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Waldorf Weltweit

Kolumbien - 12/2009

Arca Mundial – Heilpädagogik in Kolumbien

Eine heilpädagogische Initiative in einem von Guerilla, Paramilitär und Drogen geprägten Land

Im Jahre 1997 ergriff eine Gruppe von Freunden in Medellin die Aufgabe, eine begleitende Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Schwierigkeiten in der physischen und kognitiven Entwicklung zu beginnen, deren Situation und beschränkten finanziellen Mittel ihrer Familien es nicht zuließen, dass sie von den staatlichen Schulen aufgenommen wurden.


Zunächst hatte es in diesem Gründungsjahr 1997 das zweite iberoamerikanische Seminar über Heilpädagogik und Sozialtherapie gegeben, an welchem auch der Pädagoge Frank Lehnert teilnahm. Seine Ausarbeitungen über die Heilpädagogik waren der Grund dafür, dass der Leitgedanke der in Medellin begonnenen Arbeit die Anthroposophie wurde. So begann ein Freundeskreis um das Ehepaar Juan Guillermo Restrepo Florez und Sandra Domínguez Rendón in dem anthroposophischen Zentrum Micael eine Nachmittags-Arbeit für und mit behinderten Menschen.

Etwa zur selben Zeit beschlossen die kolumbianischen Behörden, die Sonderschulen für die Betreuung behinderter Menschen zu schließen und die Betroffenen stattdessen in die regulären Schulen einzugliedern. Die Schulen aber konnten oder wollten jedoch die schwer behinderten Menschen nicht aufnehmen, so dass diese keinen Zufluchtsort mehr hatten...

Das Projekt wird geboren

So entschloss sich die Initiative mutig, die bisherige Arbeit auszubauen und ein eigenes Heim zu gründen, um den betroffenen Menschen eine ganzheitliche Bildung zu ermöglichen.

Durch die Unterstützung einer von dem verstorbenen Frank Lehnert ins Leben gerufenen Stiftung und der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners konnte 2002 ein eigenes Grundstück gekauft werden. Ein einzelnes Haus ohne Garten steht zur Verfügung – Klassenzimmer, die Tischlerei, Weberei, Bäckerei, Küche, ein Essbereich und ein Garagenladen umschließen einen kleinen Innenhof.

Heute besuchen die Fundación 38 Menschen im Alter von 1½ bis 28 Jahren, mit Krankheitsbildern wie Autismus, Trisomie 21, Mikrozephalie, Entwicklungsverzögerung, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit. Es gibt vier verschiedene Gruppen: Die Kleinkinder bis 7 Jahre, die Heranwachsenden bis ca. 12-13 Jahre, die Jugendlichen und die Erwachsenen – letztere arbeiten in der Schreinerei und Weberei. Zehn Pädagogen betreuen die Schüler, davon drei verstärkt in Einzel- und Gruppentherapie.

Neben den handwerklichen gibt es natürlich auch künstlerische Aktivitäten, so etwa zweimal in der Woche Tanzunterricht und Chor für die Jugendlichen und Erwachsenen.

„Alle dürfen kommen“

Das ist der Grundsatz der Fundación – unabhängig davon, ob jemand zahlen kann oder nicht. Und so kommen die rund 40 Betreuten aus allen gesellschaftlichen Schichten. Dies hat jedoch gravierende finanzielle Folgen für Arca Mundial. Da weniger als die Hälfte der Menschen den notwendigen Beitrag zahlen kann und es keinerlei Unterstützung vom Staat gibt, fehlt es überall an Geld.

Und Arca Mundial hat auch eine Vision: In nicht allzu ferner Zukunft soll eine Camphill-Einrichtung etwas außerhalb der Millionenstadt Medellín entstehen – ein Ort der erwachsenen Behinderten unabhängig von ihrer familiären Situation lebenslang ein menschenwürdiges Dasein garantiert. Eine solche Lebensgemeinschaft schließt einen landwirtschaftlichen Betrieb, eine Bäckerei, verschiedene Werkstätten und Wohnhäuser mit ein.

Nun ist Arca Mundial auf der Suche nach Geldgebern für den Grundstückskauf sowie nach wirtschaftlichen Finazierungsmodellen, die langfristig unabhängig von ausländischen Spenden machen.

Jonas Bothe

Spendenstichwort: 6460 Arca Mundial.  >> Zum Spendenformular.