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Südafrika: Einfachste Kindergärten für Kinder aus den Townships

Das 1993 gegründete Centre for Creative Education in Kapstadt ist heute die einzige unabhängige Lehrerausbildungsstätte in ganz Südafrika – unter anderem für die Lehrer der südafrikanischen Waldorfschulen. Die Lehrerbildung ist jedoch nicht die einzige Aufgabe von Ann Sharfman und ihren Kollegen: Mit unermüdlichem Enthusiasmus bilden sie auch Frauen aus den Townships für ihre Pionierarbeit in einfachsten "Educare Centres" aus, in denen sie Kinder im Alter von wenigen Monaten bis sechs Jahren betreuen.

Schwierigste Umstände ...

In den Townships rund um Kapstadt herrscht unverändert Armut, und doch ist der Zustrom von Menschen aus ländlichen Gebieten ungebremst. Im Umkreis der Stadt erhoffen sich viele Menschen Arbeit und Zukunftsaussichten, die auf dem Land immer weniger gegeben sind.

Für die Kinder ist der Ortswechsel kein Trost: Gerade in den Townships müssen die Eltern ihre Kinder den ganzen Tag allein lassen, um irgendwie zu Geld zu kommen und für ihre Kinder abends etwas zu essen zu haben. Und so bleiben teilweise schon die Babys allein zuhause, bis die Mutter wiederkommt. Oder die Kinder bringen den ganzen Tag auf der Straße zu – und viele verwahrlosen in einer oft kriminellen Umgebung.

Auch viele Eltern ertragen ihre Lebenssituation nicht: Väter lassen die Familie im Stich, Mütter flüchten in den Alkohol. Die Aids-Problematik tut ihr übriges. Das Schicksal hält für die Familien in den Townships selten glückliche Momente bereit...

Die Waldorf Educare Centres sind für Kinder der einzige Lichtblick inmitten einer trostlosen Umgebung. Hier werden sie von engagierten Frauen liebevoll betreut und erleben das Gefühl, in dieser Welt willkommen zu sein – trotz der ungeheuren Probleme um sie herum.

Seitdem diese Arbeit 1994 begann, ging die Entwicklung der Educare Centres für die kleinen Kinder stetig voran. Peter van Alphen, der die Ausbildungen des Centre for Creative Education mit aufgebaut hat, schätzt, daß in den letzten 10 Jahren etwa 4500 Kinder ein Educare Centre besuchen konnten. Diese Kinder durften Erfahrungen machen, die ihnen niemand nehmen kann und die ihnen auch für die Zukunft viele Kräfte schenken.

Die "Educare Centre" sind natürlich keine perfekten, wunderschönen Kindergärten, wie es sie etwa in Deutschland gibt. Sie liegen in den Townships und entsprechen den Möglichkeiten, die dort vorhanden sind. Es sind einfachste Räumlichkeiten, entstanden aus Holz, Eisen oder anderem Material, das gerade verfügbar war.

... und mutige Frauen

Die Erzieherinnen sind engagierte Frauen, die selber aus der Township kommen. Nach ihrer Fortbildung sind sie unmittelbar für 50, 60, manchmal über 100 Kinder verantwortlich – manche dieser Kinder sind dabei erst wenige Monate alt. Diese Frauen ermöglichen es den Eltern der Kinder, arbeiten zu gehen oder Arbeit zu suchen, während sie selbst sich um die kleinen Kinder kümmern, mit ihnen spielen, singen und vieles andere.

Immer bedeutet den werdenden Erzieherinnen ihre Ausbildung und die künftige Aufgabe auch persönlich unendlich viel. Alle Menschen in den Townships sehnen sich nach Arbeit, die sie tun können. Was aber kann glücklicher machen, als eine Arbeit mit Kindern, die so unendlich sinnvoll ist? Derzeit machen über 100 Frauen die Ausbildung für ihre spätere Arbeit in einem, in "ihrem" Educare Centre.

2003 gründeten zwölf Frauen, die ihre Teilzeitausbildung beendet hatten, eine Art Netzwerk. Sie waren so inspiriert von dem, was sie in den Kursen aufgenommen hatten, daß sie ihren Lernprozeß fortsetzen wollten, um sich als Waldorferzieherinnen noch besser um ihre Schützlinge kümmern zu können. Ihre Partnerschaft nennen sie "Isiseko Sobuntu" (Gründung der Menschlichkeit). Sie besuchen sich gegenseitig, hospitieren im Educare Centre der anderen und unterstützen und beraten einander, wo sie können. Natürlich schicken sie auch ihre Helferinnen regelmäßig zu den Fortbildungskursen.

Die zwölf Frauen von Isiseko Sobuntu sind allein schon für fast 900 Kinder in ihren Townships (Khayelitsha, Philippi u.a.) verantwortlich. Da ist z.B. Maraldea, die im "Strawberry Play Centre" 120 Kinder betreut; da sind Angelina, Noxolile und Nomathoza, die sich in ihrem Educare Centre "Nontsebenziswano" in der Township Philippi um 250 Kinder kümmern; und da sind Nomvula, Nomakhaya, Virginia, Maurine, Noma-India, Khunjuzwa, Nomakhaya und Elsie, die für acht weitere Einrichtungen in Khayelitsha, Delft South und Old Crossroads verantwortlich sind.

Mit bewunderswertem Mut und Entschlossenheit gehen sowohl diese zwölf Frauen als auch die anderen ausgebildeten Erzieherinnen ihre große Aufgabe an. Für diese Arbeit zum Wohle der in den Townships lebenden kleinen Kinder braucht es viel Hilfe und Unterstützung. Die meisten Educare Centres haben keine Stühle, Tische oder Fenster. Als die Frauen von "Isiseko Sobuntu" mit Hilfe von Spenden einige Nähmaschinen erwerben konnten, fertigten sie Vorhänge für ihre Educare Centres an, die nun in zarter Schönheit strahlen. Für die Kinder ist so ein Augenblick schon ein Fest!

Es ist eine lange Reise, die diese Frauen angetreten haben. Aber mit unglaublicher Kraft arbeiten sie an der Verwandlung der schwierigen Umstände, unter denen sie leben – um der Kinder willen, die sich in ihrer Obhut befinden. Der WOW-Day hilft, dass dies möglich ist!

 

Weitere Infos:
Nonzukiso erzählt
- eine Kindergartenassistentin über Ihr Educare Centre (8/2008).
WOW-Day half 2007/08.
Zwei wahre Geschichten, die Schülern der Unter- und Mittelstufe die Schicksale der Kinder und Erwachsenen in Kapstadt näherbringen können.
Wunder in Kapstadt - eine weitere wahre Geschichte von Ann Sharfman (8/2007).
Mehr über das Centre for Creative Education (6/2007).
Zwei weitere Berichte stammen aus unserem Rundbrief Herbst 2006:
Trostlosigkeit und die Quelle der Veränderung
Virginias Educare Centre.