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Partnerschaften suchen die Waldorfschulen in:

Guadalajara, Mexiko
Quito, Ecuador
Vale de Luz, Brasilien
El Trigal, Cordoba, Brasilien
Medellin, Kolumbien
Nairobi WS, Kenia
Madietane, Pretoria und Stellenbosch, Südafrika
Shefaram, Israel (arabisch, Kooperation mit Harduf!)
Chengdu, China
Motueka, Neuseeland
Australien
... und andere !

Schulpartnerschaften

Vertiefte Begegnungen mit Menschen in anderen Ländern und Kulturen bedeuten einen lebenslangen Schatz. Eigentlich immer lohnt sich die Mühe, Kontakte und Partnerschaften mit Schulen im Ausland zu knüpfen. Nach einem Auslandsaufenthalt zum Beispiel kommen Schüler, Eltern und Lehrer meist mit vielen neuen Eindrücken, einem neuen Blick auf den eigenen Alltag und mit neu geschlossenen Freundschaften beschenkt zurück. Gern empfehlen wir Ihnen Waldorfschulen oder andere Einrichtungen, die eine Partnerschaft suchen.

Als Anregung für solche Schulpartnerschaften finden Sie hier einige Berichte, die wir schon bekommen haben.
Wir freuen uns auch sehr auf Berichte von Ihrer Partnerschaft - und wären dankbar, wenn wir solche ebenfalls hier zur Verfügung stellen könnten!

Übersicht

Kenia: Nairobi - WS Ismaning, Schülerfirma
Kenia: Nairobi - WS Schwäbisch-Gmünd, Afrikareise (2005)
England: York (s.u.). - WS Heilbronn, 8. Kl.
Rumänien: Rosia - WS Weimar, 10. Kl., Feldmess-Praktikum.
Moldawien: Kishinew (s.u.) - WS Bad Nauheim
Ukraine und Russland (s.u.) - WS Schwäbisch Hall
Russland: Moskau - WS Bremen, 10. Kl.
Russland: Samara - WS Leipzig, 11. Kl. (2007)
China - WS Marburg
Japan: Tokio - WS Berlin, Märkisches Viertel ("Berlin-Tokio-Berlin", "Nibelungen und Faust in Tokio", "Chemie und Fischköpfe").

Lehrer-Reisen

Berichte über (teilweise recht aufregende) Reisen von Lehrern nach...
Argentinien, El Bolson - WS Hamburg (2009)
Lettland - WS Chemnitz
Tadschikistan - WS Lübeck

Weitere Aktivitäten

WS Ismaning - Hier wurde eine richtige Schülerfirma gegründet, die in Kenia hilft.
WS Coburg, Hof, Wernstein - Verein pro-A-kids hilft einem Kindergarten in Kenia.
WS Klagenfurt (A) - vielfältige europäische Austausch-Projekte.
WS Dresden - Briefkontakte mit Waldorfschulen weltweit.
Wellington (NZL) - Schüler-Jahresarbeit "Unterstützung der Waldorfinitiative in Sierra Leone".
WS Lübeck - Die 4. Klasse backte und verkaufte Brot für ein Patenkind.

England: York

Vor ca. 13 Jahren ging ich mit meiner damaligen 8. Klasse zwei Wochen auf Klassenfahrt zu unserer Partnerschule York Steiner School. Neben Ausflügen haben wir einen verwilderten Garten urbar gemacht, Fassaden gestrichen und einen Schuppen gebaut. Einige Kinder hospitierten morgens im Unterricht. Mit den dortigen Achtklässlern (Verhältnis wir:sie = 39:13) machten wir ein wenig Sport. Die Kommunikation erwies sich erwartungsgemäß als nicht sehr überragend. Da die dortige Schule nach der 8. Klasse zuende ist, entstanden auch in Zukunft nur vereinzelt Verbindungen zwischen den Schülern. Der Kontakt geht vor allem über persönliche Erwachsenenbeziehungen; jedes Jahr kommt ein Kollege und verkauft an unserem Bazar Dinge aus York.

Dieses Jahr im Mai gehe ich mit meiner jetzigen 8. Klasse ein zweites Mal nach York. Wir werden versuchen, ein Bauvorhaben im Eingangsbereich zu realisieren. Ein dortiger Kollege wird alles vorbereiten. Schlafen werden wir eine halbe Stunde entfernt bei einem Bauern in Zelten. Die Kontakte mit Kindern werden vermutlich wieder spärlich sein: Die Verhältniszahl ist ähnlich (s.o.), und die dortigen Achtklässler sind ein wenig jünger als die unsrigen. Außerdem, das darf man nicht vergessen, wollen die Kinder in erster Linie eine Klassenfahrt machen - da haben sie genug mit sich zu tun.

Warum ich es dennoch mache?
- Damit die Kinder die Erfahrung machen können, dass man Englisch auch spricht und nicht nur lernen muss;
- damit die Kinder die Möglichkeit haben, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen;
- als Motivation, Geld für eine interessante Sache im Vorfeld und zu verdienen (das stärkt die Zusammengehörigkeit);
- in der Hoffnung, dass das eine oder andere Kind sich in der 11. oder 12. Klasse aufgrund der damaligen Erfahrung zum Sprachelernen nach York wendet.

Martin Böhm, WS Heilbronn, martinboehm(at)web.de, 2/2007.

Moldawien: Kishinew

Eine besondere Partnerschaft: Bad Nauheim – Kishinew (aus unserem Rundbrief 9/2004)

Es gibt viele Gründe für einen Klassenlehrer, einen Schüleraustausch zu begleiten, und besonders viele einen mit moldawischen Schülerinnen und Schülern.

Als Schüler hat es mich schon intensiv beschäftigt, wie es möglich war, dass die Generation meiner Großväter auf unsere französischen Nachbarn schießen konnte. Der Austausch mit französischen Schülern bewirkte bei mir den intensiven Beschluss, eine nochmalige Feindschaft mit den Nachbarn nicht mitzumachen, und hatte weitreichende biografische Folgen.

Mit östlich gelegenen europäischen Nachbarn befanden wir uns vor wenigen Jahrzehnten noch in einem „Kalten Krieg“. Noch in den 80er Jahren richteten die Regierungen des Westblockes Atomraketen gegen die Mächte des Ostblocks und umgekehrt. Die Länder unserer Partnerklassen gehörten damals noch zu den verfeindeten Systemen. Austausch unter solchen Ländern fand selten statt, jedenfalls hatte ich nie die Möglichkeit dazu. Jetzt haben sich die Verhältnisse geändert, eine riesige neue Welt tut sich auf – wir dürfen sie kennen lernen. Und zwar ohne Kriege.

Ich wollte meinen Schülerinnen und Schülern klar machen, welche historische Chance darin liegt, südosteuropäische Menschen in Frieden kennen zu lernen. Dazu schilderte ich in einer extra anberaumten Geschichtsstunde die Entstehung des „Eisernen Vorhangs“ nach dem Zweiten Weltkrieg quer durch Europa. Viele Schülerinnen und Schüler konnten im anschließenden Gespräch an Schilderungen ihrer Eltern und Großeltern zur deutsch-deutschen Grenze und den unvergesslichen Erlebnissen dort anknüpfen. Sie bekamen hoffentlich ein besseres Verständnis für die neue Situation und dadurch mehr Interesse an der nun leichter zu erreichenden östlichen Hälfte Europas.

Seit etwa einem Jahr hingen bei uns im Klassenzimmer Bilder der moldawischen Schülerinnen und Schüler. Die moldawische Klassenlehrerin Frau Dascal ist besonders stolz auf ihre folkloristischen Lieder- und Tanzvorführungen. Auch bei ihrem Besuch in Deutschland zeigten die Achtklässler Erstaunliches auf einer Monatsfeier – in traditionellen Kleidern.

Unsere Jugendlichen brauchten fast ein Jahr, bis sie merkten, dass die moldawischen Jugendlichen gar nicht immer so aussehen, sondern außer bei Folklore ganz normal angezogen sind wie sie. Auch ich als Lehrer muss eingestehen, dass ich die moldawischen Kolleginnen und Kollegen am Anfang unserer Begegnungen aufgrund ihrer etwas anderen Kleidung in Kategorien gesteckt habe, in die ich sie nach ausführlicheren Gesprächen nicht belassen konnte. Immer war ich angenehm überrascht, wie interessant und lohnend diese Gespräche waren, wenn sie sich ergaben.

Es gab auch andere unvergeßliche Erlebnisse:
Wenn 13 von 23 Jugendlichen aus einer Klasse das erste Mal in ihrem Leben in einem Schwimmbad sind und wenn auch Schülerinnen voll Begeisterung vom Sprungbrett springen, die nicht schwimmen können, und wenn es trotzdem irgendwie gut geht, dann sind das für den Aufsicht führenden Lehrer und die begleitenden Schüler unvergessliche Eindrücke.
Wenn die moldawischen Schüler auf unsere bauchnabelfrei angezogenen Schülerinnen völlig unreflektiert reagieren, dann können sich daran noch einmal interessante Gespräche mit unseren „Mädels“ anknüpfen.
Es blieben viele beeindruckende Erlebnisse zurück.

Wir mussten alle flexibel auf die Situation in der Austauschwoche reagieren, das forderte von allen Seiten viel. Hinzu kamen andere Lebensauffassungen, anderes Temperament und eine erhebliche Sprachbarriere. Auch das Monate vorher geplante Programm ließ sich mit Rücksicht auf die angestrengten Gäste und das schlechte Wetter nicht wie geplant durchziehen. Einige Eltern arbeiteten dadurch sehr spontan und viel – herzlichen Dank.

Wir waren eine Woche mit Menschen zusammen, die ganz anders waren als jene, die sonst um uns sind. Man hatte die Chance, unbefangener und offener zu werden, toleranter, flexibler, großzügiger, und man konnte sehr viel Neues kennen lernen. Hoffentlich haben alle diese Chance genutzt, und hoffentlich ergeben sich noch weitere...

Uwe Mos, WS Bad Nauheim, 9/2004.

Ukraine und Russland

Leuchtende Augen und Abschied unter Tränen... (aus unserem Rundbrief 3/2005)

Wie oft durften wir, Lehrer und Eltern der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall, es schon mit Staunen beobachten, wie sich Jugendliche unserer Partnerschulen nach kaum zwei Wochen Bekanntschaft unter Tränen verabschiedeten. Und wie oft berichteten unsere Schüler nach einer zweimonatigen Reise mit leuchtenden Ausgen, wie seltsam und doch so schön und herzlich es in Osteuropa ist.

Vor neun Jahren – als Berufsanfänger, der den Russischunterricht auf „sichere Beine“ stellen sollte – sagte ich mir: „Ich kann ihnen stundenlang die herrlichsten Sachen über Rußland erzählen, und sie werden es trotzdem nicht lieben! Sie müssen das Land erleben, den russischen Menschen kennenlernen...“. Heute pflegen wir regelmäßige Kontakte mit den drei Waldorfschulen „Semejnyj lad“ in Moskau, „V Datschnom“ in St. Petersburg und „Stupeni“ in Odessa (Ukraine). Jeder Austausch ist anders konzipiert und dient doch dem gleichen Ziel.

Die „Stupeni“ Schule wurde schon für über 50 Schüler fast zum zweiten Zuhause. Sie machen alleine oder zu zweit ein zehnwöchiges Sprachpraktikum, und es ist immer ein kleines Wunder, sie danach zu erleben. Und ebenso empfangen wir Schüler aus Odessa. Dazu kommt ein reger pädagogischer Austausch: Hospitationen, Beratungen über die Selbstverwaltung (so unterschiedlich unsere Schulen auch sind!) und gemeinsame Projekte zeichnen diese wahrscheinlich intensivste Partnerschaft aus.

Kulturreisen sind unsere jährlichen Begegnungen mit St. Petersburg, wobei die Robert-Breuning-Stiftung und das Oberschulamt Stuttgart jeweils eine 20-köpfige Gruppe bezuschussen. So ist es möglich, in geraden Jahren die russische Metropole zu bestaunen und in ungeraden Jahren mit den russischen Gästen die Schätze der deutschen Kultur zu entdecken. Zu einem besonderen Kapitel werden auch die geschichtlichen Beziehungen, die ja nicht nur erfreulich waren.

In Moskau sind die krassen sozialen Probleme nicht zu übersehen. Darum betonten wir beim Konzipieren unserer Partnerschaft mit der Schule „Semejnyj lad“ das Sozialpraktikum: Krankenhäuser für krebskranke Kinder, Speisung der Obdachlosen, Betreuung der Behinderten waren und sind die Aufgaben für unsere SchülerInnen.

Hin und wieder konnte unsere Schule auch mit bescheidenen Spenden helfen. Schon das Überleben einer Waldorfschule im Gebiet der ehemaligen UdSSR gleicht manchmal einer Heldentat...

Levon Babaliants, WS Schwäbisch Hall, 3/2005.