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Escuela "Crisol de Micael"
Lote 2 Fracción 5 Lago Puelo 8431
Provincia de Chubut
Argentinien
Tel: 0054 2944 491783
Fax: 0054 2944 492 792
E-Mail
AP: Claudia Metz
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Herbstfest
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Kinderspiel...
...im Kindergarten
Laternenfest
Selbstgemachte Puppe
Argentinien - 6/2007

"Crisol de Micael" – kleine Schule im fernen Patagonien

Argentinien ist siebenmal so groß wie Deutschland und hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 3.700 km. Waldorfschulen gibt es nicht nur in Buenos Aires, sondern auch in Patagonien. Rund 1.700 km südwestlich von Buenos Aires, recht nahe dem Touristenzentrums San Carlos de Bariloche und der Grenze zu Chile, liegen die Orte El Bolson und Lago Puelo. Aus Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem begannen hier 1998 einige Eltern, ihre Kinder selbst zu unterrichten: "La Escuelita" (heute "Crisol de Micael") entstand. Wenig später begegneten sie der Waldorfpädagogik, und 2002 gab es hier ein vom Lehrerseminar Buenos Aires organisiertes Fernseminar. Heute hat die Initiative 70 Kinder.


Die Eltern, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben, kamen in die Region auf der Suche nach einem anderen Leben, als es in den großen Städten möglich ist.
Sie glaubten daran, eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft bilden zu können, in Harmonie mit der Natur. Da sie kein zufriedenstellendes Erziehungsangebot vorfanden, organisierten sie sich, um eine Schule zu gründen, wo das Kind in seinem ganzheitlichen Wachstums begleitet wird, die Schulzeit eine befriedigende, bedeutsame Erfahrung ist und wo es Werte wie Freiheit, Verantwortung und Achtung vor dem Leben täglich erleben könnte.

Die Schule "Crisol de Micael" identifiziert sich mit den Grundsätzen der Waldorfpädagogik und richtet ihre Arbeit auf die harmonische Entwicklung der Kinder im Denken, Fühlen und Handeln – ihre Bedürfnisse und Rhythmen beobachtend und respektierend, damit sie vollkommene Erwachsene werden können, kreativ, selbstständig und sozial verantwortlich.

Die ersten Jahre

Die Initiative wurde 1998 ins Leben gerufen, als die Mutter eines Schülers eine Ausschreibung machte. Im August desselben Jahres begann die Schule mit 10 Schülern und einer Lehrerin in einem von den Eltern gemieteten Gebäude. Ende 1998 war die wirtschaftliche Situation sehr schwierig, sodaß die Schule in das Haus dieser Lehrerin umziehen mußte. Inzwischen gab es 17 Schüler, die in zwei Gruppen unterteilt und von zwei Lehrerinnen betreut wurden.

Zunächst fand der Unterricht nachmittags statt (was auch an staatlichen Schulen für einige Schüler üblich ist). Der Schultag begann mit Spielen oder Liedern in der ganzen Gruppe. Nach einem Märchen gab es dann gruppenspezifische Aktivitäten. Man traf sich zu einer mit Hilfe der Eltern zubereiteten Zwischenmahlzeit, ging dann nochmals in die Gruppen, um schließlich mit Gesang, Tanz oder Spiel zu enden.

Auch wurden Ausflüge organisiert, wurde Brot gebacken oder wurden Feste gefeiert, die jeweils ein Thema hatten, das von Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam vorgeschlagen und koordiniert wurde.

Im August 1999 zog die Schule, die mittlerweile vier Lehrer hatte, in eine Schreinerschule um. Die Lehrer trafen sich wöchentlich, um die pädagogischen Aspekte der Schule im Detail zu organisieren. Auch wurden wöchentliche Bildungsausflüge aufgenommen, die am Ende des Halbjahres in einem zweitägigen Campingausflug gipfelten. Am Jahresende gab es eine Puppenaufführung durch die Schüler und eine Ausstellung der Schülerarbeiten.

Im Jahr 2001 begannen neu aufgenommene Eltern in Eigeninitiative einen “Workshop zur Brotherstellung”, der durch Verkauf die Schule unterstützen sollte – der erste Schritt zu einer eigenen Schulbäckerei. Auch begann die Schule, an einer wöchentlichen Tauschbörse teilzunehmen, die dem Austausch von Gütern und Dienstleistungen diente, geleitet von Solidarität, Vertrauen und Ehrlichkeit.

Anfang 2002 zog die Schule mit inzwischen 30 Kindern in Kindergarten und Grundschule erneut um. Von nun an fand der Unterricht vormittags statt. Das neue Gebäude gehört einer Schülermutter, die es der Schule vermietet.

Der Beginn als Waldorfinitiative

Nachdem eine Lehrerin die Waldorfpädagogik entdeckt hatte, begannen wir 2002 mit dem Waldorf-Fernstudium des Lehrerseminars Buenos Aires, um alle Lehrer der "Crisol de Micael" darin auszubilden.

Ende 2003 gab es einen Workshop für natürliche Bauweisen, organisiert von der Schule, dem Bürgerverein des Ortes und der Gruppe “Kleiwerk” aus den USA. In diesem Workshop wurde in Lehmbauweise ein eigenes Kindergartengebäude errichtet – unter Mithilfe von Menschen aus aller Welt (USA, Mexiko, Costa Rica, Peru, Schweiz, Holland, Spanien, Russland)! Eine Schulmutter stellte das Grundstück zur Verfügung.

2005 verließ die erste Gruppe von Schülern die Schule. Um an öffentlichen Schulen zugelassen zu werden, mussten sie eine Prüfung ablegen. Mit Befriedigung beobachteten wir, dass sie sich ohne Schwierigkeiten an diese andere Form der Arbeit anpassen konnten.

2006 stieg die Zahl der Kinder auf 65, und es wurde ein neues Klassenzimmer für die Grundschule gebaut.

Nun, im Jahr 2007 hat sich die Schule auf insgesamt 70 Schüler mit 51 beteiligten Familien vergrößert! Es gibt zwei Kindergartengruppen und sechs Jahrgänge in drei Doppelklassen.

Die Umgebung

Das Schulgebäude befindet sich auf einem 1,5 Hektar großen Grundstück in ländlicher Gegend, umsäumt von kleinen Farmen, nur 300 Meter von einem Fluß entfernt und mit Blick auf die majestätische Bergkette der Anden. Dieser Rahmen hat einen starken spirituellen Einfluß auf alle, die hier ihren täglichen Aufgaben nachgehen und diese miteinander teilen. Auf diese Weise gibt es auch einen engen Kontakt mit der Natur und ein tägliches Erleben der Jahreszeiten und ihrer Rhythmen.

Im Moment hat die Schule drei Gebäude. Das der Grundschule ist ein gemietetes Haus mit drei Klassenzimmern, einer Küche und einem zentralen Raum, wo wir uns jeden Morgen versammeln. Der Kindergarten-Lehmbau befindet sich auf dem benachbarten Grundstück. Das dritte Gebäude, welches noch nicht fertiggestellt ist, wird die schuleigene Bäckerei beherbergen, die dann zur Finanzierung der Schule beitragen soll.

Außerdem gehören zur Schule auch ein Gemüsegarten mit kleinem Gewächshaus, reichlich Platz mit grünen Wiesen und schönen Obstbäumen, sowie Spielplätze mit Turngeräten und Schaukeln.

Das Schulleben

In der morgendlichen  Runde wird mit einem Sprechgesang gemeinsam der Tag begrüßt und begonnen. Dann werden alle Kinder von ihren Lehrern einzeln im Klassenzimmer willkommen geheißen. Ein rhythmischer Teil geht dem Unterricht voran. Im Unterricht benutzen die Kinder selbstgebundene Hefte mit Umschlägen aus Pappe, die sie mit Wachsmalkreiden verzieren. In der Pause gibt es eine Zwischenmahlzeit, die normalerweise aus von den Eltern selbstgebackenem Brot, frischem Obst und einer Tasse Tee besteht, und die Kinder haben danach Zeit zum Spielen. Dann wird der Unterricht fortgesetzt bis 12 Uhr – die letzte Stunde wird meist den künstlerischen Tätigkeiten oder dem Sport gewidmet. Alle Kinder werden individuell von ihrem Lehrer in den Tag verabschiedet und nehmen eine Hausaufgabe mit nach Hause.

Auch unsere Jahresfeste beginnen in einer großen Runde, wo wir durch unsere Hände verbunden eine große Gemeinschaft erleben. Es wird gemeinsam gesungen, manchmal getanzt oder rhythmische Übungen gemacht, der eine oder andere Lehrer hält eine Ansprache.

Beim Herbstfest im April 2007 brachte jede Schulklasse und Kindergartengruppe etwas von der Ernte in die Runde – verschiedene Getreidesorten, Mais, Äpfel, Nüsse, Hagebutten, buntes Herbstlaub und vor allem die Produkte, die im Unterricht hergestellt worden waren: Marmeladen, Obstsäfte, eingelegte Früchte, Törtchen und Chapatis mit Körnern, die später im weiteren Verlauf im Lehmofen auf Holzfeuer gebacken wurden. Auch Bastelarbeiten aus Naturmaterialien wurden gezeigt. Die Kindergartenkinder führten ein Musikstück vor, dann ging es weiter mit lustigen Spielen, die von den drei Schulklassen vorbereitet worden waren: Sackhüpfen, Eierlaufen, Laubspringen, Angeln, Ringe werfen...

Unsere Schulbeiträge bestehen aus einer Einschreibegebühr (für die Schulmaterialien) und dem monatlichen Schulgeld: Das Jahresbudget, verteilt auf alle Familien. Im Einklang mit dem Gemeinschaftssinn, der die Schule trägt, werden die Eltern ermutigt, einen höheren Beitrag zu zahlen, wenn es ihre Möglichkeiten erlauben. Durch Patenschaften hoffen wir noch mehr Kinder aufnnehmen zu können, unabhängig von ihrem sozialen und ökonomischen Hintergrund.

Die finanzielle Situation gestaltet sich oft schwierig und erfordert eine Hingabe und Opferbereitschaft von Seiten der Lehrer, die oft unterschätzt wird. Unter diesen Bedingungen wächst und gedeiht etwas sehr wertvolles, die Überwindung der rein materiellen Notwendigkeit, und es leuchtet in einem wärmeren Lichte, was uns als Menschen verbindet: Die bedingungslose Liebe zu einer gemeinsamen Sache.

Die soziale und finanzielle Frage

Das Leben hier in Patagonien „funktioniert“ ganz anders, als zum Beispiel in Deutschland. Eine Kranken- oder sogar Rentenversicherung kennen viele überhaupt nicht. Man ist froh, wenn man genug zum Leben - hat und wenn etwas übrig bleibt, dann kauft man sich schon mal ein Paar neue Schuhe. Im Krankenhaus wird jeder ohne Entgelt behandelt, und wer kann, darf eine Spende dalassen.

Eine feste Arbeitsstelle haben die wenigsten, vielmehr leben die Menschen von Gelegenheitsarbeiten, die oft saison-abhängig sind. Das bedeutet, dass man im Sommer vorausarbeiten muss, um über den Winter zu kommen. Das Leben ist viel rustikaler, und man ist mit weniger zufrieden. Die Häuser werden meist mit Holz geheizt, was natürlich entsprechend mehr Arbeit bedeutet, besonders wenn man bedenkt, dass die Bausubstanz ganz anders als in Europa ist: Es zieht an allen Ecken und Enden, es gibt keine Doppelverglasung, und oft regnet es je nach Windrichtung auch durchs Dach!

Es gibt auch sehr viele alleinerziehende Eltern gibt, besonders junge Mütter, die in den seltensten Fällen vom Kindesvater finanziell unterstützt werden - und vom argentinischen Staat schon gar nicht. Für diese ist es natürlich am allerschwersten, den Lebensunterhalt und das Schulgeld aufzubringen.

Unsere finanzielle Situation ist fast chronisch im Defizit. Hier ein paar Daten, die illustrieren sollen, dass wir tatsächlich um die pure Existenz kämpfen müssen:

Das Schulgeld beträgt 220 Pesos, für Geschwisterkinder 30% weniger. Die Klassenlehrer bekommen 1.500 Pesos monatlich, die zwei Helfer in der Grundschule und im Kindergarten 800 Pesos, die Fachlehrer für Kunst, Töpfern und Musik 150 Pesos pro Klasse (einmal wöchentlich). Die Lehrer sind nicht sozialversichert, fünf von ihnen sind alleinerziehende Mütter.

Ein kleiner Einblick, wie die realen Lebenshaltungskosten in El Bolson aussehen (5 Pesos sind ca. 1 Euro): Miete einer Einzimmerwohnung 800-1000 Pesos, Milch 4 Pesos, Brot 4-7 Pesos, Butter 11 Pesos, Kartoffeln (1kg) 4-5  Pesos. Strom, Gas, Telefon usw. kann man sich eigentlich schon nicht mehr leisten.

Unsere Einnahmen betragen 11.091 Pesos pro Monat (Elternbeiträge für derzeit 70 Kinder). 
Unsere Ausgaben liegen bei 13.530 Pesos (Gehälter 11.030, Miete 1.220, Unterrichtsmaterial 800, Büro 300, Heizung und Strom 200).


Damit ergibt sich ein Defizit von 2.450 Pesos pro Monat. Dieses Defizit wird jeweils durch Spendenaktionen ausgeglichen, seit neuestem auch in einer schuleigenen Kooperative – einer kombinierten Schulküche, Bäckerei, Spielzeug- und Bioladen. Hier hat das Gemeinschaftsgefühl einen schönen Platz, wo sich Eltern und Lehrer treffen können, während sie ihr leckeres, im Lehmofen gebackenes Vollkornbrot abholen. Direkt neben dem Kindergarten gelegen, ist es eine ideale Ergänzung und Möglichkeit für zahlungsschwache Eltern, ihre Schulden abzuarbeiten, denn Arbeit gibt es mehr als genug!

Die Weiterbildung

Seit sechs Jahren nehmen unsere Lehrer an den Kursen des von Ursula Vallendor geleiteten Waldorfseminars für Patagonien teil. Ursula Vallendor hat engen persönlichen Kontakt mit jedem von ihnen und begleitet seinen Werdegang in der Schule. Sie berät uns in sozialen, strukturellen und pädagogischen Angelegenheiten, hospitiert in den Klassen und gibt anschließend den Lehrern ein Feedback. Sie nimmt an den Lehrerkonferenzen teil, wo ihr Rat sehr gefragt ist. An-gesichts der Bedeutung dieser Arbeit, würden wir sie natürlich gerne öfter aus Buenos Aires einladen, aber die Entfer-nung ist groß (1500 km), die Flugkosten für uns sehr hoch, und an eine Bezahlung ihrer Arbeit ist kaum zu denken. Bei ihrem letzten Aufenthalt Ende Juni 2008 konnten wir ihr außer den Fahrtkosten nur 100 Pesos bezahlen (20€)!

Perspektiven und Hoffnungen

Wir haben viele Kinder auf der Warteliste. Bis Ende 2008 erwarten wir unsere „Legalisierung“, was uns einen größeren Zuwachs an Schülern ermöglichen wird.

Bis 2012 können wir noch das Kindergartengebäude benutzen, das Grundschulgebäude können wir noch weitere drei Jahre mieten – dann werden wir uns nach eigenem Grund und Boden umsehen müssen. Vielleicht überlegt es sich die Besitzerin des Landes ja noch und verkauft uns des Stück, auf dem der Kindergarten gebaut wurde, doch in jedem Fall müssen wir uns auf den Bau eines eigenen Schulgebäudes einstellen.

Im Moment fehlt es am meisten an Hilfe für zahlungsschwache Familien, einer Verbesserung der Arbeitssituation der Lehrer, an Weiterbildung und Unterrichtsmaterial.
 
Claudia Metz, Magdalena Rotta