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WOW-Day
Sierra Leone: Kleine Waldorfschule im ehemaligen Bürgerkriegsland.
Shannoh Kandoh begann seine Initiative unter schwierigsten Bedingungen. 1995 fing der engagierte Sozialarbeiter während des Bürgerkrieges an, in Freetown Kinder armer, vertriebener Familien zu unterrichten. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe musste er seine Arbeit unterbrechen – aber eröffnete dann im Jahre 2000 eine richtige kleine Schule. Mit Hilfe der WOW-Day-Spenden konnte die Schule sich weiter entwickeln und nach mehreren Umzügen 2008 auch endlich einen sicheren Standort finden. Die Unterstützung der Initiative ist aber angesichts der bitteren Armut im Land weiterhin notwendig...
1995 fing Shannoh Kandoh in Freetown während des Bürgerkrieges an, Kinder armer, vertriebener Familien zu unterrichten. Als die Konflikte die Hauptstadt erreichten und die öffentlichen Schulen geschlossen wurden, hatte er zeitweise über 80 Kinder in seiner Abendschule. Bald danach mußte aber auch er die Arbeit unterbrechen. Und unter den vielen Opfern des Bürgerkriegs waren am Ende auch 17 Kinder seiner Initiative.
Als sich das Land im Jahr 2000 allmählich beruhigte, gründete Shannoh eine richtige kleine Schule mit anfangs 53 Kindern. Er gewann einige Lehrer und ging 2001 selbst für eine Waldorf-Ausbildung nach England, die er im Sommer 2004 abschloß. Damals war Shannoh Kandoh 33 Jahre alt...
Zeitweise hatte die Schule über 100 Kinder, dann aber wurde ein Umzug notwendig und kurze Zeit gab es nur 40 Kinder - die meisten aus ihrer Heimatregion vertrieben und durch die Kriegsjahre schlimm traumatisiert. Die Schule erhielt nach wie vor keinerlei staatliche Unterstützung. Shannoh bat die Eltern, monatlich etwa 50 Cent zu zahlen, doch selbst dies war für die meisten schwierig. 2005/06 forderte der Staat qualifiziertere Fachkräfte und Shannoh konnte einige besser ausgebildete Lehrer gewinnen, doch damit stiegen auch die Kosten.
Mit Hilfe vieler WOW-Day-Spenden konnten wir die bewundernswerte Arbeit dieser Initiative seit 2005 mit zunächst 500 Euro, bald mit über 1000 Euro monatlich unterstützen. Inzwischen hat die Schule über 200 Kinder in sechs Klassen.
Mehr Infos:
Homepage
Nov. 2008: Spendenaktion für die Schulküche / Diashow (5min) mit Interview.
Juli 2008: Zwei kurze Filme >> 7min und 5min.
Juli 2007: Shannoh Kandoh schickt uns einen >> anschaulichen Bericht über die Armut in seinem Land und was dies für das tägliche Schulleben bedeutet.
Mai 2006: Nana Göbel und Barbara Schiller besuchen die Initiative. >> Bericht aus Sierra Leone.
Ein einzelnes Schicksal
Alpha ist 15. Ein Waisenkind. Als er 7 war, töteten marodierende Rebellen seine Eltern, entführt ihn und machten ihn zum Kindersoldaten. Erst nach dreijähriger Gefangenschaft kam er nach einer Intervention humanitärer Organisationen zusammen mit rund 3000 anderen Kindern frei. Wie mochte es in seiner Seele aussehen? Es fanden sich keine Mitglieder seiner Familie, und Alpha wurde ein Straßenkind – wie so viele andere. Dann begegnete er Shannoh Kandohs Organisation "Action for Child Protection". Jetzt lebt er bei einer Patenfamilie in Goderich. Im November 2004 kam er in die zweite Klasse von Shannohs kleiner Waldorfschule.
Über seine Zukunft sagt Alpha: "Ich will ein Arzt werden, um anderen Straßenkindern zu helfen." Und dann sagt er, daß er so glücklich ist, in dieser Waldorfschule zu sein, die ihm das Erleben gegeben hat, geachtet und geliebt zu werden...
Mehr Details
1991: In Sierra Leone beginnt ein Bürgerkrieg.
1995: Shannoh Kandoh beginnt, Kinder armer vertriebener Familien zu unterrichten (29 Grundschulkinder in Calaba Town, Freetown).
1997: Die Regierung wird vom Militär gestürzt, die Schulen werden geschlossen, viele neue Kinder und freiwillige Lehrer kommen zu Shannohs Abendschule.
1998: Nach einer Intervention der Westafrikanischen Staaten verschlimmert sich die Lage im Land. Shannoh muß seine Initiative vorübergehend beenden.
1999: Rebellen dringen in die Hauptstadt ein, töten Tausende von Menschen und brennen die meisten Häuser nieder.
2000: Als die Lage sich stabilisiert, gründen Shannoh und seine Mitarbeiter eine kleine Waldorfschule mit zunächst 53 Kindern.
2001: Wegen der schlechten Bedingungen im bisherigen Garagengebäude fragt man nach einem ungenutzten Gebäude in der Nachbargemeinde. Anfang Oktober ziehen die Kinder um. Shannoh selbst fliegt im August mit Hilfe der Freunde der Erziehungskunst zur Ausbildung nach England.
2002: Die Schule hat vier Klassen mit 70 Kindern (4 bis 14 Jahre). Im September schließt Shannoh sein erstes Jahr in England ab, kehrt zurück und sieht zum ersten Mal seine im Winter zuvor geborene Tochter.
2003: Die finanzielle Lage bleibt schwierig, die meisten Gründungsmitglieder um Shannoh sind an andere Orte gezogen, ohne richtige Löhne ist es kaum möglich, motivierte Lehrer zu finden. Shannoh reist zu einem Seminar nach London und entschließt sich, für das zweite Ausbildungsjahr zu bleiben. Die Schule hat über 100 Kinder in vier Klassen.
2004: Im Juli kehrte Shannoh zurück. Seine Kollegen haben hart gearbeitet, viele arme Familien wollen ihre Kinder in die Waldorfschule geben. Bis Herbst gibt es sechs Klassen und 150 Kinder. Dann ist die Schule gezwungen, das baufällige Gebäude zu verlassen und wagt mit 40 Kindern der Klassen 1-3 einen Neubeginn in Goderich am Westende Freetowns.
2005: Die Schule hatte nach dem Antrag auf Anerkennung zwei erfolgreiche Inspektionen durch das Erziehungsministerium. Bemängelt wurde jedoch die geringe Qualifikation des Personals, und Shannoh stellte teilweise neue Lehrer ein. Ab September gibt es mit der neuen 1. Klasse wieder 60 Kinder in vier Klassen. Vor den Ferien gab es ein sehr fruchtbares "Friedenstreffen" der Familien, die wegen der Bürgerkriegsereignisse teilweise noch immer sehr verfeindet waren.
2006: Shannohs engster Mitarbeiter Abu Mansaray kann ebenfalls für ein Jahr in England Waldorfpädagogik studieren. Die Initiative findet in Rokel am anderen Ende der Stadt ein Stück Land, auf dem man langfristig bleiben und ein Schulhaus errichten kann.
2008: Im Sommer wurde an dem neuen Standort ein richtiges Schulhaus fertig. Am alten Standort Goderich bleibt die Schule bestehen, bis alle Kinder "herausgewachsen" sind. Die neue Schule in Rokel wird jedes Jahr um eine Klasse wachsen.
Zukunftspläne: Um eine langfristige Finanzierung zu sichern, sollen bald Paten für einzelne Kinder gesucht werden.
Kontakt
Goderich Waldorf School
Off Laurence Street
Goderich Village
Freetown
SIERRA LEONE
E-Mail: waldorfsl(at)yahoo.com

