens in unserer Mitte jeden Tag.
Nirmala Diaz (übersetzt hn)